Humorvoller Einmarsch ohne Zackigkeit: das Bläserquartett “Tagesform”.
Ferienende, Einschulung, Urlaubsrückkehr, Abkühlung, Veranstaltungskonkurrenz, Übersättigung, Musikangebot – man weiß nicht, was den Ausschlag gegeben hat für die so unterschiedliche Resonanz auf zwei Einladungen zu Konzerten im Tempelgarten. Das betrübliche Beispiel am Samstag könnte Anlass bieten zu programmatischen Überlegungen im Verein Tempelgarten Neuruppin.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Hellmuth Henneberg hat als Moderator die Gabe, mit dem Publikum so zu sprechen, als seien alle Stühle besetzt. Man lässt sich seine gute Laune doch nicht nehmen, nur weil nicht wenige Sitzgelegenheiten nicht besetzt sind, ganz abgesehen von der hochgestapelten Reserve im Hintergrund. Das Posaunenquartett “Tagesform” indessen wirkte zunächst etwas angefasst von der Leere. Da passte “Sentimental Journey” gut zum Auftakt. Erst danach spielten sich Guido, Mike, Torsten und Frank, wie Hellmuth sie nennt, frei auf der Bühne mit dem Evergreen “Ein kleiner grüner Kaktus”. Vor Werken aus der Zeit des Barock hatten sie auch keine Scheu. Und dem Moderator gefiel die Vorstellung, schon zur Zeit Friedrichs wäre hier Blasmusik geboten worden. Zur Darbietung des Ensembles gehört auch ein wenig Instrumentenkunde aus Hennebergs Munde und Vorblasen. Die ganze Gartengeschichte mit Gentz kann der Fünfte im Quartett bei Gelegenheit ja nochmal nachlesen. Auch für den Fall der Wiederkehr.

Man verzichtete an diesem Vorabend auf eine Pause. Nicht dass noch wer geht von den paar Gästen, die netterweise mit Applaus nicht sparten und von Henneberg zum Mitmachen bei einer Nummer mit Knistereffekt nicht groß genötigt werden mussten. Lief schon irgendwie das Pustefest unter dem Motto “Es ist nicht alles Blech, was glänzt”.
Am Abend zuvor hatte hier KlangArt-Berlin konzertiert. Rund siebzig Gäste seien es gewesen, die sich von “Faszination Handpan” anlocken ließen, hieß es am Folgetag an der Kasse. Wer die Formation schon mal erlebt hat, wird sich nicht wundern über den Zuspruch. Drei Euro weniger für eine Karte sind vermutlich nicht des Rätsels Lösung. Und ohne Konkurrenz ging es am Freitag auch nicht ab in Neuruppin und Umgebung.

Fotos: VHS
Die Mitgliederversammlung des Vereins am kommenden Mittwoch ab 18.30 Uhr ist öffentlich. Das Projekt “Kunst unterwegs” lockt ab 16 Uhr mit einer Veranstaltung der besonderen Art auf den Schulplatz. Man kann dank eines Hubsteigers endlich mal König Friedrich-Wilhelm II. in die Augen schauen. Oder sich umdrehen und erfassen, wie er auf die Schule blickt und auf das Geschehen am Platze seit bald 200 Jahren. Irina Rockel, selbst auch Mitglied im Verein Tempelgarten, wird bis 17 Uhr mit Informationen und Geschichten dienen. Von der Rolle Karl Friedrich Schinkels wird gewiss die Rede sein und nicht weniger vom Bildhauer Friedrich Tieck. Der Hubsteiger rollt und hebt ohne Liftgebühr dank der Stadtwerke.
Was den Tempelgarten als Spielstätte anbelangt, darf man gespannt sein, wie die Resonanz am 5. September 2026 ausfällt, wenn ein Chanson-Konzert von Arnold Krohne und Maxim Shagaev gegeben wird. Beginn ist um 19.30 Uhr.







