Mit Knut Elstermann bei “Fontane” in Filmwelten mit Johann Sebastian Bach

Wo Johann Sebastian Bach war, da war auch Knut Elstermann zur Vorstellung seines Werk “Bach bewegt – Der Komponist im Film” – oder er kommt noch. Zum Glück beschränkt er sich nicht auf diese Reiseroute. Sonst wären nicht so viele Menschen in Neuruppin in der Fontane-Buchhandlung in den Genuss seiner Präsentation gekommen. Denn in Neuruppin war Bach nicht.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Lübeck ist die letzte Stadt auf der Liste der Bach-Städte. Nur dort, so Elstermann,
sei es schwierig gewesen, Partner für das Projekt zu finden. Vermutlich fürchtet man, die Menschen könnten für 90 Minuten einmal nicht Thomas Mann huldigen im “Buddenbrooks”-Jahr. Also hat Elstermann ein Kino gemietet. Alles Weitere werde sich zeigen, sagt er mit dem ihm eigenen Humor bei “Fontane”, wo seine Präsentation auf großes Interesse stieß. Eine DVD mit Filmausschnitten wäre die Vollendung dieses Projekts.

Knut Elstermann in seinem Element oder: ein Bach-Abend mit viel Humor

Die Lauschenden erfuhren, wie Knut Elstermann zu Bach kam und wie sich die Liebe eines Unmusikalischen entfaltete. Als das DDR-Fernsehen 1985 im Bach-Jahr eine vierteilige Serie anbot, war er 25 Jahre jung. Mit größtem Interesse ist er Bach nach Arnstadt gefolgt, wo dieser zunächst nur als Orgelprüfer geordert und gefordert war. Daraus wurde die erste Anstellung. Die Filmsequenz führt fast bis ins Innere der Orgel. Ein Knabe staunt: “Also, was der an Luft braucht”
Als Filmkritiker ist Elstermann in seinem Element. Aber er sagt auch, dass für ihn persönlich nichts über die Matthäus-Passion gehe. In einem nüchtern-atheistischen Elternhauses aufgewachsen, habe er durch Bach eine besondere Art der Religiosität kennen lernen dürfen. Die Kantate “Ich habe genug…” hat für Elstermann sogar etwas Transzendentes. Bei allem Humor, bei aller Kompetenz, bei allem Erfolg – er kennt auch Leid und Mitleiden.
Von Bach selbst, so Elstermann, wisse man kaum etwas Persönliches. Das sei bedauerlich, aber es schaffe auch Spielräume, gerade für die Filmwelt. In “Chronik der Anna Magdalena Bach” aus dem Jahr 1968 von Huilett/Straub sieht Elstermann den Versuch, Brechts Theorie des nicht-aristotelischen Theaters auf den Film anzuwenden. Begeisterung klingt anders. Die Versammelten bekamen selbst einen Eindruck von der Ausnüchterung.

Kirche oder Kino? In Neuruppin trifft man sich natürlich bei “Fontane”!
Fotos: VHS

Mögliche Worte von Bach wurden am Ende gelesen – genau wie im Buch: “Macht ihr nur getrost eure Bilder.” An Bachmusik ragt kein Bachfilm heran, scheint er sich sicher. Ihn finde man allein in seiner Musik, im Idealfall live dargeboten: “Wer Ohren hat zu hören, der höre und verstehe.” Wer sich mit Elstermann auf Bach und die zahlreichen Filme einlassen will, der oder die kaufe, falls noch nicht geschehen, der oder die lese und schaue – bei Gelegenheit. In Lübeck bestimmt der Mieter, wie lange was gezeigt wird. Die Rechte hat er. Also eine Nacht mit Bach? Also einfach mal hinfahren?

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