Ob Nürnberg oder Neuruppin – die NPD bekommt keine Gratiswerbung

Kfz-Kennzeichen haben für manche Menschen etwas sehr Persönliches. Dabei geht es eigentlich nur um Identifizierbarkeit durch Buchstaben und Ziffern, um Amtliches, nicht um den ersten Kuss am… Hochpolitisch können Kfz-Zeichen auch sein – von A wie Augsburg bis Z wie Zwickau. In Neuruppin hat man die Wahl: OPR oder NP? Und dann? Wie weiter in D wie Deutschland?

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands, kurz NPD, wurde 1964 in Hannnover gegründet. Das Kfz-Kennzeichen N – PD ist in Nürnberg Tabu, unabhängig von allen Ziffern. Die NS-Geschichte lastet ohnehin schwer auf der “Stadt der Parteitage” und der “Rassegesetze”. Und die Fontanestadt Neuruppin? NP – D? Ein bedrückender Anblick! Im Internet ist zu erfahren, dass diese Kombination im Landkreis OPR nicht möglich ist, nicht erst seit 2011. In dem Jahr fand in Neuruppin trotz massivster Proteste ein Parteitag der NPD statt. Da wären Mitglieder und Sympathisanten aus der Region vielleicht gerne mit dem Bekennerschild vorgefahren. Aber der Rechtsstaat wehrt den Anfängen.

Keine Chance für bekennende Rechtsextremisten oder Gedankenlose.
Fotos: VHS

Der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Brandenburger AfD-Politiker Dennis Hohloch regt sich nicht nur bei diesem Thema wahnsinnig schnell auf. Am liebsten öffentlich. Etwa auf Facebook. In einem Video prangert er, selbst der Grammatik nicht immer Herr, seit ein paar Tagen die unzähligen Beamten vom “sogenannten Verfassungsschutz” an. Ihm geht’s um “Führers Geburtstag” und die Kennbuchstaben FG für Freiberg in Sachsen. In Niedersachsen und Brandenburg hadert man nämlich mit dem 20. April, dem einstigen NS-Jubeltag, der durch die Hymnen von Dichterinnen wie Agnes Miegel und Lulu von Strauß und Torney fast religiöse Weihe bekam. In Sachsen diskutiert man wohl noch.
Das Kraftfahrt Bundesamt informiert auf seiner Homepage. Unterhalb dieser Ebene sind die Bundesländer zuständig. Deshalb gibt es in Brandenburg Informationen von der Landeszentrale für politische Bildung. Generell verboten sind in der Bundesrepublik Deutschland verfassungsfeindliche Symbole wie NS, SS und SA, ebenso schwer belastete Kürzel wie HJ und KZ. Ziffernfolgen können ebenfalls unzulässig sein, etwa die 18 und die 88. Um den “Führer” Adolf Hitler und die unheilvolle NS-Parole soll weder Kult noch Ulk entstehen. FG ist (noch) nicht auf der Liste.
OPR ist übrigens problemlos, auch wenn Touristen in Neuruppin manchmal scherzen “Original Preußen”…

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