Charlotte Brandies.
Fast dreißig Titel, das ist nicht wenig. Aber darauf lief es in der Fontane-Buchhandlung hinaus bei “Sommer, Sonne, Buch”, der Veranstaltung am 18. Juni, die von knappen Informationen, thematischer Vielfalt und leidenschaftlichen Statements im Hinblick auf die Sommerlektüre 2026 lebte.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Charlotte Brandies hat “Hitzetage “ und “Diese Sache mit uns” auch schon im Internet angepriesen. Nun erhielt sie in der gut besuchten Fontane-Buchhandlung die Gelegenheit, live für die beiden Romane zu werben. Die Authentizität der Figuren in beiden Büchern lobt sie besonders und die offene Anlage der Handlung. Der Applaus zeigte, dass diese Öffnung der Buchhandlung gerne gesehen wird. Und die Präsentation aller Werke per Beamer ließ deutlich werden, wie unterschiedlich die Buchcoverkunst heutzutage daherkommt.

Da sind die gemalten Tierbilder, die nicht nur Kinder dazu animieren, sich mit “Wenn es Abend wird im Wald” von Kaisa Happonen und Anne Vasko zu befassen. Die Literaturreise führt nach Finnland. Alexander Fries hatte damit den hochinteressanten Abend eröffnet. Da ist der Blick auf eine Grafik mit fast fünfzig gleichartigen Wohnsegmenten in Farbvielfalt, der Aufmerksamkeit weckt für das Werk “Guten Morgen, schönes Wetter heute” von Tanja Kokoska. Es geht um nicht weniger als 1584 Menschen in einhundert dreistöckigen Mietshäusern. Die genaue Zahl ist auch deshalb wichtig, weil der Fund einer Weltkriegsbombe alle Menschen in dem Stadtsegment betrifft. Und einander näherbringt. Mit werbenden Worten für die Romanlektüre beschloss Jana Kolar-Voigt die Präsentation der Sommerlektüre. Das schwarz eingefasste eingefärbte Foto einer Frau weckt Interesse für “Ich, die ich Männer nicht kannte” von Jaqueline Harpman. Fast vierzig Frauen werden unter Tage gefangen gehalten. Maria Sasse verband ihre Vorstellung mit dem Hinweis, es sei keine leichte Lektüre, aber eine menschlich zutiefst berührende. Auf dem Einband von “The Artist. Die Farben des Licht” von Lucy Steeds ist ein impressionistisches Gemälde zu sehen. Annette Koegst führte mit dem Werk in die Provence und zur Malerei um 1920.

Der Handzettel mit den knappen Angaben liegt sicherlich noch länger aus bei “Fontane”. Wie lange die ersten gelieferten Titel vorrätig sind, hängt von den Kunden und Kundinnen ab. Nach der von Leseleidenschaft geprägten Präsentation ging es schon los mit der Nachfrage. Und zur Besonderheit der langen Einzelhandelsnacht gehörte es sowieso, dass noch spät eingekauft werden konnte. Ein erstauntes Kind frug seine Eltern im Freien, was hier kurz vor Neun noch los sei. “So viele Leute!?” Man war auch durch die “35” am linken Schaufenster aufmerksam geworden. In der Buchhandlung erinnerten Präsente und Kartengrüße an den Geburtstag und die Feierlichkeiten vor einer Woche.

Fotos: VHS
Krimibesessene und Krimiaffine wurden an diesem Abend ebenfalls versorgt. Nehmen wir einmal Titel wie “Zuflucht” von Gary Disher oder “The Tainted Cup” von Jackson Benett. Hinaus in die sensible Natur ging es mit Björn Kern und “Aufgeklärtes Staunen”. Der Autor hat bereits bei “Fontane” gelesen. Ebenso Alexander Rudolfi, auf dessen Werk “Willkommen im Bauch der Maschine” hingewiesen wurde. Was bleibender oder gar steigender Wert bedeutet, konnte Annette Koegst anhand der illustrierten Neuauflage von Sylvia Plaths Roman “Die Glasglocke” erläutern. Dass einige Gäste die Urfassung aus den 60ern kennen, überrascht nicht in der FontaneHeymAhrendStrittmatterlesestadt. Erwähnt sei auch noch, dass “Adama” von Lavie Tidhar mitten hinein in den Nahostkonflikt und seine komplexe Geschichte führt. Und mit “Nelka” von Svenja Leiber geht’s zurück zu den NS-Verbrechen der millionenfachen Zwangsarbeit.
Was nach der Sommerlesepause ansteht bei “Fontane”, zeigt ein neuer Flyer. Aber zuerst mal hinein in die Hitze, vielleicht mit “Zunehmende Trübung”, Björn Krögers Stechlinseewerk, mit “Unter Wasser” von Tara Menon oder doch erstmal die schon erwähnten wärmstens empfohlenen “Hitzetage”? Wenn der Tag doch nur mehr Stunden hätte und die Woche Tage! “24/7” – das ist für die Schätze der Weltliteratur einfach zu wenig
