Großartige Eröffnung der Sommerkonzertreihe mit Mary Anibal aus Simbabwe

Zum Auftakt gleich das Beste? Mehr Begeisterung ist kaum möglich. Von der lettischen Organistin Agita Rando mit Feingefühl begleitet, zog die Sängerin Mary Anibal die vielen Gäste in der Neuruppiner Klosterkirche in den Bann. Als Star wurde sie vorgestellt, als Sängerin mit einer besonderen Ausstrahlung wurde sie gefeiert. In zehn Tagen wird sie ihre Deutschlandtournee mit Stationen in Städten wie Ansbach und München in Fürstenberg an der Havel abschließen. Aus der Musikkulturstadt Neuruppin konnte das Duo die besten Wünsche mitnehmen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Als Organisator der Sommerkonzertreihe konnte sich Kirchenmusikdirektor Matthias Noack über die große Resonanz zur Eröffnung freuen. Für die Menschen, die Mary Anibal bereits im Jahr zuvor in Rheinsberg erleben durften, war vermutlich sofort klar, wohin der Weg Mitte Juni führen musste: nach Neuruppin in die Klosterkirche, zu einem unvergesslichen Konzerterlebnis und um Mitsingen. Was Noack vorab aus einem biblischen Psalm las, durfte bei ein paar Songs wörtlich genommen werden: “Wir wollen unsre Lippen nicht verschließen!”

Ohne Probe, mit Herz: Mary Anibal und Esther Gitanji weckten Begeisterung.

Wir wollen aber auch nicht verschweigen, dass sich der Zugang zum Repertoire primär über den Wohlklang der Stimme der Sängerin, ihre Ausstrahlung und ihre Moderation ergibt. Wer verstünde und spräche schon die Sprache ihrer afrikanischen Heimat? Auf Englisch verdeutlichte Mary Anibal ihre Absicht: ein Lebensgefühl aus Glück, Zuversicht und Verbundenheit zu vermitteln, ohne darüber zu vergessen, was dem an sich und tagtäglich entgegensteht an Wirrnissen, Zerwürfnissen und Bedrängnissen. Glückselig, wer das erleben durfte!
Am Elektropiano und an der Kirchenorgel legte Agita Rando den Grund für den Sound, dafür gab es Sonderapplaus. Mit ihrer Calimba bewies die Sängerin ihre eigene Fingerfertigkeit. Matthias Noack hatte es kommen sehen. Es könnte Gründe geben, aufzustehen, mitzutanzen und sich dem Zauber hinzugeben.
Als es dann auf der Bühne zum Duett mit Esther Githanji kam, kannte die Begeisterung der Gäste keine Grenze mehr. Mitklatschen? Mit Vergnügen! “A good day!”, klang an diesem Tag schon fast wie eine Untertreibung.

Im Rampenlicht: die Aktivistin des Weltprojekts grenzenloser Menschlichkeit.
Fotos: VHS

In Simbabwe ist Superstar Mary Anibal an Projekten beteiligt, die den Frauenrechten gelten und den Bemühungen um schulische Bildung der Kinder und Jugendlichen. Gewiss werden nicht wenige Gäste den Auftritt zum Anlass genommen haben oder nehmen, um sich näher mit der Geschichte des afrikanischen Landes zu befassen. Hatte Annalena Baerbock nicht im Mai dieses Jahres in New York als Repräsentantin der UN den Ständigen Vertreter Simbabwes getroffen? Der Anlass: Die Weltkonferenz gegen Rassismus fand vor 25 Jahren in Durban statt. Die Absicht: Die Bemühungen weltweit weiterentwickeln in stürmischen Zeiten. Schon damals soll es sehr schwierig gewesen sein, sich im Gefüge der Staatenwelt mit ihren Machtzentren, ihren Frontstellungen und dem ganzen Geschichtsballast allein an der Menschlichkeit zu orientieren. Einfacher ist es nicht geworden. Aber dringlicher. Was die Musik alle Tage und allüberall dazu beitragen kann oder könnte, wurde durch das berührende Konzert in Neuruppin offenbar.
Und Vielfalt bleibt in der Klosterkirche Programm, auch instrumental. Am 23. Juni 2026 soll die ganze Wucht eines “Wimpernschlages” spürbar werden, wenn Saxophon und Orgel um Gehör bitten. Also? Der Eintritt ist frei, beim Spenden gibt es wie an diesem Abend keine Obergrenzen.

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