NiUS-Duo zu Gast in Rheinsberg mit “Links-Deutsch Deutsch-Links”

Fast fünfzig Gäste konnte der Rheinsberger Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow im Bürgerhaus begrüßen. Man hatte den Bürgersaal für eine Lesung von Birgit Kelle und Ralf Schuler aus dem Buch “Links-Deutsch Deutsch-Links” zur Verfügung gestellt. Der Journalist und die Journalistin aus dem Aktionskreis von NiUS lasen nicht nur eigene Texte. Die Veranstaltung verlief völlig unspektakulär. Auf ein Honorar hatten die beiden Gäste verzichtet. Über regelmäßigen Applaus von gut der Hälfte der Versammelten konnten sich die beiden Wortgewandten freuen. Kopfschütteln und bedrückt wirkende Gesichter gab es auch.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Ob Birgit Kelle wirklich mit Protest gerechnet hatte? Mit Transparenten und Sprechchören? Das Ausbleiben war ihr in Rheinsberg zumindest eine spöttische Bemerkung wert. Vater und Mutter einiger Rechts-Gedanken wirkten gut eingespielt. Als Urahne wird Konfuzius erst gegen Ende zitiert: “Wenn Worte ihre Bedeutung verlieren, verlieren Menschen ihre Freiheit.” Für welches Staatsverständnis der Chinese selbst steht, ließ man lieber unerwähnt.
Mit “gesellschaftlicher Debatte” fing’s an, eine Art Aufwärmübung von Schuler. Die Kelle hingegen setzte höher an – und das, wenn der äußere Eindruck nicht trügt, als “Frau” und, weil’s in Rumänien unter Rumänen geschah, mit südosteuropäischem “Migrationshintergrund”. Sie sieht den “Geßler-Hut” in der Republik und die um NiUS Versammelten im Freiheitskampf gegen totalitäre Tendenzen einer rot-grün eingefärbten Begriffs- und Gesetzeswelt. “Populismus” wird ausdrücklich von den Vorlesenden nicht verdammt, wie auch bei der Wortwurzel im Volk? Partizipbildungen aktiver Art lassen sie laut auflachen. Am “Flüchtling” kann er nichts Diskriminierendes finden, dem “Liebling” sei Dank. Genderkritik, die geht immer, das wissen die beiden Volkskundler, also rauf und runter mit allen Identitäten, für sie Absurditäten. Ein spöttischer Grundton prägte die Lesung über weite Strecken. Das zu bemängeln in der Nachbarschaft des Satirikers Kurt Tucholsky, wäre völlig absurd. Da lobt man lieber die redlich um das rechte Wort bemühten Federführer wegen des Bildungsniveaus. So verwies Schuler einen Gast, der die Kontrolle über seine Bemerkungen durch die Erinnerung an kurze und kürzeste “Mädchenröcke” völlig zu verlieren drohte, auf Heinrich von Kleists Aufsatz “Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden”. Da allerdings ist von der Kraft derart tief im Mannhaften verwurzelten Gelüste mit Speichelfluss noch nichts zu lesen.

Ein Mann und eine Frau – Vater und Mutter einiger Rechts-Texte.

Um “Islamophobie” ging es auch, aber nicht um “Israelkritik”. Dabei stehen die Stichworte Seit’ an Seit’. Kelle machte sich über Opferrollen lustig, es gebe da eine Hierarchie im rot-grünen Milieu. Zynismus dieser Art ist nicht verboten. Die Inszenierung selbst lebt davon, dass man sich bei NiUS als bedrängt gibt, benachteiligt, zu kurz gekommen.
Dass der Ex von der bildungsfernen “Bild” nicht so krass polemisiert gegen die Öffentlich-Rechtlichen wie die Heilsbringer der AfD, überrascht. Er selbst mahnt Reformen an und beklagt die Erstarrung des Apparats. Beim Stichwort “Energiewende” fällt natürlich auf, dass er die frühe Abschaltung des KKW Rheinsberg nicht auch kritisiert. Wie aufgeheizt beklagt er Widersprüche und Wirrwarr. Er rechnet mit vielen Nullen (ab), zumal der eingeschlagene Weg alles andere als spottbillig ist. Der Iran-Krieg ist für Schuler allerdings kein Anlass, noch eine Schippe deutsche Kohle draufzulegen.

“Grüne Geld- oder Weltvernichtung?” Was war gelesen worden?
Fotos: VHS

Eine der dümmsten Passagen des Buches wollen wir hier mal im Original anbieten: “Die Verquickung beider Begriffe – ‘Klimaleugner’ und ‘Holocaust’-Leugner – ist kein Zufall, sondern gezieltes Wording…” Jan Karon heißt der Verfasser, wenn’s kein Neudopsym ist. Zur Loyalität bei NiUS scheint es sowieso und auswärts noch mehr zu gehören, dass man wie blöd zusammenhält. Ein Zuhörer meinte, “grüne Weltvernichtung” gehört zu haben und frug lieber nach. Tatsächlich hatte Schuler “Geldvernichtung” gelesen. Nicht auszudenken, hier ein Freud’scher Verspecher ins Blaue gesprochen.
Bleibt die “Demokratieförderung”. Folgt man Schuler und Kelle, wurde an diesem Abend die Demokratie gefördert. Denn sie wollen “Diskurs”. Wer nicht? Der gelesene Abschnitt prangert ein “millionenschweres Geschäft” an. Aber Kelle äußert auf Nachfrage die Erwartung, dass dieses von finsteren Machenschaften geprägte System bald zusammenbrechen werde angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.
Auf die Frage, warum das Werk nicht “Links-Deutsch Deutsch-Rechts” heiße, wussten Schuler-Kelle keine rechte Antwort. Der Applaus am Ende fiel deshalb nicht geringer aus, der Dank von Schwochow auch nicht. Ob man die blöden pubertären Bemerkungen Kelles Richtung CSD noch erwähnen sollte?

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