Erinnerungen eines Wegbereiters an die ersten Schritte der GRÜNEN

Ehe die Partei DIE GRÜNEN im Jahre 2030 ihren fünfzigsten Geburtstag feiert, erscheinen sicherlich noch mehr Erinnerungen, Ermahnungen und Ermutigungen, auch im Hinblick auf die Neugeburt als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Jahr 1993. Helmut Lippelts “Erinnerungen an die ersten Jahre der GRÜNEN” sind 2025 erschienen. Eine Einführung samt Einordnung bietet die Heinrich-Böll-Stiftung als Herausgeberin auch.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

“Ich bin kein 68er”, heißt es zu Beginn. Helmut Lippelt kam 1932 in Celle zur Welt, er verstarb 2018 in Berlin. Dass er als Heidekind nicht intensiv auf das KZ Bergen-Belsen und die lange währende Kultur des Schweigens in Celle eingeht, befremdet. Es mag daran liegen, dass seine entscheidende Entwicklung in Lehrte stattfand. Dort machte er 1950 an der Oberschule für Jungen sein Abitur. Der promovierte Historiker ist einer der Gründer der Partei DIE GRÜNEN.
Die Lektüre führt mitten hinein in die Welt der ökologischen Initiativen an prädestinierten Orten in den 70ern und verdeutlicht die unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Bundesländern einschließlich Westberlin. Als Kommentatoren wissen Detlef Schmiechen-Ackermann und Abelina Junge: “Für Lippelt stand die erfolgreiche Etablierung einer grünen Partei im Vordergrund.” Es ist extrem interessant, den Prozess von Öffnung und Abgrenzung nach links und rechts nachzuvollziehen. Lippelt wirkt dabei wie der Inbegriff des Realpolitikers. Es war ein protestantischer Studenten- und Studentinnenpfarrer in Hannover, der gegen ihn polemisierte: Lippelt führe die Ökologiebewegung in die Enge, “nach rechts geöffnet, nach links verschlossen”. Die Erinnerungen des Angegriffenen zeigen ein differenzierteres Bild. Es zeugt von der Auseinandersetzung mit beiden Seiten, also etwa mit ehemaligen oder aktiven KB-Mitgliedern wie Jürgen Reents und GLU-Aktivisten wie Herbert Gruhl. Ein Verzeichnis der Abkürzungen hilft bei der Lektüre. Allein sieben Grüne Listen werden als Organisationen genannt. Die Hinweise auf Lebensläufe unterscheiden sich sehr in Umfang und Aussagekraft.

Ein Anriss: Helmut Lippelt und das geschätzte “Kinderplakat”
Foto: VHS

Wenn Lippelt schreibt, man müsste sich “auch den Bunten und Alternativen öffnen”, wird deutlich, dass es um die Etikettierungen jener Jahre geht. An die Alternative für Deutschland wird man allerdings schon im Vorwort erinnert, wenn es um “Altparteien” geht und um das Selbstverständnis der GRÜNEN als “Antiparteienpartei” – notiert und erinnert von den Kommentatoren 45 Jahre nach der Gründung der Partei in der Bundesverfassungsgerichtsstadt Karlsruhe.
Wie die westdeutsche Ökologiebewegung, die Friedensbewegung, die Frauenbewegung, die Gerechtigkeitsbewegung, die Kulturbewegung und die allgemeine Freiheitslustbewegung schließlich Partei wurden, teils ohne diese schönen Begriffe schon zu kennen, können persönliche Erinnerungen selbstredend nicht abschließend klären. Was einen solchen Prozess so mühsam macht, von der Sitzung zur Tagung bis zum Kongress, von Satzungsfragen zu Programmatischem, von Wahl zu Wahl zu Wahl, mal mit Blick auf das verfasste Europa, mal fast vor der Haustüre, das lässt Helmut Lippelt selbst erkennbar werden. Sehr kurz kommt der Blick auf das Leben. Auf Gefährdetes. Auf Unersetzbares. Hätte er doch bloß mal ein paar Gedichte (ab)geschrieben oder Liebesbriefe an die geliebte Welt verfasst! Sie hätte es gebraucht. Und er auch. Hinweise auf Plakatgestaltung können das nicht ersetzen. Das “Kinderplakat” für die Europawahl 1979 mochte er. “Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt.” Rechts daneben: “Alternative: Die Grünen” – nur Großbuchstaben rund um die leuchtende Blume.

Die westdeutsche Friedensbewegung demonstrierte deshalb 1981–1984 gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen in Deutschland
Foto: macron

