In der Gedankenscheune Lichtenberg berichtete Albert Zujest von seinem Studienjahr in Trondheim und verglich die Nachhaltigkeitskonzepte Norwegens und Deutschlands. Während Deutschland mit Energiewende und technologischem Know-how punktet, setzt Norwegen auf erneuerbare Energien und breite Akzeptanz für Klimaschutz. Beide Länder stehen jedoch vor ähnlichen Herausforderungen – Nachhaltigkeit bleibt ein gemeinsamer Weg.
Von: macron
Am 26. September fand in der Gedankenscheune Lichtenberg ein spannender Vortrag mit Albert Zujest statt. Eingeladen hatte Gastgeber Dr. Stefan Büttner-von Stülpnagel, der regelmäßig Menschen und Themen rund um Zukunft, Kultur und Nachhaltigkeit in die Scheune bringt.
Der ehemalige Student der Universität Trondheim berichtete von seinem Jahr in Norwegen, vom Reisen, Forschen und den vielen Gesprächen mit Einheimischen. Schnell wurde deutlich: In Norwegen ist die tiefe Verbundenheit der Menschen mit der Natur Ausgangspunkt vieler gesellschaftlicher und politischer Entscheidungen.
Zentrales Gerüst seines Vortrags bildeten die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Diese globalen Nachhaltigkeitsziele umfassen Themen wie Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheit, Klimaschutz, saubere Energie und nachhaltiges Wirtschaften. Sie dienen als Maßstab, um nationale Strategien miteinander zu vergleichen.
Albert Zujest stellte dabei vier wesentliche Unterschiede zwischen Norwegen und Deutschland heraus. Auch wenn die Details im Gedächtnis der Zuhörer verschwammen, zeichneten sich klare Tendenzen in Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ab.
Deutschland punktet vor allem mit seiner Energiewende, der Kreislaufwirtschaft und technologischem Know-how. Gleichzeitig hemmen hohe CO₂-Emissionen, langsame Umsetzungsprozesse und hohe Energiepreise die Entwicklung. Chancen ergeben sich durch den Strukturwandel, nachhaltige Stadtentwicklung und europäische Förderprogramme. Risiken liegen in sozialer Ungleichheit, politischem Widerstand und internationaler Konkurrenz.

Norwegen hingegen profitiert stark von erneuerbaren Energien, Elektromobilität und einem staatlichen Pensionsfonds, der Nachhaltigkeitsprojekte fördert. Die Bevölkerung steht Klimaschutzmaßnahmen überwiegend positiv gegenüber. Doch der Öl- und Gasabbau, hohe Emissionen pro Kopf und ein hohes Konsumniveau belasten die Bilanz. Chancen sieht Zujest in Offshore-Windkraft, Fischerei und Aquakultur sowie internationalen Allianzen. Risiken bleiben das Festhalten an fossilen Energien sowie die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffpreisen.
Der Vortrag endete mit einem offenen Austausch, den Stefan Stülpnagel moderierte: Wie kann Deutschland von Norwegen lernen – und umgekehrt? Klar wurde, dass beide Länder vor ähnlichen Herausforderungen stehen, jedoch unterschiedliche Wege einschlagen. Entscheidend bleibt, die SDGs nicht nur als theoretischen Rahmen zu betrachten, sondern in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Fotos: Steffen Pollock
Die Zuhörerinnen und Zuhörer verließen die Gedankenscheune mit neuen Denkanstößen und der Erkenntnis: Nachhaltigkeit ist kein fertiges Konzept, sondern ein Prozess – in Norwegen wie in Deutschland.
Dieser Beitrag basiert auf Aufzeichnungen von Steffen Pollock







