Vielleicht versöhnt – Die Ausstellung „Harmonische Dissonanz“ von Uschi Jung im Kunst-Kiosk Neuruppin
In „Harmonische Dissonanz“ zeigt Uschi Jung leuchtende, transparente Bildwelten, die zunächst Harmonie ausstrahlen, beim näheren Hinsehen jedoch feine Brüche und Kontraste offenbaren. Der Kunst-Kiosk wird so zu einem kleinen Raumwunder, das einen neuen, liebevollen Blick auf den Alltag ermöglicht – vielleicht sogar ein wenig versöhnt.
Von Otto: Wynen
Das schönste an der Kunst ist: man kann sie sehen wie man will. So entfacht sie, wenn es gut geht, einen friedlichen Streit der Meinungen. Das dürfte für Uschi Jungs Kunst-Kiosk-Präsentation natürlich ganz besonders gelten. Denn mit dem Titel: „Harmonische Dissonanz“ schüttet sie dabei geradezu Öl ins Feuer kunstkritischer Leidenschaften und Betrachtungsweisen. Verweilen wir doch gleich für einen Moment bei diesem klangvollen und klangschönen Oyxmoron – so der rhetorische Fachbegriff für die „Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe in einer rhetorischen Figur – und betrachten und genießen das bunte Spiel der Farben und Formen. Luftig und transparent, leuchtend und schwebend bezaubert diese farbenfrohe Bilderwelt. Harmonisch ja. Aber dissonant? Uschi Jung selbst führt einen auf die Spur. Man kann ihr folgen – wenn man will. Oder man ergibt sich dem schönen Schein. Nichts spricht dagegen. Will man die Bilder aber analytischer betrachten, dann – so sagt die Künstlerin – fallen einem beim näheren Hinsehen doch die Brüche auf. Kontraste in den Farben, Formen und Linien.

Man wünschte sich Sitzgelegenheiten rund um diesen Kunst-Kiosk. Bänke von denen aus man die Bilder eingehender betrachten könnte. Dann könnte man mit anderen über seine Entdeckungen und Empfindungen sprechen, man könnte sich vertiefen in das farblich-meditative Angebot. Und man könnte nachdenken über den Titel: „Harmonische Dissonanz“.

Der Kunst-Kiosk ist ein kleines städtisches Raumwunder. Mit dieser Ausstellung eine Offenbarung. Schaut man und horcht in sich hinein, empfindet man vielleicht ein kleines Stück Beglückung. Woher kommt das? Vielleicht, weil man intuitiv verspürt, dass das Harmonische und das Dissonante Teile von einem selbst sind. Dass wir spüren so beglückend widersprüchlich zu sein. Und Uschi Jungs Kunst ebnet den Weg zu einer Sicht der Dinge, die die Neugier auf die Schönheiten des Alltags herausfordert. Wer diesen Weg einzuschlagen bereit ist, wird die Welt mit anderen Augen sehen. Liebevoller und wohlwollend. Vielleicht versöhnt.

Fotos: Otto Wynen







