“Im Prinzip Familie” – oder mehr als das? Filmsaison im Hanger 312 eröffnet

Ein Haus am See. Fünf Jungen, drei Erziehende, zusammen eine Wohngruppe. Ein Filmteam ist zu Gast. Man arbeitet mit Geduld und Gespür für Atmosphäre an einer Dokumentation, die später den Titel “Im Prinzip Famile” tragen wird. Im Hangar 312 wollten über hundert Menschen wissen, was es mit dem Fall auf sich hat. Das Werk hinterließ tiefe Eindrücke. Für den anwesenden Regisseur Daniel Abma gab es Sonderapplaus.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die dümmste Kommentierung lässt sich auf einem Handzettel lesen: “Dem Filmemacher gelingt die große Kunst, ein schweres Thema leicht zu erzählen.” Der Gewerkschaft ver.di wird das zugeschrieben. Schweres bleibt schwer, aber es werden Menschen gezeigt, die unersetzbare Arbeit leisten. Und Kinder, die unter belastenden Bedingungen ihren Weg gehen. Daniel Abma erläutert nach der Vorführung, dass die Idylle am See mit entsprechenden Unternehmungen nicht repräsentativ sei für die große Zahl solcher Projekte von Pflegschaft und Fürsorge. Als Gegengewicht gibt es gelegentlich aufstörende Musik. Keine Kinderfotos zu zeigen, hatte Abma schon vorher am Rande erbeten. Klarer Fall. Kein Bild von Kelvin. Kein Bild von Niklas. Als vorpubertär werden beide bezeichnet. Die drei anderen Mitbewohner wirken jünger.

In Afghanistan als Soldat, jetzt ganz anders gefordert von Kindern.

Kelvins familiäre Wurzeln liegen in Afrika. Rassismus gehört zu seinen Alltagserfahrungen. Er hat sich oft nicht im Griff. Niklas hat eigentlich etwas Unauffälliges. Aber elterlicherseits schwelt ein Konflikt um Kontakt und Sorge. Das Sorgerecht hat die Mutter. Die Eltern bereiten ihm großen Kummer. Dem Filmteam gelingt – natürlich nur im Zusammenspiel mit den drei Erziehenden, den beiden Jungen emotional nahe zu kommen. Befremdendes gibt es auch: Per Handy werden Gespräche geführt, die zum Teil von größter Bedeutung sind für die Betroffenen. Der Regisseur betont später, nicht inszeniert zu haben. Moderne Technik macht’s möglich. KI wird zum Glück nicht nach Lösungen gefragt.
Zu den Gesprächsrunden gehören auch andere Personen aus dem Wirkungsfeld von Jugendsozialarbeit und Schule. Man erlebt Menschen bei ungemein wichtiger Arbeit. Entwicklungsberichte aus dem Off ergänzen die Darstellung. Die Haltung der Filmenden ist respektvoll und wertschätzend. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass der Niederländer Daniel Abma ursprünglich selbst ins Grundschullehramt strebte. Die Erziehenden geben auch von sich einiges preis, nicht nur als es zum Abschied von Niklas kommt. Von Liebe ist nicht die Rede. Vielleicht gibt es noch kein Wort für diese Gefühle, für diese Bindung, für diese Art “Familie”.

Als Niklas nach fünf Jahren geht, fließen auch ein paar Tränen.
Alle Fotos: abfotografiert während der Filmvorführung von VHS

Ein fesselnder, ein faszinierender Film! Gut gewählt von Arne Krohn zur Saisoneröffnung! Das meinte auch Landrat Ralf Reinhardt, der vorab Daten nannte über die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen im Landkreis und seine Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass der Film Impulse gibt im Hinblick auf die Berufswahl oder eine Pflegeübernahme.

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