Michael Otto vor dem Gespräch mit Museumsmitarbeiter Peter Graf.
Eng stehen die vielen Gäste nebeneinander, fast wie auf diesen Bildern von Michael Otto. Aber hier ist niemand aus Stein. Und das Gespräch des Künstlers mit Peter Graf vom Tucholsky Museum ist von großer Entspanntheit. Die Fahrt von Neuruppin nach Rheinsberg zur Vernissage hat sich mal wieder gelohnt.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
“An der Peripherie” ist die Ausstellung betitelt. Auf nicht wenigen der Werke sind Gebäude zu erkennen, also massive Klötze, lange Fabrikhallen, Schornsteine. Fenster sind selten. Werden Menschen gezeigt, haben sie oft auch etwas Steinernes. Manche sitzen da wie Riesen. Stadtleben oder Zufallsbegegnung wird in Momentaufnahmen festgehalten. Ein Kollege habe diesen Realismus mal als metaphorisch bezeichnet, erzählt Otto. Allegorisch könnte man sicherlich auch sagen, denn es geht nicht um Abbilder. Lebensgefühl wird spürbar in einer steinernen Welt. Gedankenschwer wirken die Kreaturen.

Michael Otto, 1938 in Luckenwalde geboren, entschied sich irgendwann für Wes-Berlin. Er studierte an der Meisterschule für Grafik und Buchgewerbe und an der Hochschule für Bildende Künste. Als er im Westen spürte, dass es zwar keine Kunstdoktrin gibt als Pendant zum Sozialistischen Realismus, aber reichlich Erwartungen, Trends und Moden mit Tendenz zur Abstraktion, blieb er sich treu und ganz an der Wahrnehmung in dieser verwirrenden Welt orientiert. Aus Skizzen und Notizen irgendwo unterwegs wurden Gemälde, aus Beobachtungen ausdrucksstarke Figuren, aus Situationen gemalte Formationen. Sie leben, aber anders. Was gesagt wird, ist nicht zu hören. Nah kommt man ihnen nur, wenn man sich auf sie einlässt. Dazu ermutigt Michael Otto, dessen Werdegang im Tucholsky Museum dokumentiert wird.

Fotos: VHS
Von dem Wiener Comic-Zeichner Nicolas Mahler weiß man seit den Goldgruber-Chroniken, dass er steuerlich mal als Gebrauchsgrafiker eingestuft werden sollte. Nicht als Künstler, also doppelter Steuersatz fürs einfache Gewerbe. Von Michael Otto erfährt man, dass er als Gebrauchsgrafiker begann. Plakatgröße bot Fläche. Aufträge brachten Groschen. Darüber ist er weit hinausgewachsen – sehr zur Freude der Versammelten, die sich mit Applaus bedankten für das Gespräch.
Die Ausstellung “An der Peripherie” wird bis um 3. Mai 2026 präsentiert. Eine eventuelle Führung des Künstlers durch die Räume werde man früh genug ankündigen, verspricht Peter Graf. Michael Otto will nämlich wieder einmal ein paar Tage Urlaub machen in Rheinsberg, wenn der Frühling da ist. Nach all dem Gestein, Zement und Beton braucht er das auch mal. Und seine liebe Familie. Ob er das Schloss mal entzaubern mag, gerade wegen h300?
