Angekündigt war ein Konzert von Ulrich Thiem und Zhiyuan Luo. Daraus wurde nichts. Die Guzheng-Spielerin aus China steckt in Italien fest. Nicht auszudenken, das wäre Johann Sebastian Bach seinerzeit in China passiert. Um dessen (fiktive) Reise nach Beijing sollte es gehen. Und ging es dann auch: Denn Thiem sang, pfiff und flötete, zupfte und strich sein Cello, erzählte, philosophierte und phantasierte, als wäre er unterwegs immer darauf vorbereitet, alles mal ganz alleine zu machen. Ein Held der Kunstarbeit! Die gut sechzig Gäste bejubelten ihn am Ende.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Wir sind in Köthen. Johann Sebastian lernt eine Chinesin kennen. Bisschen Kirchenmusik, bisschen asiatische Musiktradition – schon ist man selbst in den Bann gezogen. Juliane Felsch-Grunow hatte nicht zu viel versprochen, als sie Unkonventionelles ankündigte – und das zum 275. Todestag des berühmten Komponisten. An Bachs Biografie klebt Ulich Thiem nicht. Nach den vielen Schwangerschaften (seiner ersten, eben erst verstorbenen Frau) will er mal alles hinter sich lassen. Nur die Musik nicht, seine nicht, ihre nicht, die gemeinsame am wenigsten. Das Wort zum Kirchenjahr wurde zitiert, als hätte J. S. schon davon gehört: “Prüft alles und das Gute behaltet!”

Bach singt anrührend vom “Quell aller Güte”. Die Fremde lernt höfische Tänze kennen. Flott geht es zu in St. Laurentius. In Peking sind die Rollen vertauscht, er ist der Fremde. Dass sie weniger erwähnt wird, wirkt konsequent in der konfuzianischen Gesellschaft. Thiem lässt den Weisen wieder aufleben. Seine Ordnungsphilosophie setzt auf Tradition, auf Achtung der Altehrwürdigen und der Natur. Bach gefällt’s, aber es reicht ihm noch nicht. Zum Glück gibt’s Clubs. Da kann er Jazz hören, da kann Thiem zeigen, was er kann. Viel. Spirituals, Volkslieder, Popsongs. Es ist “Summertime” in Beijing, über Smog kein Wort, über Epochen und Ethnien auch nicht. Und Opiumkrieg? Kein Thema. Nachher kommt noch wer mit Mao und seinen Versen.

Foto 1: VHS; Foto 2,3 freie Internetquellen
Dass der Solist am Cello besonders sicher aufspielt, verwundert nicht. Er liebt sein Instrument. Jede Saite. Sanft streicht er darüber, aber er kann auch anders. Dann zupft er wild herum. Das alte Cello hat nur fünf Saiten. Davon gebe es nur elf, erzählt er. Mit dem Abschied verknüpft der humorvolle Künstler die inständige Bitte, weiter zu Konzerten zu kommen, andere Menschen mitzubringen, junge Leute zu begeistern. Ihm gelang es in Rheinsberg.
Ob es die Partnerin, die in Italien feststeckt, wirklich gibt? Im Gotteshaus wird man ja wohl nicht auf Lügen bauen. Und Zhiyuan Luo kann sich ja revanchieren am Guzheng mit einem Soloabend und tausend Tönen, wenn er mal (wie sie in Italien) überfallen wird – er wahrscheinlich wegen des Instruments und des anmutigen Klangs…


Dem wieder mal sehr lesenswerten Bericht ist leider nicht zu entnehmen, wann und wo das Konzert stattgefunden hat. Auch die Bilder sind diesmal in dieser Hinsicht nicht aufschlußreich. Der interessierte, aber leider uninformierte Leser möchte doch gern wissen, was er verpaßt hat. In der Ankündigung der Konzerte für die Klosterkirche war dieses jedenfalls nicht dabei. Und wo sonst zu dieser Zeit? Vielleicht gar nicht in Neuruppin, sondern in einem Ortsteil? Wie schon erwähnt, ich würde schon gern wissen, ob ich mich jetzt ärgern muß oder nicht.