Mit Janine Fubel auf den Spuren der “Todesmärsche” im April 1945

Größer könnte der Kontrast kaum sein: Eine freiwillige Zusammenkunft interessierter freundlicher Menschen bei herrlichem Sommerwetter tief im Wald bei Below. Aber der Anlass, das waren die “Todesmärsche” im April 1945, der qualvolle Weg von einigen Tausend Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen bis zu dieser Zwischenstation kurz hinter Wittstock. Man hatte zur Vorstellung des Buch “Krieg, Bewegung und extreme Gewalt” von Janine Fubel eingeladen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Als Leiterin der Gedenkstätte “Todesmarsch im Belower Wald” führte Friederike Gehrmann zunächst im Freien durch die Ausstellung. Die Untersuchung von Janine Fubel stand danach in der Bildungsstätte im Mittelpunkt. Wichtige Faktoren sind der Kriegsverlauf, die weiter laufende Kriegswirtschaft und das Lagersystem. Ein NS-Vernichtunglager wie Belcez war nur 1942 in Betrieb. Dann wurden die Massentötungen anders und andernorts erledigt bis Anfang 1945. Auch im KZ Sachsenhausen gab es sehr viele Tote. Als Arbeitslager hatte es zahlreiche Außenstellen. Die Zahl der Häftlinge hatte sich allerdings im Verlauf des Jahres 1944 aus verschiedenen Gründen wesentlich erhöht. “Die Auflösung des Konzentrationslagers Sachsenhausen 1945” lautet der Untertitel des fast 500 Seiten umfassenden Werks von Fubel.

Lager im Wald bei Crivitz: “Erschießungen noch bis zum 3. Mai!

Es gelang der Verfasserin, die Zuhörenden nah ans Geschehen zu führen, etwa durch Tagebuchnotizen, aber auch durch Fotografien. Die Zahlen bekommen Gestalt. Gleichwohl ist es nicht leicht, sich 16.000 Menschen hier im Gelände vorzustellen. Die Bedingungen. Die Behandlung. Das Dahinsiechen. Das Sterben. Und für die noch Lebenden die Strapazen der Fortsetzung dessen, was die Betroffenen selbst “Todesmarsch” genannt hatten. Was das für die Stadt Schwerin gegen Kriegsende und danach bedeutete, war ebenfalls Thema.

Janine Fubel – eine engagierte Historikerin, die Interesse weckt.
Fotos: VHS

Im Gespräch ging es später neben der Täterschaft auch um die Zeugenschaft. Um Zuschauer und ihre Reaktionen, um Schuld durch Unterlassen. Ein Beispiel für Aversionen gegen die Opfer des NS-Systems wurde vorgelesen. Der Krieg war noch nicht vorbei. Sein Ende würde alles ändern. Und sei es nur scheinbar.
Es gab wahrlich gute Gründe, das Werk gleich an Ort und Stelle zu erwerben. Schließlich geht es auch um Neuruppin und Rheinsberg, um Lindow und eben um Wittstock. Die Autorin selbst stammt auch aus der Region. Sie wäre nicht abgeneigt, eine Übersetzung ins Englische zu erarbeiten. “Das möchte ich nicht der KI überlassen”, sagt sie. Aber dafür ist Geld vonnöten. Sie wirkte ziemlich optimistisch und konnte sich am Ende über Anerkennung und Applaus freuen.

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