Theater und Kunst im Schlosspark Rheinsberg: Unter der Leitung von Angela Hundsdorfer und Isabel Pin setzten sich Kinder und Jugendliche mit Prinz Heinrich, Selbstverwirklichung und der Frage nach einem guten Leben auseinander. Foto A.Hundsdorfer
Wie findet man den eigenen Weg zu einem guten Leben? Kinder und Jugendliche der Jugendkunstschule Neuruppin gingen dieser Frage im Schloss Rheinsberg nach. Unter der Leitung von Angela Hundsdorfer und Isabel Pin entstanden ein szenisches Theaterstück über Prinz Heinrich und ein Kunstprojekt zu persönlichen Rückzugsorten.
Von Carla Ruppin
Ein Theater- und Kunstprojekt mit Kindern und Jugendlichen im Schloss Rheinsberg
Das erste Mal begegnete ich Angela Hundsdorfer am 4. August 2026 bei unserem Projekt „Große Leute lesen für kleine Leute – Neuruppiner lesen Sommergeschichten für Kinder im Neubaugebiet“. Angela Hundsdorfer hatte sich als Vorleserin gemeldet und so trafen wir uns an diesem Tag auf dem Bauspielplatz, wo wir eine gemütliche Leseecke mit Decken, Kissen und Kuscheltieren eingerichtet hatten. Ich lernte eine sympathische, junge Frau kennen, die sich einfühlsam auf die Kinder einstellen kann und schnell deren Vertrauen erwarb. Aus einer wurden schließlich drei Geschichten, bei denen die Kinder sich einbezogen fühlten und auch mitgingen.
Im anschließenden Gespräch erzählte Angela Hundsdorfer mir, dass sie in Berlin wohnt, aber in Neuruppin an der Jugendkunstschule als Leiterin des Fachbereichs Theater tätig ist und dort auch mit Kindern und Jugendlichen Theater spielt. Meine Neugier war geweckt. Die Jugendkunstschule, so recherchierte ich, ist ein Ort in Neuruppin, an dem Kinder und Jugendliche auf vielfältige Weise kreativ tätig werden können und ihre Talente unter sachkundiger Anleitung gefördert werden. Ein guter Ort, der selbst einen Artikel wert ist…
Angela Hundsdorfer begegnete mir gemeinsam mit ihren jugendlichen Schauspielern ein weiteres Mal auf dem Bauspielplatz, wo diese aufgeregt erzählten, dass sie unmittelbar ihre Theateraufführung im Schloss Rheinsberg vorbereiteten. Es gehe um Prinz Heinrich und sie würden seine Geschichte am 21. August im Schloss aufführen.

Von A.Savin – Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=152682171
Seit vier Jahren, so erfuhr ich, wird jedes Jahr in den Sommerferien in Kooperation mit Dana Kresse, der Leiterin des Rheinsberger Schlosses, ein einwöchiges Theaterprojekt durchgeführt. Begonnen hat es als Begegnungsstätte zwischen ukrainischen und deutschen Jugendlichen. Da die ukrainischen Mitwirkenden sich im Laufe der Zeit jedoch gut in unsere Gesellschaft integriert haben, legte die Jugendkunstschule in diesem Jahr den Schwerpunkt auf die Förderung begabter Kinder und Jugendlicher aus dem Bereich Theater und Kunst. Und so arbeiteten in diesen Sommerferien eine Woche intensiv neun Teilnehmer/innen im Theatercamp, sechs weitere Teilnehmer/innen im Kunstworkshop. Zum thematischen Schwerpunkt wurden, der Ort lässt es vermuten, die wichtigsten Schlossherren ihrer Zeit, Friedrich und sein jüngerer Bruder Prinz Heinrich. Die Mitarbeiter/innen des Schlosses Rheinsberg standen den jungen Künstlern gerne mit ihrer Expertise zur Seite. Zuvor hatte es bereits ein Vorbereitungswochenende mit Schlossführung und erster Ideenfindung gegeben.
Am Nachmittag des 21. Augusts versammelten sich nun also Eltern, Großeltern, Geschwister und andere Angehörige der jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspieler, aber auch andere Interessierte im Schlosshof Rheinsberg, um das Ergebnis der einwöchigen Arbeit erleben zu können. Allen wurde ein szenisches Treppentheater geboten, in welchem sich die jungen Menschen am Beispiel von Prinz Heinrich mit der Frage auseinandersetzten, „wie Ich einen Weg zur Selbstverwirklichung finden kann“.
In der ersten Szene befanden sich alle im Spiegelsaal des Schlosses und nahmen an einem Bankett teil, dessen Mittelpunkt Friedrich und sein jüngerer Bruder Heinrich bildeten. Durch Kostüm und Auftritt jedoch ließ sich der Rangunterschied deutlich erkennen. Die Protagonisten waren also eingeführt und der Konflikt bereits angedeutet.
