Pilotin Melli Beese – seit 100 Jahren tot, in Wittstock nicht vergessen

Straßen, Plätze und staatliche Einrichtungen sind inzwischen nach ihr benannt. Es gibt Statuen, es gibt Stelen. In Wittstock erinnert eine Gedenktafel an Melli Beese. Vor 100 Jahren griff sie in Berlin zur Pistole. In Wittstock war sie im Verlauf des Ersten Weltkrieges nicht freiwillig gelandet.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Im Deutschlandfunk war am 21. Dezember 2025 im “Kalenderblatt” zu hören, Melli Beese sei gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Franzosen Charles Boutard, nach Wittstock “verbannt” worden. In der Stadt an der Dosse liest man auf einer Gedenktafel von Internierung. Seit fünf Jahren hängt die Ehrentafel an der Wand des Deutschen Hauses. In “Melli Beese – Eine Frau hebt ab” lässt der Autor Leon Berger diesen Teil der Lebensgeschichte ganz weg. Er malt sein eigenes Bild. Hauptsache, das 2025 erschienene Büchlein verkauft sich.
Die Leidenschaft für die Flugtechnik und die Fliegerei hat Melli und Charles zusammengeführt. Ihre Liebe ist vermutlich nicht erst im Ersten Weltkrieg brisant geworden. Aber dann geht es nicht mehr “nur” um Gerede, um Gehetze, dann wird eingegriffen. Dann werden sie nach Wittstock deportiert. Und auch dort “angefeindet, aus blindem Nationalismus”, so die Worte der Erinnerung und Mahnung am Rande des historischen Marktplatzes.

Ein Blick auf die Gedenktafel am Deutschen Haus in Wittstock/Dosse.
Foto: VHS

Geht es um Melli Beese als erste Pilotin in Deutschland, stehen andere Aspekte im Mittelpunkt, vor allem die systematische Benachteiligung von Frauen in Wirkungsfeldern, die Männern vorbehalten blieben. Hier kommen Flugtechnik, Konstruktionskunst und Flugzeugbeherrschung zusammen. 1911 startet sie in Johannithal, später Berlin-Treptow, zum ersten Flug. Sie hat die Lizenz zum Fliegen. Es geht noch nicht um Kampfflugzeuge, das sei nicht unterschlagen. Noch sind es nur “fliegende Kisten”. Eine turbulente Entwicklung hat begonnen. Das Leben rund um den Erdball wird sich total verändern. Daran mitzuwirken, das treibt Melli und Charles und lockt sie.

Ganz schön viel los in Johannisthal in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.
Quelle: Wikipedia

Wie man sich den Alltag in Wittstock vorstellen muss, kann hier nur offen bleiben. Eine hochgelobte Biografie ist vergriffen. Auch die Jahre nach dem Krieg müssen für das Ehepaar sehr belastend gewesen sein. Er sieht sich in Frankreich dem Vorwurf des Verrats ausgesetzt. Sie erlebt die Restriktionen, die mit der Niederlage verbunden sind, und gewiss auch Anfeindungen als “Feindesliebchen”. Zur “Dolchstoßlegende” passen auch solche Liebesgeschichten.
Melli Beese hat dessen ungeachtet große Pläne, aber es gibt Misserfolge, auch unternehmerisch. Das Wort vom “Absturz” macht die Runde. Nicht nur als Metapher. Auch Suchmaschinen finden keine Antwort auf die Frage, was für die am 13. September 1886 geborene Melli Beese am letzten Tag ihres Lebens der Auslöser dafür war, zur Pistole zu greifen.
Dass die hiesige Region, insbesondere die Kyritz-Ruppiner Heide, später massiv mit Flug, Lärm und Naturzerstörung zu tun haben würde, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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