Die Seepromenade im Zeichen der Sonntagsaktion “Zukunft statt Krieg”.
Unweit vom Bollwerk entfernt fand die dritte Kundgebung in Neuruppin unter dem Motto “Zukunft statt Krieg” statt. Dietmar Ringel moderierte. Rund einhundert Menschen hatten sich versammelt. Im Mittelpunkt stand die bedrohliche aktuelle Weltsituation, ins Visier geriet aber ebenso die “neue alte Politik” der derzeitigen Regierungskoalition. Die Alternative: Diplomatie. Liedermacher Arno Schmidt knüpfte an Friedensvisionen der frühen 80er-Jahre an.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Die Veranstalter, die sich selbst in der Tradition des Kampfes um die “freie Heide” sehen, stellen im Internet drei Parolen in den Vordergrund: “Schluss mit jeglichen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete! Keine neuen US-Mittelstreckenraketen nach Deutschland! Friedensdiplomatie statt Kriegstüchtigkeit!” Entsprechende Parolen fanden sich an der Seepromenade auf Plakaten und Spruchbändern. In einem Grußwort von Angelika Claußen als Vertreterin der “Ärztegesellschaft für die Verhütung des Atomkrieges” wurde drastisch dargelegt, inwiefern “Kriegstüchtigkeit zur Militarisierung des Gesundheitswesens” führen werde. Jeder Krieg sei eine humanitäre Katastrophe, zumal wenn die Hilfeleistung gegenüber Soldaten und Soldatinnen Priorität habe gegenüber dem Wohl und Wehe der Zivilbevölkerung. Dem hippokratischen Eid könnten die Mediziner und Medizinerinnen nicht mehr folgen.
Der Liedermacher Arno Schmidt erinnerte mit seinen sanftmütig dargebotenen Visionen eines friedlichen Zusammenlebens in Vielfalt und Mitmenschlichkeit an die Friedensbewegung in der Deutschen Demokratischen Republik. Was inzwischen erreicht wurde an Freiheit und Wohlleben, ist demnach extrem gefährdet. Und das Glück in weiter Ferne.

Fotos: VHS
Die Ausführungen von Sven Kasulke, der selbst als Bundeswehrsoldat an Auslandseinsätzen beteiligt war, kann man zum Anlass nehmen, im Intenet nachzulesen, wie vom Aktionsbündnis argumentiert wird. „Die konflikte in unserer Welt nehmen rapide zu“, heißt es da. Ein weiter Bogen wird gespannt: „Von Russlands Krieg gegen die Ukraine über die von NATO-Staaten geführten Kriege in Vietnam, im Irak, Libyen oder Jugoslawien, den Krieg in Gaza und dem Iran bis zu den zahlreichen heißen Konflikten am Horn von Afrika.“ Zu Recht wurde von Kasulke gefordert, die Vorgeschichte des Ukraine-Kriege zu beachten. Es gibt da allerdings ganz unterschiedliche Lesarten. Ebenso von allen anderen Beispielen – politisch wie fachwissenschaftlich. Schon die Waagschale mit nur einem russischen Angriffsfall macht stutzig.
Doch lesen wir weiter: „Es nützt nichts, nur auf den Konflikt vor unserer eigenen Haustür zu blicken, auch wenn er uns verständlicherweise in besonderem Maße berührt. Ja, wir stehen wahrhaftig an einer Zeitenwende, einer Zeitenwende, die suggeriert, dass man durch Parteinahme und das Gefühl, die Gerechtigkeit verteidigen zu müssen, auf der ‚richtigen Seite‘ steht. Es ist Zeit zu erkennen, dass es beim Thema Krieg keine ‚richtige‘ Seite geben kann. Diese Kriege bergen das Potential einer Vernichtung der Welt, wie wir sie kennen.“ Von den Versammelten gab es viel Beifall für Beiträge dieser Art. Ebenso, als Grüne, Sozialdemokraten, christdemokratische Christen und Linke ins Visier der Kritik gerieten, da der Ernst der Situation nicht erkannt oder sogar an einer Verschlimmerung mitgewirkt werde. Pfiffe waren nicht zu hören. Aber paar fragende Gesichter waren zu sehen. Eigentlich ein gutes Zeichen bei so viel Selbstgewissheit gepaart mit rhetorischer Angriffslust. Die Friedenssehnsucht der im Zeichen der Friedenstaube Versammelten soll damit nicht in Frage gestellt werden.
