Klima und Alltag e. V.: Drei Jahre Engagement für Nachhaltigkeit in Neuruppin

Seit 2023 engagiert sich Klima und Alltag e. V. in Neuruppin für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung. Im September rückt der Verein mit den Tagen der Nachhaltigkeit erneut diese Themen in den Mittelpunkt.

Von macron

Die großen Fragen des Klimawandels werden längst auch vor der eigenen Haustür sichtbar. Wie können Städte mit heißeren Sommern, Trockenheit und Starkregen umgehen? Wo braucht es mehr Grün und weniger versiegelte Flächen? Und was können Bürgerinnen und Bürger selbst dazu beitragen, dass ihre Stadt auch in Zukunft lebenswert bleibt? Mit solchen Fragen beschäftigt sich der Neuruppiner Verein Klima und Alltag e. V., der im Sommer 2023 gegründet wurde. Sein Motto „gemeinsam – handeln – jetzt“ beschreibt den Anspruch: Klimaschutz und Nachhaltigkeit sollen nicht abstrakt bleiben, sondern im Alltag und in der Stadtgesellschaft praktisch erfahrbar werden. Zu den Themen des Vereins gehören neben Klimaschutz und Artenvielfalt auch Klimaanpassung, Bildungsarbeit, nachhaltige Mobilität, erneuerbare Energien und die Unterstützung kommunaler Klimaziele.

Großen Anklang fand der Vortrag des Klimaforschers Donald Becker im Rahmen der Tage der Nachhaltigkeit 2025.

In den knapp drei Jahren seines Bestehens hat sich Klima und Alltag zunehmend in das öffentliche Leben Neuruppins eingebracht. Bereits im April 2024 veranstaltete der Verein gemeinsam mit dem damaligen Brandenburger Umweltminister Axel Vogel einen „Zukunftsdialog Klimaschutz“. Bei einem Rundgang und der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um kommunale Wärmeplanung, Stadtentwicklung und Möglichkeiten, Neuruppin widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen. Auch an der Diskussion um die Nachhaltigkeitsstrategie der Fontanestadt ist der Verein beteiligt. Dabei wurden zahlreiche Maßnahmen aus Bereichen wie Begrünung, Mobilität, Stadtentwicklung und sozialen Fragen betrachtet.

Der Verein bringt sich aktiv in die Gestaltung der Nachhaltigkeitsstrategie ein.

Bei öffentlichen Veranstaltungen tritt Klima und Alltag häufig als einer von mehreren Akteuren auf. So beteiligte sich der Verein beispielsweise an dem Fest „DEIN PARK. DEINE STADT.“, das mit Unterstützung der Fontanestadt Neuruppin und der Evangelischen Schule Neuruppin organisiert wurde. Klima und Alltag war dort mit einem eigenen Angebot vertreten, gehörte jedoch nicht zu den Organisatoren der Veranstaltung. Besonders viele Menschen erreichte der Cleanup Day im September 2025. Rund 1.800 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte aus zehn Neuruppiner Schulen beteiligten sich. Unterstützt wurde die Aktion unter anderem von Helferinnen und Helfern von Klima und Alltag, dem Verschönerungsverein und der Stadtverwaltung. Am Ende kamen 1,4 Tonnen Müll und rund 128.000 Zigarettenkippen zusammen.
Nicht jedes Vorhaben lässt sich allerdings kurzfristig verwirklichen. Ein Beispiel ist der schon früh angekündigte Tiny Forest, ein kleiner, dicht bepflanzter Stadtwald. Ursprünglich sollte ein solcher Mikrowald bereits 2024 in Neuruppin entstehen. Bislang ist eine Umsetzung im Stadtgebiet jedoch nicht dokumentiert. Das zeigt zugleich die Grenzen bürgerschaftlichen Engagements: Viele Ideen benötigen geeignete Flächen, Finanzierung und die Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik. Eine wichtige Rolle des Vereins liegt deshalb offenbar darin, Menschen und Institutionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Klima und Alltag arbeitet bei verschiedenen Projekten und Veranstaltungen mit der Stadt, Schulen, anderen Vereinen und Naturschutzorganisationen zusammen und sucht zugleich den Austausch mit politischen Parteien.

Im September 2026 soll dieses Netzwerk bei den Tagen der Nachhaltigkeit erneut sichtbar werden. Die Veranstaltungsreihe verteilt sich über mehrere Wochen und verbindet praktische Fragen der Stadtentwicklung mit Umwelt- und Naturschutz sowie gesellschaftlichen Themen. Zum Auftakt gehört am 2. September die „Expedition Klimastadt 2050“. Bei einem Stadtspaziergang soll gezeigt werden, wie sich Neuruppin auf zunehmende Hitze, Trockenheit und Starkregen vorbereiten kann. Themen sind unter anderem Entsiegelung, Stadtgrün, Regenwassernutzung und die künftige Gestaltung öffentlicher Räume.

Damit rückt eine Aufgabe in den Mittelpunkt, die für Städte immer dringlicher wird. Neben der notwendigen Verringerung der Treibhausgasemissionen müssen sie sich zugleich auf Folgen der bereits eingetretenen Erderwärmung einstellen. Schatten spendende Bäume, entsiegelte Flächen und eine bessere Speicherung von Regenwasser können dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Einen besonderen Akzent setzt am 25. September die Veranstaltung mit dem Biologen und Naturschützer Michael Succow im Museum Neuruppin. Succow, der 1997 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet wurde, stellt dort sein Buch Das Abenteuer des Lebens vor. Damit reicht das Spektrum der Nachhaltigkeitstage von ganz konkreten Fragen der Stadtgestaltung bis zu grundsätzlichen Überlegungen über das Verhältnis von Mensch und Natur.

Gerade darin liegt eine Stärke von Klima und Alltag: Der Verein versucht, Nachhaltigkeit mit konkreten Orten, Erfahrungen und Diskussionen in Neuruppin zu verbinden. Nicht jede Idee wird sofort Wirklichkeit, und ein einzelner Verein kann weder die Klimakrise lösen noch die Stadt allein verändern. Er kann aber Debatten anstoßen, Menschen zusammenbringen und dazu beitragen, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit vor Ort stärker wahrgenommen werden. Die Tage der Nachhaltigkeit im September bieten dafür erneut eine Gelegenheit – zum Informieren, Diskutieren und Mitmachen.

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