BSW-Mann Dietmar Ringel (rechts) und die vier Kandidaten bei der Eröffnung.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht ist im laufenden Wahlkampf nicht mit einem Kandidaten oder einer Kandidatin für das Amt des Landrats im Kreis OPR vertreten. Als BSW Ostprignitz-Ruppin lud man zu einem öffentlichen Bürgerdialog ein, bei dem sich die vier Kandidaten auf dem Schulplatz präsentierten. Dietmar Ringel moderierte. Leider überschnitt sich der Termin mit einer hochbrisanten politischen Veranstaltung. So kann hier nur vom Auftakt die Rede sein, nicht vom eigentlichen Dialog mit den Menschen.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Baron Geert von Instetten war Landrat, das weiß man. Und der Mann wollte noch höher hinaus. Gewählt wurde nicht. Es wurde ernannt. Dabei konnte allerdings seitens der Herrschenden ausgewählt werden zwischen verschiedenen Aspiranten. Soweit “Effi Briest”, soweit Theodor Fontane. Vielleicht noch, dass Effi lachen muss, als sie den Namen aus dem Munde ihrer Mutter hört. Immerhin ging es ja um ihr Lebensglück. Heutzutage hätte sie als Jugendliche Wahlrecht im Land Brandenburg. Und es geht immerhin um ein Amt, mit dem die Leitung einer wichtigen Behörde verbunden ist und der Einfluss im Kreistag als demokratisch legitimierter Institution, ganz abgesehen von der Vertretung des Landkreises nach außen und oben. Auch die kommende Amtszeit soll acht Jahre dauern.

Ralf Reinhardt (SPD) hatte das Amt sechzehn Jahre lang inne. “Sechzehn Jahre sind genug”, sagte Torsten Arndt (AfD) gleich zum Auftakt. Er plädierte für mehr direkte Demokratie. Selbst ist er zurzeit Mitglied des Landtags von Brandenburg. Thomas Kresse (parteilos) ist derzeit Amtsleiter in Temnitz. Die Amtszeit mit einigen Erfolgen, was Gewerbeansiedlung und Einwohnerzahl anbelangt, so Kresse, endet in diesem Jahr. Als Landrat würde er gerne verantwortungsvoll, kooperativ und heimatverbunden weitermachen. Ronald Mundt tritt für die Freie Wählergemeinschaft Prignitz-Ruppin an. Er kann für sich ins Feld führen, dass er als Wirtschaftsinformatiker wichtige Erfahrungen mitbringt, nicht nur für eine moderne Verwaltung. IT ist sein Metier, Dienst-Leistung sein Prinzip. Amts- und Mandatserfahrungen fehlen allerdings, wie er einräumt.

Torsten Arndts kleine Attacke auf Ralf Reinhardt wurde durch Anspielungen auf “Gemauschel” und “Hinterzimmer” nicht solider. Zum Gemetzel kam’s nicht. Der Landrat hörte konzentriert zu. Kresse verwies in der ersten Runde auf die Bedeutung von Standortqualitäten des Landkreises und von Vernetzung. Da sieht er weiterhin Handlungsbedarf. Nicht anders Mundt. Im Hinblick auf den Prozess der Digitalisierung müsse der Landkreis endlich Fortschritte machen. Reinhardt sieht im Landkreis als Behörde und im Kreistag als Organ der Demokratie ein wichtiges Fundament der Entwicklung. Ausdrücklich bezieht der Jurist auch rechtliche Fragen ein, etwa wenn es um Genehmigungen geht und den Handlungsspielraum durch geltendes Recht. Bewusst und selbstbewusst tritt der Landrat vor die drei Konkurrenten. Das Staunen am Stehtisch kann man so schnell gar nicht im Bild festhalten.

Fotos: VHS
Das Team vom BSW konnte beobachten, dass die von Ringel souverän moderierte Vormittagsveranstaltung durchaus Interesse in der Bürgerschaft fand, aber ein paar Bürgerinnen und Bürger gingen schon bald weiter zum Kirchplatz. Dort wollte die rechtsextremistische Partei “Der III. Weg” einen Informationsstand aufbauen. Eine Protestkundgebung besorgter Bürgerinnen und Bürger war angekündigt. Ralf Reinhardt wies gleich zu Beginn seines Auftritts auf die Bedeutung der Ereignisse hin und ermunterte dazu, sich (später) dort aktiv einzubringen.
Ob die in Wittstock angemeldeten Rechtsradikalen 2034 mit einem eigenen Kandidaten antreten werden? Vermutlich nicht. Sie sind nicht außer-, sondern antiparlamentarische Opposition und lehnen schon die Struktur der BRD mit dem Bund, diesen 16 Ländern und all den künstlich geschaffenen Gemeindeebenen ab. Außerdem: “Deutschland ist größer als die BRD!” Ein Königsberg im Landkreis OPR ist ihnen vermutlich nicht genug.
Im Alter von 23 Jahren hatte Theodor Fontane noch gedichtet: “In mir glüht der Himmelsfunken, all mein Sein ist liberal.“ Zur Zeit des Obrigkeitsstaates war das radikaldemokratisch, also wagemutig. Aus Leben und Werk eine Wahlempfehlung für den 7. Juni 2026 zur kreisweiten Landratswahl herauszusaugen, das wäre verwegen. Nicht anders im Falle einer Stichwahl am 28. Juni 2026. Dass bei der Vorstellungsrunde kein Wort fiel über die Kultur, wäre noch zu erwähnen. Das kann sich bei kommenden Runden ja noch ändern.
