Susanne Krell in ihrem Studio im Kulturhaus – im Hintergrund eine ihrer Frottagen. Foto: VHS
In Rheinsberg gedenkt man in diesem Jahr der Geburt des Kronprinzen Friedrich Heinrich Ludwig vor 300 Jahren, Geburtsort: Berlin. Er war der dritte von vier Söhnen des preußischen Herrscherpaares. Friedrich, der Erstgeborene, war vierzehn Jahre älter. Heinrichs Wirkungsstätte wurde Schloss Rheinsberg. Die Künstlerin Susanne Krell aus Neuruppin greift mit einem Projekt das Schicksal einer Französin auf, die in Rheinsberg Zuflucht fand.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Im Jahr der Französischen Revolution war Heinrich schon 63 Jahre alt. Das weltgeschichtliche Ereignis dürfte ihn kaum kalt gelassen haben. In Spa hatte er die Französin Françoise Eléonore Dejean de Manville, Jahrgang 1749 und Comtesse de Sabran, kennen gelernt. Auf der Flucht vor der Revolution, so erzählt man, habe sie auf Schloss Rheinsberg bei Heinrich Asyl gefunden. Ein Porträt von ihr im Schloss lässt nicht an Furcht und Flucht denken. Etwas anders die KI-Variante auf der Faltkarte, mit der Susanne Krell dazu motivieren möchte, sich an einem Schreibprojekt zu beteiligen. Motto: „Francoise in Gefahr – h300 ist da!“

Darstellung: abfotografiert von der Faltkarte.
„Wer kommt heute nach Rheinsberg und welche Stories bringen die Menschen mit?“, lautet die Leitfrage. Nach Tagesausflug klingt das nicht. Eher nach Lebensveränderung. Die Rückseite bietet Platz für Erinnerungen, sicherlich nicht nur in deutscher Sprache. Die gesammelten Geschichten sollen vom 3. April bis zum 31. Mai 2026 als Ergänzung einer Video-Installation von Susanne Krell zum Fall der Comtesse im Schloss vor dem sogenannten Dritten Raum präsentiert werden. Die Französin erhält stimmliche Gestalt. Tagebuchaufzeichnungen aus jener Zeit machen das möglich.
Wer an knappen Informationen über das Verhältnis von Friedrich und Heinrich interessiert ist, findet im Jahrbuch Ostprignitz Ruppin 2026 einen lesenswerten Beitrag des Historikers Jürgen Luh. Von Frauen ist dabei allerdings kaum die Rede, mehr von Krieg und Ruhm und von der Art des Rheinsberger Prinzen, auf den großen Bruder und seine Neurosen zu reagieren. Im Jahr der Revolution war Friedrich schon drei Jahre tot.
