Rege Beteiligung an der Karfreitagsandacht im Zeichen des Kreuzes.
Zur neunten Stunde des Tages hatten sich am Karfreitag viele Menschen in der Klosterkirche eingefunden. Thomas Klemm-Wollny trug ein Kreuz vor sich her. Die Mitwirkenden folgten ihm zum Altarraum. Mit Meditation und Musik wurde der Kreuzigung Jesu gedacht. Am Ende herrschte für mehr als einen Moment andächtige Stille.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Ein kleines Instrumental-Ensemble begleitete den Gesang. Matthias Noack war am Piano und an der Orgel zu hören. Den tiefsten Eindruck aber machten die Solistinnen Jaqueline Krohne und Clara Halfter, mal im Wechsel und im sicheren Zusammenspiel mit der souveränen Kantorei, mal jede für sich und stimmsicher neben dem Organisten. Pfarrer Klemm-Wollny rief die Ereignisse in Jerusalem noch einmal in Erinnerung und erweiterte den inneren Blick der andächtig Versammelten auf das Leid in der Welt und eigene Leidenserfahrungen. “Also hat Gott die Welt geliebet, dass er seinen eingeborenen Sohn gab”, erklang. “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?”, hatte eine ganz andere Tönung. Es sind die letzten Worte Jesu am Kreuz. Sie waren zunächst auf Hebräisch zu hören.

Von Spott und Schmähung wurde gleich eingangs vom Chor gesungen, von Geißelung und Tötung, aber auch von der Gewissheit der Auferstehung am dritten Tage. Die maßvolle Art aller Beteiligten war wohltuend, ebenso das dezente Instrumentalspiel. Andachtszeit ist nicht Konzertzeit! Gleichwohl wurde mit Kompositionen von Heinrich Schütz, Claudio Monteverdi und Johann Sebastian Bach hohen musikalischen Ansprüchen entsprochen.
Und Karfreitag, da wurde Pfarrer Klemm-Wollny sehr deutlich, ist keine lästige Hürde auf dem Weg ins eigentliche Osterwochenende mit den heute üblichen Genüssen. Es ist sicher kein Zufall, dass dieser bewegende Tag der Passionszeit noch nicht auf die Liste der Streichvorschläge irgendwelcher marktverlorenen Politiker und Politikerinnen oder Lobbyisten gekommen ist.

Fotos: VHS
Als Jesu Tod eintrat, zerbrach der Pfarrer eine Rose am Altar. Und der Organist ließ zwei Kerzen erlöschen. Totenstille. “Das Wiegenlied der Maria” ließ an die Skulptur in der Kirche denken, an Mutterliebe und Herzensgüte. Jaqueline Krohne gelang die Balance zwischen Geburt und Tod, zwischen Freude und Schmerz. Sonderbar, dass eine so traurige Veranstaltung so guttut.
