Knut Elstermann mit “Bach bewegt” zu Gast in der Fontane-Buchhandlung

Eine Liebeserklärung nennt Knut Elstermann sein Werk. Mit Kompositionsanalyse, Musiktheorie oder kirchengeschichtlich fundierter Kulturkritik ist also nicht zu rechnen. “Der Komponist im Film” fokussiert sich auf ganz unterschiedliche Werke. Auch als Filmkritiker ist Elstermann in seinem Element.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Bach ist nicht Beethoven. Knut Elstermann ist nicht Anthony Burgess. Der hat mit dem Roman “Clockwork Orange” Grenzen gesprengt. Nicht minder die daran anknüpfende Filmversion. Alex, der Protagonist, ist Beethoven verfallen. Wirkt wie besessen. Verliert die Selbstkontrolle. Und entwickelt sich doch weiter. Knut Elstermann schildert dergleichen nicht. Und doch geht es um mehr als Vorlieben und Musikgeschmack, zumal Bach nicht etwa Kult war zu irgendeiner Schulzeit. Elstermann ist Klosterschüler. 1960 in Ost-Berlin geboren, führte sein Bildungsgang in das ehemalige Gymnasium zum Grauen Kloster. Ein Glücksfall, folgt man ihm in seinem Werk “Klosterkinder”. Er nennt diese Erweiterte Oberschule eine “Oase im pädagogischen Einheitssystem”. Peter Böthig, der ehemalige Leiter des Tucholsky-Museums in Rheinsberg, gehört auch zu den Absolventen des Hauses, das ganz entscheidend von Anton Friedrich Büsching (1724 – 1793) geprägt wurde. Dass Karl Friedrich Schinkel hier nach dem Umzug nach Berlin Aufnahme fand, aber ohne Abschluss abging und seiner Leidenschaft folgte, sei nur am Rande erwähnt.

“Bach – ein Weihnachtswunder”- in der Hauptrolle Devid Striesow.
alle Darstellungen abfotografiert aus Knut Elstermann; Bach bewegt – Der Komponist im Film; 2025

Knut Elstermann wird am 18. März 2026 bei “Fontane” aus seinem Werk lesen. Filmausschnitte sind ebenfalls angekündigt. Das ist sehr zu begrüßen, denn so dürfte es den Gästen leichter fallen, dem aufgeregten Liebhaber zu folgen. Im Buch selbst bieten einige Fotos Anschauung. Aber man hört nichts. Zunächst. Doch Elstermann weckt das Klanggedächtnis, wenn es um Werke wie das “Weihnachtsoratorium” oder die “Matthäuspassion” geht. Breiten Raum nehmen die ganz unterschiedlichen Filmproduktionen ein. Und da werden womöglich Erinnerungen wach, ob mit Kino- oder mit Fernsehgrundlage. Gemeinsame und geteilte Kulturgeschichte steht an. “Unfreiwillig komisch” ist ein Foto untertitelt, das einen Chor der FDJ präsentiert, der mit Inbrunst eine Bach-Kantate singt.
Für den Liebhaber gibt es viele Gelegenheiten, seinen feinsinnigen Humor zu entfalten. Er hat sich auf Reisen begeben, um Bach zu folgen. Und er war unterwegs an Filmproduktionsstätten. Filmverliebt ist er ja auch. Natürlich nicht blind. Von den Schwangerschaften, wie es dazu kam und was daraus wurde, davon ist weniger die Rede. Filmbedingt. Aber die “Chronik der Anna Magdalena Bach” gehört zum Pensum. Und eben auch Filmgeschichte von der Tradition zur Moderne. Mit Respekt begegnet Elstermann den Bemühungen der einzelnen Schauspieler, den Bach zu geben. Devid Striesow scheint ihm zu gefallen.
Einmal setzt sich Knut Elstermann selbst eine Perücke auf, um etwas zu spüren von dieser unvergleichlichen Lebensrolle. Man darf gespannt sein, wie er bei “Fontane” auftritt…

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