Nun begaben sich Zuschauer und Darsteller auf die Schlosstreppe in Richtung Schlosspark und See. Hier versuchte Prinz Heinrich zu ergründen, welches sein Platz in dieser Gesellschaft ist und welche seiner Interessen und Bedürfnisse sich erfüllen ließen. Doch höfische Etikette, Konventionen seiner Gesellschaftsschicht und seine Stellung am Hof ließen alle Wünsche scheitern und stellten sich ihm in den Weg.
Der dritte Spielort, eine Treppe am südlichen Seitenflügel des Schlosses, an den sich alle begaben, diente nun der Selbstreflexion der Jugendlichen. Ließen sich ihre Träume, Hoffnungen oder Wünsche ungehindert erfüllen? Soziale Ungleichheit, Erwartungen der Eltern oder von anderen Personen erwartete Selbstoptimierung sind einige Beispiele, die in Szene gesetzt wurden und die dazu führen, dass sich ein Ich durchaus auch in der heutigen Zeit verbiegen muss.
Die letzte Szene spielte auf einer Treppe im Garten. Sie führte erneut zu Prinz Heinrich zurück und warf die Frage auf, ob er nun eigentlich glücklich gewesen sei in seinem Leben. Das Bild von der Pyramide, seinem Begräbnisort, allerdings ohne Spitze, gibt die Antwort auf diese Frage.
Inhaltlich haben sich die jungen Menschen mit einer wichtigen, vielleicht der wichtigsten Frage menschlicher Existenz überhaupt befasst: Wie kann man ein glückliches Leben führen? Die Frage nach dem guten Leben stellen sich Menschen allgemein, Philosophen insbesondere, seit der Antike. Ab da ist es uns schriftlich überliefert. Und dabei gelang es den jungen Schauspielern, das Verbindende zwischen einem Menschen aus der Vergangenheit und ihnen, Menschen unserer Zeit, festzustellen. Etwas, was also offenbar zum Menschsein gehört. Die Frage nach dem glücklichen oder guten Leben und den Bedingungen, die ein solches ermöglichen. Und all dieses haben sie zudem mit viel Spielfreude und Lust an der Verwandlung vorgetragen. Wobei nur Schloss und Park als Kulisse und Requisite diente. Wozu auch mehr, bei solch königlichem Bühnenraum! Musik, die Angela Hundsdorfer vom Laptop einspielte, unterstrich die jeweilige Stimmung der Szene. Einige wenige Kostümelemente dienten der Zuordnung einer Person und wurden von den Jugendlichen der Kunstgruppe phantasievoll aus Papier und Papper hergestellt.
Diese Gruppe befasste sich unter der Leitung von Isabel Pin während der Woche mit der Frage nach der Bedeutung eines Rückzugsortes, denn Prinz Heinrich fand ihn in Rheinsberg. Auf fast menschenhohem Untergrund stellten sie ihre Idee von solch einem Rückzugsort künstlerisch mit Pinsel und Farben dar und präsentierten ihre Resultate in einer Open-Air-Vernissage im Schlosspark, wobei jeder von ihnen eine Erklärung z.B. zu Motiv, Technik oder Farbauswahl anbot.
Vielen Dank an Angela Hundsdorfer, die die inhaltliche und schauspielerische Auseinanderset-
zung begleitet und geleitet hat, für diesen vergnüglichen und kurzweiligen Nachmittag. Vielen Dank auch an Isabel Pin, die das Kunstprojekt begleitete. Und Dank den Kindern und Jugendlichen, die ihre Ferienzeit kreativ nutzten, aktiv für sich und ihre Zuschauer einen Moment der Nachdenklichkeit, des Genießens und der Gemeinsamkeit zu schaffen.
Nun ist Angela Hundsdorfer schon mit einem weiteren Projekt befasst. Mit einer Berliner Künstlergruppe, die sich unter dem Namen „Tausend Hektar Kunst“ versammelt haben, gestalten diese ein Projekt mit dem Titel „Das blaue Gold“. Dahinter ist unschwer zu erkennen, woran es in diesem Sommer vielerorts gemangelt hat -unser so wichtiges Wasser. Das Stück, bei dem Angela Hundsdorfer Regie führt und selbst auch eine Rolle übernommen hat, wird im Herbst in Mecklenburg Vorpommern aufgeführt, da es hier ebenfalls einen Kooperationsvertrag gibt. Auch für diese Arbeit wünsche ich Angela Hundsdorfer viel Erfolg!







