Chansons mit heiteren Späßen oder Jazz mit klangvollen Soundeffekten?

Im Tempelgarten gab es am Samstagabend Chansons von Arnold Krohne und Maxim Shagaev. Auf dem Neuen Markt wurde Swing, Bossa Nova und Jazz von der Thorsten Walther Band dargeboten. Auf das Wetter hatten die Veranstalter und die Künstler keinen Einfluss. Beide Konzerte waren nicht besonders gut besucht. Aber anders als auf dem Neuen Markt merkte man das in der Oase kaum.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Für die Templer war es der Saisonausklang, soweit es um Musik oder Theater geht. Für “Schinkels Marktflüsterer” war es das Ende des drei Tage währenden Versuchs, Musik, Begegnung und Genuss so zu verknüpfen, dass es gute Gründe gibt, auch ökonomische, das Angebot 2027 zu wiederholen. Man darf gespannt sein, ob es dazu kommt.
Wenn nicht, kann das nicht am Auftritt der Thorsten Walther Band liegen. Unaufdringlich zeigten die vier Männer, was sie können. Ziemlich viel. Vor allem Klassiker. Und sie treten so auf, dass die Gespräche der Gäste fortgeführt werden können. Das wäre womöglich anders gewesen, wenn es voll gewesen wäre vor der Bühne und echte Konzertstimmung aufgekommen wäre.

Als besinnliches Solo eine Nummer von Astor Piazzolla aus Argentinien .

Arnold Krohne setzt anders an im Tempelgarten. Er scherzt, er geht beherzt ins Publikum. Er lässt an Italien denken, an Capri. Dann an Argentinien, an Buenos Aires, an Liebschaften, an Gefühlsaufwallungen. Und Maxim Shagaev hilft mit am Akkordeon bei der Träumerei. Liebesglück oder Liebsleid, Herzklopfen oder Seelenschmerz, Hauptsache Chansons. Das kam sehr gut an bei den Gästen, die sich von dem zunehmenden Herbstwind die gute Laune auch nicht verderben ließen. Zarah Leanders “Kann denn Liebe Sünde sein?” sei nur als ein Beispiel der Prüfungsfragen des Abends genannt. Ein “Ja!” war nicht zu vernehmen. Mit einem Solo gab Maxim Shagaev Gelegenheit, sich in Tangoträumen aus Argentinien zu verlieren.

Wetter und Tristesse was entgegensetzen: Die Thorsten Walther Band.
Fotos: VHS

Thorsten Wather lässt das Saxophon erklingen. Es harmoniert mit den anderen Stimmen. Sein Quartett mit Piano, Percussion und Kontrabass hat einen Vertrag, der die Stunden von 16 Uhr bis 21.30 Uhr umfasst. Das ist nicht wenig. Bei dem Wetter ist es sogar sehr viel, Und die Menschenmenge, die mitgeht, die applaudiert, die sich berühren lässt oder gar fiebert, die fehlt. Viel Leere. Zwischendurch ist Elvis zu hören. Die Konserven kennen kein Wetter.
Man darf gespannt sein, welche Konsequenzen Christian Juhre als Hauptveranstalter aus dem Verlauf von “Schinkels Marktgeflüster” zieht. Immerhin kam er auf diese Weise mal in die Geschäftsstelle der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft. Vielleicht wäre Juhre an diesen drei Tagen auch lieber dort gewesen, “wo die Sonne im Meer versinkt”, wie Arnold Krohne im Tempelgarten über Capri sang. Zu Beginn sagte er: “Wir halten durch!”. Aus dem Publikum war eine heitere Frauenstimme zu hören: “Wir auch!” Applaus!

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