Im ablaufenden Jahr gab es gute Gründe, in Neuruppin an den Bildhauer Max Wiese zu erinnern. Zu den Spuren, die er als Künstler hinterlassen hat, gehört auch das Denkmal für Friedrich Ludwig Jahn. Es verkörpert selbst Veränderungen der Erinnerungskultur. Und wirft Fragen auf. Zum Beispiel die, ob es wegkann. Oder ob es modern eingefasst werden sollte. Oder aufgefrischt wie früher mit Jahn und Loose, nur anders?
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Im Jahrbuch 2026 würdigt Günter Rieger das Wirken von Max Wiese – nicht nur im Hinblick auf Neuruppin. Wieses Präsentation von Karl Friedrich Schinkel und Theodor Fontane prägt die Erinnerung an die beiden Söhne der Stadt, besonders bei Touristen und anderen Gästen. So unterschiedlich sie künstlerisch ausfallen, so intensiv ist der Eindruck. Im Falle des Jahn-Denkmals stellt sich die Sache indessen eher kompliziert dar.
In “Neuruppin – so wie es war”, von Irina Rockel 1992 veröffentlicht, zeigt eine Fotografie das “am 24. September 1911 eingeweihte Denkmal für die verdienstvollen Turner Friedrich Ludwig Jahn und Carl Loose”. Es stand an der Parkstraße. Im Hintergrund sieht man die heutige Puschkin Schule. Das Signum erinnert heute nur Insider: “Frisch, fromm, fröhlich, frei – der Wahlspruch unserer Turnerei!” Beim angeblichen Original kommt’s mit dem Reim nicht hin. Am Ende “fromm”?

Foto: VHS
Seit 1961 steht das Denkmal in der Nähe des Jahnbades, also vom Zentrum ein gutes Stück entfernt. Von Carl Loose ist nicht mehr die Rede. Jahn selbst wird zitiert: “Ich kenne keine Zeit, wo ich nicht von der Einheit Deutschlands beseelt gewesen bin.” Über die Syntax ließe sich streiten in einer Zeit, in der jedes Wort auf die Waagschale gelegt wird. Schon ist von Wagschale die satirische Rede. Der Name des Turnvaters auf der Rückseite ist von der Straße aus nicht identifizierbar. Absicht? Rücksicht? Weitsicht?
Friedrich Ludwig Jahn, der von 1778 bis 1852 lebte, ist in der Tat kein einfacher Fall. Er wurde verehrt. Man könnte ihn verachten. Er wirkte zu seiner Zeit Einheit stiftend, aber um welchen Preis, gegen wen gerichtet? Sein Antisemitismus war prinzipieller Art. In seiner Zwiespältigkeit steckt eine Herausforderung. Die Tatsache, dass die Turner und Turnerinnen in der DDR und in der BRD (einschließlich West-Berlin) in Jahns Namen für den Turnsport begeistert werden sollten, gehört auch zur Geschichte.

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Reckstange und Barrenholmen sollen erst von Jahn ins Zentrum der Turnhallen gerückt worden sein. Nur Bodenturnen, das wäre zu wenig gewesen. Über “Bock” und “Pferd” wäre in Zeiten von Drohnen, hybrider Kriegführung und Joysticks sicher auch neu nachzudenken, von wegen paramiltärische Erziehung. Fitness allein wäre Friedrich Ludwig Jahn nicht genug gewesen. Aber immerhin besser als Vernachläsigung oder bloße Lässigkeit mit schlankem Fuß.
Im Sommer ist das Jahnbad eine wichtige Adresse. Auch lockt die Gastronomie. Wird über das Denkmal diskutiert, gehört der Name des Bades sicher auch dazu. In der heutigen Form und Gestalt wirkt der Stein sonderbar. Das allein ist allerdings auch nicht ohne Aussagekraft. Friedrich Ludwig Jahn wollte die Jugend erreichen. Was jüngere Menschen in Neuruppin über den Fall denken, wäre sicher eine Erhebung wert vor dem Jubiläumsjahr 2028.







