Trotz des Autolärms eine anmutige musikalische Einrahmung.
Am 27. Februar 1878 kam Max Silberberg in Neuruppin als Kind jüdischer Eltern zur Welt. An der heutigen Karl-Marx-Straße erinnert nun eine Hinweistafel an seinen Lebensweg – bis zur Ermordung im KZ, vermutlich 1943. Zur feierlichen Enthüllung der zunächst noch von Folie geschützten Tafel hatten sich zahlreiche Interessierte vor dem ehemaligen Kaufhaus “Magnet” eingefunden.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Mario Zetzsche, der Leiter des Amtes für Kultur und Tourismus, sprach von einem “bittersüßen Moment”. Auf der einen Seite die Erinnerung an die Geburt eines Kindes, also an ein Neuruppiner Familienleben. Eine unternehmerische Erfolgsgeschichte wäre auch zu schreiben. Auf der anderen Seite die Erinnerung an die NS-Verbrechen, beginnend mit übler Nachrede, Diskriminierung und Verfolgung der Jüdinnen und Juden und nur zu oft endend mit Mord durch Vergasung oder Tod durch unüberwindbare Krankheit. Günter Hommel ging als einer der Initiatoren des Gedenkens noch näher auf den Lebensweg ein, einschließlich der Jahre der Familie in der Fischbänkenstraße.

Max Silberberg, so Hommel, wurde zum überaus erfolgreichen Galeristen und Kunsthändler. Der heutige Wert? Von Milliarden war die Rede – in Euro hochgerechnet. Für das jähe Ende sorgten die Nazis auf ihre kalte Art in Breslau, wo Max Silberberg seit 1920 mit seiner Familie lebte. Relative Armut war zunächst die Folge. Mit einer Ausstellung, die Werke von Gregory Berstein aus Köln zeigt mit Motiven und Ereignissen aus dem Leben Silberbergs, war in den letzten Monaten bereits ein deutliches Zeichen in der Galerie von Johannes Bunk gesetzt worden. Berstein, Bunk und Hommel galt der besondere Dank von Bürgermeister Nico Ruhle. Die Gelegenheit zu einem Besuch von “Licht und Schatten” war noch gegeben. Landrat Ralf Reinhardt machte sich als einer der Gäste noch auf den Weg.

Fotos: VHS
Amtsleiter Zetzsche hatte am Ende der von anmutigen Klängen aus dem jüdischen Kulturkreis eingerahmten Veranstaltung noch eine sehr gute Nachricht. Eine Nachfahrin von Max Silberberg werde der Stadt Neuruppin Wertvolles und Wichtiges aus dem Nachlass überlassen. Man darf gespannt sein, welche Präsentation im Museum Neuruppin daraus erwächst.
Die Hinweistafel ist an der Karl-Marx-Straße gut platziert, da nicht wenige Touristinnen und Touristen, die per Bahn anreisen, auf dem Weg in den Kern der Fontanestadt hier vorbeikommen dürften. Der jämmerliche Zustand des Kaufhauses aus DDR-Zeiten dürfte so schnell nicht überwunden werden. Durch seine Nutzung als Kulturraum werden allerdings auch kreative Signale gesendet. Mit dem Unternehmertum, für das der Familienname Silberberg steht, hat “Magnet” nichts zu tun. Das wird bei Gästeführungen, die schon am Rheinsberger Tor beginnen, sicherlich nicht unterschlagen.
