Der Name Rommel lässt aufhorchen. Der Name Zieten auch, hier in der Region zumindest, besonders in Wustrau. Was also mag hinter dem Titel stecken, mit dem “Clausewitz” ins neue Jahr geht? Diesen Namen trägt “Das Magazin für Militärgeschichte”.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
“Hitzköpfiger Husarengeneral” ist der Beitrag überschrieben. Er läuft unter der Rubrik “Menschen & Geschichten”. Der Name Rommel kommt im Text allerdings nicht ein einziges Mal vor. Schöner Trick!
Erwin Rommel ist nicht als Hitzkopf in die Militärgeschichte eingegangen, “Mythos Rommel” zeigt es auf vielen Seiten. Als Generalfeldmarschall stand er in der Militärhierarchie noch höher als Zieten. Rommels Karriere in der NS-Zeit war außergewöhnlich. Die Eroberungen in Nordafrika liefen unter seinem Kommando. Doch im Sommer 1944 geriet er in den Verdacht, gewisse Kenntnisse gehabt zu haben von den Plänen, Adolf Hitler am 20. Juli 1944 zu töten. Rommels eigener Tod im Oktober 1944 ist nicht eindeutig geklärt.

abfotografiert aus dem Beitrag
Im “Clausewitz” wird der sonderbar anmutende Werdegang des am 14. Mai 1699 geborenen Wustrauers geschildert. Mit 17 wird er Soldat. Das ist spät, wenn man an Clausewitz’ Start in Neuruppin denkt. Mit 30 muss er eine Arreststrafe absitzen. König Friedrich Wilhelm I. hatte persönlich entschieden. Insubordination ist der Vorwurf. Das Auf und Ab geht weiter. Die Jahrzehnte sind von verschiedenen Kriegen geprägt, insbesondere seit Friedrich II. König von Preußen ist. 1740 bis 1742 ist Erster Schlesischer Krieg. Joachim von Zieten wird mit dem Orden “Pour le Merite” ausgezeichnet.
Autor Lukas Grawe verschweigt nicht, dass die Statur von Zietens wenig soldatisch wirkte. Die Bilder zeigen es nicht so krass. Aber da sitzt der Husar ja auch meist auf einem Pferd, wird in Aktion gezeigt. Mit dem Säbel in der Hand, ein prachtvolles Pferd sicher im Zaum, das ist ein Heldenbild. 1744 wird er Generalmajor. Ein Duell auf der Karriereleiter paar Jahre zuvor scheint vergessen. 1760 soll er in der Schlacht bei Torgau zu zögerlich gewesen sein. So hätten die geschlagenen Gegner noch entkommen können. In anderen Quellen wird von Zietens Handeln als Kompaniechef zuvor “voreilig” genannt. Der Autor legt die Schlachtgeschichte nicht näher dar. Blanker Militarismus wird nicht entfaltet, kein Blutrausch! Aber auch keine satirische Färbung! Anspielungen auf die Gegenwart sind nicht zu finden, dabei hätten die Vergrößerung der Armee Preußens und die zunehmende Bedeutung der Kavallerie so viele Möglichkeiten geboten.
Theodor Fontane lässt seine “Wanderungen” in Wustrau beginnen. Er wirkt fasziniert von der Familie von Zieten, besonders aber von diesem Filius. Einen seiner Säbel darf er betrachten. Fontane weiß, dass von Zieten sich, plötzlich umzingelt am Tag vor der Schlacht von Torgau von sechs österreichischen Husaren, “im buchstäblichen Sinne durchhieb und den blutigen Säbel ruhig wieder in die Scheide steckte”. Ein Fall uneingeschränkter Bewunderung? Von Unbeherrschtheit zumindest hier kein Wort. Und die Waffe, die muss er beherrscht haben.

eger; Wustrau; 2025
Frank Jüttner und Günter Rieger heben in ihrem Buch “Wustrau – Ein Ort zum Verweilen” (2025) hervor, wie widersprüchlich – im positiven Sinne – sich die Geschichte von Brandenburg-Preußen darbietet, wenn man sie etwa im örtlichen Museum näher betrachtet. Mit dem Beitrag in “Clausewitz” über Joachim von Zieten lässt sich tatsächlich das Klischee vom reinen Obrigkeitsstaat, vom blinden Gehorsam und perfekter Selbstdisziplin hinterfragen. Ob Joachim von Zieten in Wustrau in Stein endlich über ethische Fragen nachdenkt?







