Kaffee FAIRbindet – hier und weltweit

Mehr als 200 Menschen kamen zur Aktion „Kaffee Fairbindet“ an der Krümelkiste im WK 3 zusammen. Bei kostenlosem Kaffee, Kuchen und Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig Begegnungsorte für eine lebendige Nachbarschaft sind.

Von Otto Wynen

Lokal global

Schon aus der Ferne hört man ungewöhnlich lebendiges Stimmengewirr und wenn man auf das Gelände des Stadtteilzentrums „Krümelkiste“ kommt, sieht man zuerst Fahrräder, Fahrräder, Fahrräder. Mitten im WK 3, Wohnkomplex 3, der in Neuruppin eigenartigerweise immer noch als „Neubau“ bezeichnet wird, steht die Krümelkiste. An diesem sonnigen Dienstagnachmittag ist mächtig was los: mindestens 200, vielleicht 250 Leute sitzen auf Bänken, trinken Kaffee, essen Kuchen und reden miteinander.

Der Platz ist ideal. Und die Organisation perfekt. „Kaffee Fairbindet – hier und weltweit“ lautet das Motto; so stand es gut lesbar auf Plakaten und Handzetteln, die schon seit Wochen in der ganzen Umgegend verteilt wurden.

Mitten im „Neubau“ steht die Krümelkiste

Marion Duppel von ESTAruppin und Daniela Kuzu, die Neuruppiner Vizebürgermeisterin, sind die Hauptorgansatorinnen dieser bunten Kaffeetafel. Unterstützt werden sie dabei von zahlreichen Vereinen: das Frauenzentrum ist dabei, die Volkssolidarität, die Kreislandfrauen, das Neuruppiner Hospiz, aber auch Initiativen wie „Omas gegen rechts“ und der Verein „Klima und Alltag“. Schülerinnen und Schüler der Puschkinschule und des Evangelischen Gymnasiums sind auch mit von der Partie und bieten Kuchen und Getränke an. Und selbst der Landrat Ralf Reinhardt kommt auf eine Stippvisite vorbei und dankt für das leidenschaftliche gesellschaftliche Engagement.
Der Kaffee, das ist das Schöne ist kostenlos. Und nicht nur das: Der Unternehmer Christian Wenger-Rosenau zahlt für jeden getrunkene Tasse Kaffee 50 Cent. Und der Erlös geht zu gleichen Teilen an den Bauspielplatz „Wilde Blüte“ und an einen Fonds der Stiftung El Puente, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Bewusstsein für entwicklungspolitische Bildungsarbeit zu fördern.

Landrat Ralf Reinhardt dankt für das leidenschaftliche gesellschaftliche Engagement.

Das Kaffeetrinken an dieser fairen Kaffeetafel könnte man sagen, ist bewusstseinserweiternd. Zwar wissen wir alle, dass wir versorgt werden durch weltweite Lieferketten, doch selten ist uns dabei klar, unter welchen Arbeitsbedingungen und zu welcher Bezahlung unsere „Genussmittel“ tatsächlich produziert werden. Hier ist es heute Thema. Auch Thema. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass sich die Leute aus der Umgegend einfach zu einem netten Gespräch hier treffen können. Das alles wirkt so gelassen, so einfach, so unkompliziert, sodass man sich fragt: warum, bitteschön, findet das nicht viel, viel häufiger statt? Es ist doch das, wonach die Menschen sich (nicht nur) hier sehnen: einfach irgendwo miteinander reden zu können – ohne dafür gleich in ein Café gehen zu müssen.

Neuruppin braucht mehr solcher Gelegenheiten
Fotos Otto Wynen

Neuruppin braucht mehr solcher Orte, mehr solcher Gelegenheiten. Ja, es kostet Zeit und ja, es ist ein nicht zu unterschätzender organisatorischer Aufwand. Aber das Ergebnis wäre eine „lebendige Nachbarschaft“. Vielleicht das beste Mittel, den derzeit so gefährdeten gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig zu stärken.

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