Was Aktionen und Kampagnen anbelangt, verweist der Grüne auf wichtige Handlungsfelder über die Anti-AKW-Bewegung hinaus. Man denke nur an SS 20 und Pershing II und die damit verbundenen Szenarien des Ost-West-Konflikts. Streit gab es wohl schon früh um die Verwendung staatlicher Gelder, Stichwort Wahlkampfkostenerstattung. “Der Parteiaufbau musste überhaupt erst geleistet werden und schon wurde Anspruch auf die zukünftigen Gelder erhoben”, kritisiert Lippelt im Rückblick. Helmut Lippelt war Landtagsabgeordneter der GRÜNEN in Hannover. Er gehörte dem Bundestag in Bonn und in Berlin an. Die genauen Daten bietet das Buch. Außerdem verschiedene Fotos, meistenteils männerdominiert. Nicht unterschlagen wird, wie Machtfülle und Machtgewöhnung bei den GRÜNEN verhindert werden sollten vor Jahrzehnten. Die Leitworte beim Gründungsparteitag in Karlsruhe im Jahr 1980 waren “ökologisch, basisdemokratisch, sozial, gewaltfrei”.
Lippelt war übrigens Sohn eines Unternehmers und übernahm für eine Zwischenzeit leitende Funktion. Angeblich soll solch eine Seinserfahrung auch das Bewussstsein prägen. Dass er elf Jahr SPD-Mitglied war, widerspricht dem nicht automatisch. Zur Grünen Liste Umweltschutz gehörte er von 1978 bis 1980. Bisschen unterrichtet hat der Historiker auch an einem Gymnasium durch einen entsprechenden Lehrauftrag. Und viel geforscht als Hochschulangehöriger.
Ab 1980 schrieb Helmut Lippelt engagiert mit an der Parteigeschichte der GRÜNEN und der BÜNDNISGRÜNEN. Die Kommentatoren würdigen, wie Lippelt sich später um Offenheit gegenüber den Aktiven aus der Bürgerrechtsbewegung in der DDR bemüht habe. Bei einem Pragmatiker und Parlamentspraktiker überrascht das nicht. Was heutige Herausforderungen und Herangehensweisen der GRÜNEN angeht, äußern die Kommentatoren Vermutungen über Lippelts Positionierung, eingedenk der Tatsache, dass sich die Partei selbst sehr gewandelt hat, nicht nur mit Blick auf die Bundeswehr und die NATO. Ein spöttischer Spruch ist bei aller Anerkennung kaum auszumerzen: “Er lippelt wieder!”

Ein Kommentar

  1. ES GRÜNT SO GRÜN

    Vielen Tieren Lebensraum,
    für den Sauerstoff ein Quell,
    für gesundes Klima essenziell;
    das ist unser Freund, der Baum.

    Ohne Bäume in Wald und Flur
    wär‘ die Erde ein öder Planet nur.
    Wir sehnen uns nach diesem Grün,
    der Zeit, wenn wieder Bäume blüh’n.

    Wir wollen wandeln durch Alleen,
    das Blätterdach so wunderschön.
    Jeder Baum, der zum Opfer fällt,
    macht etwas ärmer uns’re Welt.

    Tornados, Hitze, Wassernot;
    Feuer wüten in Wald und Flur.
    Das Wetter gerät aus dem Lot,
    Klimawandel zieht seine Spur.

    Borkenkäfer in der Kiefer,
    auch zur Fichte zieht Geziefer.
    Statt sattes Grün und Waldeslust,
    kranke Bäume und Försters Frust.

    Profitgier lässt Wälder schwinden,
    fördert weltweit Umweltsünden.
    Die grüne Lunge des Planeten
    in Gefahr, da hilft kein Beten.

    Zu viele Buchen und Eichen
    mussten schon der Kohle weichen.
    Retten wir den herrlichen Wald,
    bewahren die Artenvielfalt.
    Kämpfen wir für Mutter Erde,
    dass sie nicht zur Wüste werde.

    Man produziert und produziert,
    plündert Ressourcen ungeniert.
    Gewinnmaximierung ist Pflicht,
    die intakte Natur zählt nicht.
    Börsenkurse steh’n im Fokus,
    Umweltschutz in den Lokus.

    Plastikflut und Wegwerftrend,
    man konsumiert permanent.
    Von Müllvermeidung keine Spur,
    Unrat verschandelt Wald und Flur.
    Unser westlicher Lebensstil
    taugt nicht als Menschheitsziel.

    Die Jagd nach ewigem Wachstum
    bringt letztlich den Planeten um.
    Das oberste Gebot der Zeit
    muss heißen Nachhaltigkeit.
    Statt nur nach Profit zu streben,
    im Einklang mit der Natur leben.

    Der Mensch, dieses kluge Wesen,
    kann im Gesicht der Erde lesen.
    Er sieht die drohende Gefahr,
    spürt die Erwärmung Jahr für Jahr.
    Homo sapiens muss aufwachen,
    seine Hausaufgaben machen.

    Wir alle stehen in der Pflicht,
    maßvoll leben ist kein Verzicht.
    Teilen und Second Hand der Trend,
    Repair vor Neukauf konsequent.
    Bei allem etwas Enthaltsamkeit,
    nehmen wir uns die Freiheit.😉

    Mit Tempolimit auf der Autobahn
    und Emissionshandel ist’s nicht getan.
    Für Energieerzeugung und Verkehr
    müssen zukunftsfeste Lösungen her.

    Die Umwelt schützen, Raubbau beenden,
    das Anthropozän zum Guten wenden.
    Ökonomie und Ökologie im Verein,
    der Blaue Planet wird uns dankbar sein.

    Für die Zukunft des Planeten,
    weg mit Panzern und Raketen.
    Lasst die weißen Tauben fliegen,
    Aggression und Hass besiegen.
    Dem Blutvergießen ein Ende,
    Völker reichen sich die Hände.

    Keiner ist des Anderen Knecht,
    für alle gilt das Menschenrecht.
    Die Leute legen ab den Neid,
    die Religionen ihren Streit.
    Jeder kann glauben, was er will,
    Frieden und Freiheit unser Ziel.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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