Bestanden

Die Landratswahl in Ostprignitz-Ruppin war auch ein Demokratietest

Der Wahlabend in der Neuruppiner SPD-Geschäftsstelle war geprägt von Erleichterung statt Jubel. Eine persönliche Beobachtung über den Wahlsieg von Ralf Reinhardt, demokratischen Zusammenhalt und die Aufgaben, die nach der Wahl bleiben.

Von Otto Wynen

Es war die pure Neugierde, die mich Sonntagabend in Richtung der Geschäftsstelle der hiesigen SPD trieb. Die ersten Teilergebnisse hatte ich noch zu Hause zur Kenntnis nehmen können; da deutete sich ein prozentual passabler Vorsprung von Ralf Reinhardt gegenüber seinem Mitbewerber und AfD-Kandidaten Thorsten Arndt an. „Gelaufen“ war da die Wahl für Ralf Reinhardt noch keineswegs. Aber eine Tendenz, dass er das Rennen machen könnte, schien sich zu bestätigen.

Vor der Geschäftsstelle konnte ich erst einmal registrieren: ein paar stadtbekannte Grüne waren auch schon da. Das erkenne ich an deren Fahrrädern. Der grüne Kreisverband hatte Ralf Reinhardt schon frühzeitig seine Unterstützung zugesichert.

Gespanntes Warten auf die letzten Hochrechnungen: In der SPD-Geschäftsstelle verfolgen Ralf Reinhardt und Unterstützerinnen und Unterstützer die eingehenden Wahlergebnisse der Landratsstichwahl.
Foto: Otto Wynen

Inzwischen war es etwa 18 Uhr 45. Drinnen saßen SPDler aller Altersklassen, Frauen wie Männer, es saßen die Grünen rum und auch ein paar Journalisten. Die Stimmung war (wie sagt man? ) gelöst. Und ganz erleichtert und gut gelaunt schien vor allem Ralf Reinhardt. Er hatte auch allen Grund dazu: denn mit jedem neuen Teilergebnis zeigte sich, dass er eine dann doch klare Mehrheit der Stimmen gewinnen würde und auch das sogenannte Quorum (ich nenne das jetzt mal: die 15-Prozent-Hürde) erfüllt wurde. Damit war schon gegen 19 Uhr klar: Ralf Reinhardt war gewählt worden. Am Schluss lautete das Ergebnis ganz klar: 60,6 Prozent für Ralf Reinhardt gegenüber 39,4 Prozent für Thorsten Arndt. Trotzdem war keine Jubelstimmung im Raum, nur vielleicht eine gewisse Genugtuung
Dazu gab es auch gute Gründe: mit dem Zugewinnen von über 8.000 Stimmen im Vergleich zur Wahl vor drei Wochen zeigte sich nämlich vor allem eines: die Kresse-und Mundt-Wähler des ersten Wahlgangs haben sich dann doch mit großer Mehrheit für eine Unterstützung des SPD-Kandidaten entschieden. Das wird vielen bestimmt gar nicht so leicht gefallen sein. Aber es war eine Entscheidung für den unzweifelhaft demokratischen Kandidaten. Insofern war es ein Demokratietest, den die Wähler in OPR mit Bravour bestanden haben. Thorsten Arndt hatte zwar auch noch mal etwas mehr als 2000 Stimmen im Vergleich zum ersten Wahlgang bekommen, aber das reichte natürlich bei Weitem nicht, um den Wahlsieg von Ralf Reinhardt zu gefährden. Und Thorsten Arndt war bei alledem – wie vermutet – ein fairer Verlierer, obwohl ich nicht weiß, ob er zu der Zeit schon seinem Gegner gratuliert hat.

Die Wähler haben in einer konzertierten Aktion gezeigt, dass ein Sieg der AfD durchaus verhindert werden kann. Unaufgeregt und souverän. Ich wünschte mir, dass die Wahlergebnisse dieser Landratswahl, die wieder einige bekannte Muster zeigten – wie zum Beispiel die „AFD-Vorherrschaft“ auf den Dörfern und in den ländlich geprägten Regionen – so bald wie möglich präzise analysiert werden, um daraus eine erfolgversprechende Strategie für kommende Wahlen zu entwickeln. Aber mehr als das, muss die Politik sensibler die Kritik an der „Weiter-so“-Politik aufgreifen und Veränderungen beherzt angehen.
Politik wird aber eben nicht (nur) von „denen da oben“ gemacht. Wir alle gemeinsam, die von uns gewählten Politiker und vor allem wir selbst, sind gefragt, unser Zusammenleben gesellschaftlich und politisch zu gestalten und zukunftsreif zu machen. Und dazu braucht es vielleicht auch noch einmal so etwas wie ein paar konkrete Utopien.

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