Das Dreigestirn von Hörl – mal von etwas höherer Warte betrachtet.
Es ist das Gold! Es ist der Glanz! Und es sind die Mäntel, die diese drei Lichtgestalten der deutschen Literatur in einem Neuruppiner Schaufenster prägen. Aber es geht natürlich um mehr, wenn Theodor Fontane gemeinsam mit Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller präsentiert wird. Fontane wendet sich ab. Er steht erhöht. Die Blickrichtung zielt wohl auf Berlin. Wird wer erwartet?
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Für den Theaterkritiker Fontane gehörten Dramen von Goethe und Schiller zum Job. Er sah Inszenierungen des “Tasso”, der “Iphigenie” und des “Faust”, um nur drei Beispiele zu nennen. Im Falle Schiller war der “Wallenstein” gleich mehrfach auf der Liste, dann natürlich “Kabale und Liebe” und “Räuber”. Die von Ehm Welk herausgegebene Sammlung “Parkettplatz 23” offenbart, wie wichtig dem Kritiker die Präsentation und die Performance waren, also Kulisse, Requisite und Kostümierung, aber noch mehr die Schauspielkunst, die Stimmigkeit, die Lebendigkeit und die Glaubwürdigkeit. Über Stimmgewalt und mundartliche Färbung, über vergrätzende Grimassen und betörendes Geflüster kann er viel sagen als Brandenburger Berliner. Worauf “Pappenheimer” anspielt in der Kritik von “Wallensteins Tod” wird nicht erklärt. Deren Eisenpanzer wird erwähnt und nicht bemängelt.
Bemäntelungskunst der besonderen Art bietet Ottmar Hörl. Sei 2019, dem Jubiläums- und Jubeljahr um Theodor Fontane, ist der Konzeptkünstler in Neuruppin präsent wie sonst niemand. Das Dreigestirn ist auf der Friedrich-Engels-Straße zu entdecken. Was mag der Goethe im Fenster da in den Händen halten? Die Bibel für alle Fälle? Oder etwas aus eigener Feder? “Faust I und II” in einem Band? Und Schiller? Für den “Tell” ist das Werk etwas zu kompakt. Fontane hält hinter sich kein Werk in den Händen. Deutlich älter als die Klassiker aus alter Zeit ruht er in sich. Ob das mal vorkam, dürfte die Gattin am besten wissen. Ja, wird hier vielleicht eine Frau erwartet? Oder gleich drei? Die Gattinnen? Oder Figuren wie Maria Stuart, Margarete und Effi?

Fotos
Aus Berlin könnte natürlich auch Karl Friedrich Schinkel daherkommen. Also zurückkommen. 2031 im Schinkeljahr? Wann gibt man so etwas in Auftrag bei einem Künstler wie Ottmar Hörl? Wir werden davon hören und lesen. Bei Goethe ist Schinkel ja tatsächlich zu Besuch gewesen. Und in seinem Schauspielhaus in Berlin ist reichlich Schiller gespielt worden, nicht nur zu Fontanes Kritikerzeit. Eine konzeptionelle Vorlage für Hörl steht auf dem Schinkelplatz. Der Mantel, mit dem Max Wiese den Sohn Neuruppins präsentiert, kann sich sehr gut sehen lassen, schon seit 1883. Mal was Schönes, woran es 2033 zu erinnern gilt…
