“Heute bloß nicht zu viel sagen!” Das heimliche Motto?
“Echos meiner Seele” lautet der Titel der Ausstellung. Die Künstlerin Irena Paskali präsentiert im Kunstraum Werke, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Bei der Vernissage überließ sie es den Gästen, ihrem Innenleben über die ausdrucksstarken Werke näher zu kommen. Galerist Johannes Bunk konnte sich gemeinsam mit der Künstlerin über reges Interesse freuen. Dass es immer auch um Selbstbetrachtung geht, nicht nur wegen der Spiegelungen, musste den Versammelten nicht erläutert werden.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Irena Paskali stammt aus Nordmazedonien. Sie ist Jahrgang 1969 und lebt schon länger in Köln. Hier im Folgenden brav Ausbildungsschritte, Projekte, Stipendien, Preise, Idole, Reisebewegungen, Schuhgröße und Sehschärfe aufzulisten, wäre sinnlos. Also geben wir doch einfach den Blick frei auf ein Zerrbild, genauer: auf einen Ausschnitt. Eine Fotografie? “Raum überwinden”? Verfremdung am Computer? Verkehrslärm veranschaulicht? Und die Seele?
Wie schlicht, wie schön, wie zugänglich wirkt dagegen die Fotografie “To be free II”. Im Katalog liest man: “Fotodruck auf Aludibondplatte”. Klarer Fall! Oder anders gesagt: Aus dem Katalog lassen sich Hinweise entnehmen. Streng fachlich. Ein Hauch von Beipackzettel. Die Seele bleibt dahinter verborgen. Warum einem das Bild so gut gefällt? Weil es einlädt ins Feld? Weil es weglockt? Die Künstlerin nimmt die Betrachtenden auch sehr gerne mit in die Tiefe des Meeres. Faszinierend! Malerische Fotos!
Paskali lässt es Winter werden über modernen überdimensional breiten Gebäudefassaden. Klar, Schinkels Altes Museum in Berlin aufgeblättert in die Breite. Paskalis Blick auf Treppenhäuser ist speziell. Ein Muster von oben, eine Struktur – kein Weg, keine Verlockung. Und die Seele? Dann die Städte, Gigapolis in schmalen Streifen. Unbeschreiblich.

Während der Vernissage wirkt die Künstlerin so präsent, so wach, so kontrolliert, nicht verhuscht, nicht traumselig. Sie fotografiert ab und an mit dem Smartphone. Was mag daraus werden? Sie ermahnt, nichts anzufassen. Die Gäste können sich behutsam Hologrammen nähern, sich geduldig Videokunst widmen, über Aufgeschäumtes nachsinnen oder einfach mal rausschaun. Draußen auf der Engels alles wie immer, wenn Sonntag ist. Muttertag? Eine Erfindung! Leicht gedämpft, das Treiben in Neuruppin an der Engels. Aber der Himmel, ein Gedicht! Trotzdem: Zurück der Blick in die Echokammer! Zu den Wolkenbildern. Ins Gebirg! Ins Imaginäre! Zurück in den Seelenraum unmöglicher Strukturen!
Überall Suchende! Vereinzelt Parlierende! Sicher Fachgespräche, denn die Zahl der schöpferisch Tätigen war nicht gering. Ein Wahlkämpfer kommt auch dazu. Wer? Nein, der nicht. Der andere. Für Kräftigung und Erfrischung ist auch gesorgt bei Johannes Bunk. Irgendwann dann der Wortwitz: “Neuruppins Kunstbunker!”

Fotos: VHS
Die Ausstellung im Haus an der Friedrich-Engels-Straße läuft bis zum 7. Juni 2026. Sie ist von Mittwoch bis Samstag zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 13 Uhr. Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag sind Feiertage. Auf der Homepage des Kunstraums Neuruppin erfährt man, unter welcher Telefonnnummer andere terminliche Vereinbarungen getroffen werden können. Zur Vernissage mit der Kölnerin konnten auch Gäste aus Berlin und Wittstock/Dosse begrüßt werden.
