Kriegsbeginn am 1. September 1939 – ein Blick auf Rheinsberg, Neuruppin und Warschau

Am 12. Juni 1936 rückt das Panzerregiment 6 in Neuruppin ein. Bis zum Überfall auf Polen sollte es noch gut drei Jahre dauern. Am 1. September 1939 war es soweit. 158 Panzerfahrzeuge seien bei Kriegsbeginn ausgerückt, schreibt Martin Albrecht in der Festschrift “Neuruppin – 750 Jahre Stadtrechtsverleihung”. Auch wenn die Front recht weit entfernt war, wurde auch im Hinterland strikte Kriegdisziplin verlangt, etwa in Rheinsberg.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die Panzer rollten. “Alle Volksgenossen wissen, dass heute keine Zeit zu Vergnügungfahrten ist”, heißt es in der Lokalpresse in den “Sonntagsbetrachtungen”. Der Kraftstoff werde an anderen Stellen gebraucht, konstatiert der Verfasser, ohne dass ausdrücklich vom Krieg die Rede ist. Er zeigt sich zufrieden: Adolf Hitlers Propaganda, insbesondere die Rede im Reichstag am Angriffstag, hatte Verbreitung und Anklang gefunden. “Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen”, gehört zu den Fake News des Jahrhunderts.
“Ruhe, Zuversicht und Entschlossenheit” sieht der leider nicht mehr identifizierbare Rheinsberger Sonntagsbote in den Gesichtern. “Die uns aufgezwungenen Kampfhandlungen haben das deutsche Volk noch mehr geeint”, lesen die Leser und Leserinnen. Behauptung und Beschwörung fließen rhetorisch ineinander: “Gleich einem stählernen Block stehen unsere Soldaten an den Grenzen.” Und die Heimat stehe “hinter dem Führer, der mit uns die schwersten Stunden unsres Vaterlandes meistert”. An die Pflicht zur “Verdunkelung” wird erinnert. Und das Lob folgt auf der Stelle: “Weder von der Straße noch vom Hof ist je ein Lichtstrahl zu bemerken.” Straßenlaternen ausgeschaltet, das verlange besondere Vorsicht. “Rheinsberg ist nur ein ganz kleiner Teil Großdeutschlands”, das weiß der Verfasser. Er ist sich sicher: “Wie an allen anderen Stellen des Reiches ist der Wille unverkennbar, Disziplin zu halten und durchzustehen.”

Personen vor einem zerstörten Gebäude die Schutt aufräumen
Aufräumarbeiten in Warschau im Oktober 1939 (Quelle: Friedrich Gollert; Warschau unter deutscher Herrschaft, Krakau 1942)

Der 1904 in Neuruppin geborene SS-Mann Friedrich Gollert gehörte zu den Eroberern Polens. Mit seiner SS-Einheit nahm er am 1. Oktober 1939 am Einmarsch in Warschau teil. In dem Werk “Warschau unter Deutscher Besatzung” schildert er 1942 die Vorgänge. Seines Erachtens ist das Ausmaß der Zerstörung allein den Polen zuzuschreiben. Der damalige Generaloberst Wilhelm Keitel wird allerdings auch zitiert: “Hauptziel der deutschen Operationen zu Lande war, noch westlich der Weichsel das aufmarschierte polnische Heer umfassend anzugreifen, zum Kampf zu stellen und zu vernichten.”
Im Hinblick auf die Garnisonsstadt Neuruppin schreibt Martin Albrecht: “Mit Kriegsbeginn wurde das Panzer-Regiment 6 grundsätzlich an den Brennpunkten der Kämpfe eingesetzt.” Also in Polen, in Frankreich und in Russland. Die Bilanz: “Weit über 1000 Männer des Panzer-Regiments 6 sollten Hitlers Griff nach der Weltherrschaft nicht überleben.” Es dürften auch Rheinsberger darunter gewesen sein.

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