Von einem, der durch die Welt zieht und wohlinspiriert malt, was er sieht…

Die Tür zum Kunstraum ist geöffnet, doch man sieht keine Menschenseele. Sofort fällt der Blick auf den geheimnisvollen Urwald. Großartig gemalt! Plötzlich: Geräusche, Stimmen! Nein, nicht aus dem Wald. In einem der hinteren Räume scheint doch jemand zu sein. Richtig! Das ist Johannes Bunk, der Galerist! Ob die Vernissage ausfällt?

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Des Rätsels Lösung ist denkbar einfach: Die Eröffnung war schon. “Immer um 12!”, sagt der Hausherr. Richtig! In der Ankündigung steht es auch! Dumm gelaufen! Nur gut, dass Uschi Jung ein Foto zur Verfügung stellt. Ganz allein vor einzelnen Werken zu stehen, ist bei einer Eröffnung nicht möglich. Wie oft hat man sich schon vorgenommen, genau deshalb nochmal wiederzukommen. Nun also nur die Werke. Keine Worte zum Geleit, keine Erläuterungen, kaum Ablenkung. Die Motive “Entlang der neuen Straße” sind nicht der einzige Schwerpunkt. Man kann sich hineinziehen lassen in die Hütten, Häuser und Kioske, auch wenn man in Wahrheit immer noch in der Galerie steht.

“Kakteen”, Acryl und Öl auf Leinwand, Ausschnittsvergrößerungsfoto.
Foto: VHS

In einem kleinen Film aus dem Jahr 2025 zum Projekt “Offene Ateliers” hatte man schon zuvor von Klaus Hartmann selbst erfahren, wie wichtig ihm die Inspiration auf Reisen sei. Und er sagt: “Ich male, was ich sehe.” Hartmann lebt in Wittstock an der Dosse. Seine Reisen führten ihn in verschiedene Länder Afrikas. Die Werke am Wegesrand zeigen kaum Menschen. Tief im Urwald verwundert das nicht. Aber beim Shoppen? Im nächtlichen Mondschein ist der Betrachter mutterseelenallein. Die Dunkelheit erzählt ihre Geschichten.
Noch am selben Nachmittag steht man selbst in der Nähe von Wittstock an einem Waldrand. Auf dem Weg nach Heiligengrabe ins Kloster darf’s mal ein Umweg durch die freie Heide sein. Unzählige Schilder warnen entlang der L15 vor Gefahren. Links und rechts. Auf einigen ist der Text kaum noch entzifferbar: “Betreten und befahren verboten!” Anhalten ist erlaubt. Fotografieren auch.

“Kampfmittel”-Warnung nahe Wittstock/Dosse – kein Kunstwerk!
Foto: VHS

Was würde wohl ein Maler wie Klaus Hartmann aus dem machen, was er als Wittstocker hier sieht? Gar nichts? Zu politisch? Oder würde er der dräuenden Gefahr Ausdruck verschaffen? Und auch Pinselstriche auf die Tiere des Waldes verwenden?
Die ewig gleichen Schilder bedienen sich selbst der Künste. Links der Mann stilisiert unterm Strich, rechts eine heillose Explosion. Die übliche Bildsprache. Hatte man nicht genau zur Zeit der Vernissage daheim in einem Buch von Margot Käßmann gelesen, sie verbinde mit der Farbe Gelb die “Hoffnung auf Bewahrung der Schöpfung”? Die Theologin fragt: “Wann waren Sie das letzte Mal begeistert über etwas, das Sie in der Natur gesehen haben?” Gute Frage. Geht auch entgeistert? Hier unweit von Wittstock.
Als Künstler lässt Klaus Hartmann die Betrachtenden miterleben, was ihn zutiefst beeindruckt. Was ihn berührt. Seine Farbwahl überrascht manchmal bei Gebäuden an Straßen in fremd anmutenden Ländern. Aber er war dort. Ob er sich der Fotografie bedient als Erinnerung? Als Stütze? Schade, dass man ihn nicht mehr fragen kann um 13.53 Uhr! Er ist schon fort. Die Vernissage soll recht gut besucht gewesen sein.
Die Ausstellung im Kunstraum Neuruppin läuft noch bis zum 13. September 2026 Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonnabend 15 – 18:00 Uhr, Sonn- und Feiertag 11 – 13:00 Uhr und nach Vereinbarung. Näheres auf der Homepage. Und nicht vergessen, was die nächste Vernissage zur nächsten Ausstellung anbelangt: “Immer um 12!”

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