Wo trifft Gegenwartsliteratur auf Tucholskys Werk? Natürlich in Rheinsberg!

Schloss Rheinsberg

“Kurt Tucholsky war ein begnadeter Schriftsteller, Satiriker, Gesellschaftskritiker, Lyriker und politischer Chronist”, heißt es im Programm zum 1. Kurt Tucholsky-Literaturfestival, bei dem Gegenwartsliteratur auf das Werk des derart Gepriesenen treffen soll. Man hat die unterschiedlichsten Lokalitäten ausgewählt, um das wagemutige Unternehmen zu einem Projekt der Prinzenstadt zu machen am Wochenende vom 18. bis zum 20. September.
Von Volkmar Heuer-Strathmann

Um die Erwartungen und Hoffnungen nicht ausufern zu lassen: Christoph Hein wird nicht in See stechen, um aus dem Roman “Das Narrenschiff” zu lesen. Es soll dann am Sonntag, also am Ende der drei tollen Tucholskytage, doch lieber das Schlosstheater sein, wo Hoffnungen und Enttäuschungen anlässlich der Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik spürbar werden in einer souverän gestalteten Romanwelt. Wie man dabei auf Tucholsky trifft, wird sich zeigen. Und auch, ob es Carsten Gansel danach gelingt, seiner Studie “Ausradiert?” etwas abzugewinnen, was mit Tucholsky zu tun hat. Ziemlich frei von Humor hat der in der DDR herangewachsene Literaturwissenschaftler mit Westkarriere untersucht, was seines Erachtens angesichts des Beitritts der DDR zur sogenannten BRD aus der DDR.Literatur wurde. Schon der Titel birgt eine steile These, ganz vorsichtig als Frage gefasst. Peter Graf vom Kurt Tucholsky Literaturmuseum wird mit dem Autor reden. Die Musikkultur Rheinsberg mischt auch mit bei dieser literarischen Matinee ab 13 Uhr.

Kurt Tucholsky, wie man ihn gerne plakatiert in Deutschland.

Das ganze Programm lässt sich auf der Homepage des Museums studieren. Ebenso, wer mitträgt an der finanziellen Last oder anderweitig unterstützt und ob’s Tageskarten gibt. Los geht’s am Freitag ab 18 Uhr mit der Eröffnungsgala, ebenfalls im Schlosstheater. Anna Thalbach und Robert Stadlober bieten eine Hommage an Kurt Tucholsky. Auch die Sopranistin Maria Lina Hanke ist mit von der Partie, begleitet am Piano von Thoma Linstedt.
Wer sich alles gönnen will, ist am Samstag auf 10.30 Uhr im Museum zur “Niewiedervereinigung”. Schon um 12 Uhr geht’s im Seepavillon weiter mit “Sprechen”. Und daselbst gibt es um 13.15 Uhr “Michaela Kohlhaas”, also nichts von Kleist. Auf 14.30 Uhr lädt man wieder in’s Museum ein, Thema; “Die Entscheidung – Deutschland 1929 bis 1934”. Um 15.45 Uhr dann daselbst der Roman “Zuhause ist das Wetter unzuverlässig”. Das an Tucholsky orientierte Stück “Feldgrauer Kongress” lockt auf 17 Uhr in die Remise am Schloss. “Wo der Name wohnt”, erfährt man ab 18.30 Uhr im Seepavillon. Und schließlich um 19.30 Uhr in der Musikbrennerei “Ein bisschen Schall und Rauch”. Dort auf jeden Fall viel Wortfeuerklang von Tucholsky. Wer aus der Kunstwelt was anbietet, weiß die Homepage ebenfalls. Sie hat schöne Fotos. Viele strahlende Augen.

Zum Ausklang eine Matinee mit zwei kompakten Werken.
Fotos VHS

Der Sonntagvormittag soll natürlich nicht total vertrödelt werden. Um 11 Uhr geht’s los an der Sphinxtreppe im Lustgarten mit Annika von Trier. Bei ihr kommt endlich auch Prinz Heinrich in seinem Rheinsberger Jubeljahr ins Spiel. Schon um 11.30 Uhr beginnt in der Bibliothek die Lesung von Meike Rötzer aus Kästners “Das fliegende Klassenzimmer”. Ausdrücklich weisen die Veranstaltenden darauf hin, dass sich diese Veranstaltung schon an Kinder ab 7 Jahren wendet. Treue Besucher aller Lesungen im Museum wissen ja längst, was es mit Tucholsky und Kästner auf sich hatte damals.
Man darf gespannt sein, welchen Verlauf das 1. Kurt Tucholsky-Literaturfestival nimmt und wie die Resonanz ausfällt. Ein Text von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1919 findet derzeit häufig Erwähnung. “Was darf die Satire?”, hatte der Satiriker sich gefragt. Am Ende hat er “Alles” gesagt. Allerdings war das alles andere als ganz wortwörtlich gemeint.

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