Jugendbuchautor Michael Sieben zu Gast in der Puschkin Oberschule

Ava ist verschwunden. Es dauert, bis man eine Notiz von ihr entdeckt. In der Schule gibt es später einen Aushang. Ava gehört zu den jungen Leuten, mit denen Zehntklässler der Puschkin Oberschule nähere Bekanntschaft machten. Michael Sieben las aus seinem Roman “Und dann springe ich”. Um einen Suizidroman handelt es sich nicht.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Schülerinnen des 8. Jahrgangs waren spontan hinzugekommen. Die in der Aula Versammelten lauschten sehr aufmerksam, was sich in jener kleinen Stadt an einem See zugetragen haben soll. “Könnte auch hier sein”, bemerkte der Autor nebenbei. Am EVI? Nah am Wasser? Ava gilt als schwierig. Sie wiederholt den 11. Jahrgang. Zwei Jungen machen sich auf die Suche. Sie dringen abends in die Schule ein. Der eine hat selbst nach einer Operation ein schweres Handicap. Sieben gelingt es, sicher auch durch den (nicht überzogenen) Jargon der jungen Leute, Interesse zu wecken. Von Konzentrationsschwierigkeiten keine Spur. Auch nicht, als es mit anderen jungen Leuten und ihren Familien auf eine Insel geht. Der Fall Ava bleibt offen. Otto Wynen schenkte der Schule ein vom Autor signiertes Exemplar. Es kann also ausgeliehen werden. Als Deutschlehrerin zeigte sich Johanna Grigo optimistisch, dass die Gelegenheit wahrgenommen wird.

Was aus Ava geworden ist? Michael Sieben erzählt es noch nicht.
Fotos: VHS

Im von Otto Wynen moderierten Gespräch ging es zunächst mehr um materielle Dinge, etwa den Anteil eines Autors am Reingewinn. Für Michael Sieben ist das nicht entscheidend, zumal er noch einer anderen beruflichen Tätigkeit nachgeht. Gern bestätigte er, dass literarische Figuren eine Art Eigenleben bekommen. Man merkt schon dem Roman an, dass er sich für die heutige Lebenswelt junger Leute interessiert. Marionetten sind sie nicht. KI ist auch (noch) kein Thema. Vernetzung ist wichtig. Sieben überfrachtet die Kapitel nicht serienmäßig mit täglichen Katastrophen. Die Grundspannung steht und fällt mit Ava. Wäre sie einem egal, müsste das natürlich nicht am Autor liegen. Der Titel “Und dann springe ich” weckt Assoziationen. Das Fünf-Meter-Brett im Schwimmbad dürfte nicht gemeint sein. Oder doch? “Wenn ich ihm etwas bedeute, dann findet er mich”, liest man auf der vorletzten Seite. Das Ringen um Anerkennung, um Wertschätzung, die Selbstfürsorge und die im besten Fall gegenseitige Liebe sind keine Erfindung von Jugendbuchautoren. Es gibt viele Gründe, zu schreiben. Nehmen wir Happy aus dem Roman. Sie schreibt, um Gedanken aus dem Kopf zu kriegen. Die Last löst sich. Es lohnt sich, mehr von den jungen Leuten zu erfahren, und von den nicht mehr ganz jungen Menschen nicht minder.
Uta Bartsch wies gerne auf weitere Veranstaltungen hin, die sich speziell an junge Menschen richten. Im Fontane-Kosmos denkt man eben an alle Generationen, nicht nur beim Europäischen Literaturfest Brandenburg. Nun ist man aber im “Puschkin” zu Gast. Da lassen wir doch zum Ausklang noch ein Wort erklingen, das von einer in Neuruppin nicht ganz unbekannten Lyrikerin stammt. Die Prosa Alexander Puschkins sei natürlich wie der Geruch von Dill und genau wie ein Rechenschieber, lobt Eva Strittmatter den russischen Schriftsteller. Und Michael Sieben? Lesen! Über den sonderbaren Vergleich der Dichterin kann man dabei auch noch nachdenken…

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