Erdgas wird in Neuruppin immer unattraktiver – während Berlin auf neue Gaskraftwerke setzt

Ab Oktober steigen in Neuruppin die Erdgaspreise deutlich – bis zu 40 Euro mehr pro Monat. Während die Stadtwerke auf Geothermie setzen, plant Wirtschaftsministerin Reiche neue Gaskraftwerke.

Von: macron

Neuruppin/Berlin. Für tausende Haushalte in Neuruppin wird Heizen ab Oktober spürbar teurer. Die Stadtwerke erhöhen die Preise für Erdgas um rund 23 Prozent. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet das etwa 30 Euro mehr im Monat, bei Einfamilienhäusern können die Mehrkosten sogar über 40 Euro liegen. Betroffen sind rund 4.000 Haushalte.

Die Gründe liegen nicht allein beim Einkaufspreis für Erdgas, sondern vor allem an den steigenden Netzkosten. Da immer mehr Menschen in Neuruppin von Gas auf Fernwärme oder Wärmepumpen umsteigen, müssen die Kosten für das Gasnetz auf weniger Kund\:innen verteilt werden. Um zu verhindern, dass in einigen Jahren nur noch wenige Haushalte astronomisch hohe Gebühren zahlen müssen, schreiben die Stadtwerke die Netze nun vorzeitig ab – und verteilen die Last solidarisch auf die heutige Kundschaft.

Auch der CO₂-Preis schlägt zunehmend zu Buche: 2026 wird die Abgabe für ein durchschnittliches Einfamilienhaus etwa 210 Euro betragen, rund 32 Euro mehr als 2025.

Während also Erdgas für Verbraucher\:innen in Neuruppin immer unattraktiver wird, setzen die Stadtwerke auf die Zukunft der Fernwärme. Schon ab 2027 soll der größte Teil nicht mehr mit Gas, sondern mit Thermalwasser aus der Erde erzeugt werden. Dann könnte Heizen in der Fontanestadt deutlich günstiger werden.

Bild von Benita Welter auf Pixabay

Bundesregierung setzt weiter auf Gas

Ganz anders die Pläne auf Bundesebene: Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) will in den kommenden fünf Jahren Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von bis zu 20 Gigawatt ausschreiben. Begründet wird das mit der Versorgungssicherheit. Fachleute halten den Kurs jedoch für energiepolitisch widersinnig.

Denn Gaskraftwerke sind zwar flexibel und schnell hochfahrbar, laufen aber wegen des Vorrangs von Wind- und Solarstrom kaum noch rentabel. Für einen wirtschaftlichen Betrieb wären mindestens 4.000 Volllaststunden im Jahr nötig, tatsächlich erreichen die Anlagen jedoch oft nicht einmal 2.500.

„Was halb so oft läuft, ist im Betrieb doppelt so teuer“, sagt Energieexperte Volker Quaschning. Erdgas-Strom kostet mit rund sechs Cent pro Kilowattstunde bereits mehr als Solarstrom, hinzu kommen Betriebskosten und die Abgaben aus dem Emissionshandel.

Ökonom\:innen warnen: Ein massiver Neubau würde nicht nur fossile Abhängigkeiten zementieren, sondern auch die Strompreise weiter in die Höhe treiben.

Lokale Wende vs. nationale Bremse

In Neuruppin deutet alles darauf hin, dass sich der Ausstieg aus Erdgas schon in wenigen Jahren lohnt – für Klima wie für Geldbeutel. Auf Bundesebene hingegen droht eine milliardenschwere Investition in alte Strukturen, die nicht nur teuer, sondern auch kontraproduktiv für die Energiewende wäre.

Die Frage ist: Wird die Energiewende von unten schneller gelingen als von oben?

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