Nur ein Ausschnitt des riesigen Logistikzentrums an der A 24.
Geht man näher an die Großbaustelle von Netto heran, kommt man sich winzig vor. Und überflüssig. Ein riesiges Logistikzentrum entsteht. Läuft man an den nur wenige Kilometer entfernten Scheunen in Kremmen entlang, blickt man in die Vorgeschichte. Und ist willkommen. Zur Entwicklung in und um die Stadt Kremmen gehören beide Standortfaktoren.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Etwa 250 Kilometer lang soll der historische Post- und Handelsweg zwischen Berlin und Hamburg gewesen sein, also schriftlich geteilt kaum 32 preußische Meilen. Für Touristen und Pilgernde hat man inzwischen wieder einige Meilensteine in Position gebracht. An der A 24 fällt an der Abfahrt Kremmen ein anderer Meilenstein auf: EDEKA baut für Tochter Netto. Ob sie das mag? So groß, so fensterarm, so sachbezogen, so profitorientiert, so schlecht integriert?
Die Zahl der Einzelhandelsmärkte in der Region mit diesem netten Etikett ist beachtlich. NP gehört auch zur Familie. Gerne wirbt man auf allen EDEKA-Ebenen damit, Produkte aus der Region anzubieten, soweit möglich. In Scheunen zwischengelagert? Mit Kolonialwaren hat man es nicht mehr so wie zur Gründerzeit, als die schonungslos ehrliche Abkürzung entstand für die “Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler”. Nicht gewusst – oder? Sie liebten Kolonialwaren um 1898. Togo hieß noch nicht To Go!

Fotos: VHS
Das Scheunenviertel in Kremmen kommt für Lagerhaltung nicht mehr in Frage. Es ist inzwischen ein Markenzeichen der Stadt. Kulturelle Veranstaltungen werden geboten, Flohmärkte gibt es auch. Man kann einkehren, man kann Antiquitäten erwerben. Die Atmosphäre allein lohnt auch schon die Pause. Ein Verein wurde gegründet. Auf dessen Homepage sieht man, was sonst noch zu finden ist. Lesungen gehören dazu und natürlich Musik. Ein Teich strahlt dörfliche Atmosphäre aus.
Der Netto Discounter am Ort liegt an der Ruppiner Chaussee. Über Landstraße gibt es eine Verbindung nach Neuruppin, bis Herbst 2025 auch per Bahn. Kremmens Bahnverbindung mit Berlin ist erhalten geblieben. Schon Theodor Fontane war seinerzeit nicht hingewandert. Er schreibt in den “Wanderungen” über die Anreise: “Wir haben den Elf-Uhr-Zug benutzt…” Das war inzwischen möglich. Und netto war das sicherlich günstiger im Vergleich mit einer Kutschfahrt. Eine bisschen arrogant wirkt das schon, wenn er über den Tagesführer sagt: “Das Dreieck Spandau-Nauen-Kremmen umschließt seine Welt.” Und zwei Zeilen weiter: “Er versteht auch zu sprechen.” Ach, Theo! Vielleicht sind einige Brandenburger und Brandenburgerinnen nur sprachlos oder wortkarg vor Glück, weil das Leben hier Brutto so viel mehr ist als Netto…
