Das faszinierende Kloster Chorin: Ausflugsziel der KFSG im Sommer 2026
Im Kloster Chorin erweist man Karl Friedrich Schinkel große Anerkennung und tiefe Dankbarkeit. Nicht nur deshalb war es eine schöne Idee, den diesjährigen Sommerausflug der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft dorthin zu machen. Wie Traditionsverbundenheit und Modernität zusammenfinden können, wurde auch offenbar – und zwar live. Ein Konzert wurde gegeben, wo zu Schinkels Zeit noch Vieh gehalten wurde: im Gotteshaus.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Wer zum ersten Mal dort des Wegs kommt, darf sich vom Stimmungsbild in den Wäldern und unter Bäumen noch näher heranlocken lassen. Infotafeln geleiten den Tagesgast. Ein gastronomisches Angebot wartet. Für die “Schinkels” hatte Otto Wynen eine Führung gebucht. Der Gästeführer stellte zunächst nicht Schinkels Verdienste in den Mittelpunkt, sondern die Vorgeschichte. Ein Klosterleben im Sinne der Zisterzienser gab es von 1272 bis 1542. Mit “Bete und arbeite!”, selbstredend auf Latein, ist es knapp umrissen. Der Ordensname geht auf das 1098 gegründete Kloster Citeaux in Frankreich zurück. Die Gäste erfuhren Einzelheiten über das Herrschaftsgefüge, die Ausdehnung des kirchlichen Wirkungsbereichs, das Klosterleben und die Lebensregeln der Mönche. Über bauliche Veränderungen und Besonderheiten wurde informiert.

Dann die Zäsur des Jahres 1542 und die Säkularisierung in der Folge der Reformation. Man kann ganz unaufgeregt schreiben: “Domäne von 1550 bis 1872”. Was soll da passiert sein, so dass Karl Friedrich Schinkel 1817 nicht mehr an sich halten konnte und forderte: “Raus mit dem Vieh aus der Kirche!” Der Satz hatte nichts Metaphorisches. Mit modernen Medien zeigt man im Kloster Chorin, um was es ging und wie Schinkel zum Begründer kluger Denkmalpflege wurde. Schinkels Skizzen prangern die landwirtschaftliche Nutzung des Klosters an. Er sieht nur Heu und Bretter und Schutt im Kirchenschiff. Gern folgten die Gäste den Impulsen des Experten und nahmen nach der Führung, die auch Aspekte aus den Jahren von 1945 bis in die jüngere Vergangenheit aufgriff, in Ton und Bild zur Kenntnis, was Schinkel 1817 schrieb nach Berlin ans königliche Finanzministerium, um “das willkürliche Einreißen und Verbauen solcher Altertümer” fürderhin zu verhindern. Ein Gottesmann hätte anders angesetzt als der Oberbaurat. Bei allem Widerstand am Ort und auf der Domäne, Schinkel hatte Erfolg. Die heutige Nutzung im Rahmen einer traditionbewussten und zugleich aufgeschlossenen modernen Kulturpolitik hat hier ihren Anfang.

Auf dem Programm stand an diesem Nachmittag im Kloster das 1. Choriner Europa-Konzert 2026 mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin. Die offene Kirchenseite bringt es mit sich, dass auch draußen auf der Wiese viele Plätze angeboten werden können. Natürlich preisgünstiger. Und lockerer. Und kinderfreudlich. Die Veranstalter dürften insgesamt sehr zufrieden gewesen sein mit der Resonanz. Für die “Schinkels” ging mit dem Auftritt des Gitarristen Emmanuel Rossfelder im Zusammenspiel mit dem von Markus Huber dirigierten Orchester ein äußerst interessanter Ausflug zu Ende. Die Überlegungen laufen, wie man in Zukunft noch mehr Zuspruch erreichen könnte, nicht allein unter Mitgliedern.

Fotos: VHS
Im Kloster durfte immer wieder gelacht werden. Etwa, als es um eine neue Konsole aus dem Jahr 1960 ging. Ein Kopf, so schön wie der von Walter Ulbricht, war zu sehen. In der Ära Honecker war der einfach zu schön. Also entfernen! Aus wessen Keller der Verbannte Jahrzehnte später wieder auftauchte, weiß der Himmel. Die “Schinkels” wissen jetzt, dass mit den Zisterzienserklöstern die Vereinheitlichung des Bauens einherging. Ein Muster, dann Klöster in Massen. In Hochzeiten 1500 an der Zahl in ganz Katholien. Mit dem Wort Zelle lässt sich sich diese Art Idylle immer noch am besten fassen. Kirchenlatein eingedeutscht. Wie viel Platz bietet dagegen eine lange hohe Kirchenhalle wie in Chorin, wenn alle Rindviecher draußen sind und sie, um mit Schinkel zu sprechen, nicht mehr “zur Scheune oder zum Holzgelass eingerichtet” ist.
