Erinnern an den 8.Mai 1945
Mit Musik, Redebeiträgen, Gesprächen und zahlreichen Informationsständen erinnerten das Jugendwohnprojekt „Mittendrin“, das Bündnis „Neuruppin bleibt bunt“ sowie die Initiative „Omas gegen Rechts“ am Freitag an die Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945. Trotz engagierter Vorbereitung blieb die Resonanz aus der Bevölkerung jedoch überschaubar. Grundlage des Beitrags sind Mitschriften und Aussagen von Beteiligten vor Ort.
Von: macron
Auf dem Gelände waren Sitzgelegenheiten aufgebaut worden, Besucherinnen und Besucher konnten bei Kaffee und Kuchen miteinander ins Gespräch kommen. Neben den offiziellen Redebeiträgen prägten vor allem viele Gespräche am Rand der Veranstaltung das Bild. Diskutiert wurde darüber, warum gesellschaftspolitische Veranstaltungen heute oft nur noch wenige Menschen erreichen, welche Rolle soziale Medien dabei spielen und wie politische Bildungsarbeit wieder stärker in den Alltag der Menschen gelangen kann. Auch persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Spaltung, politischer Frustration und dem Wunsch nach mehr Miteinander wurden offen angesprochen.
Mehrere Redebeiträge beschäftigten sich mit der historischen Bedeutung der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, mit aktuellen politischen Entwicklungen sowie mit Fragen sozialer Gerechtigkeit, Aufrüstung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Immer wieder wurde betont, dass Erinnerung nicht bei symbolischem Gedenken stehen bleiben dürfe. „Nie wieder“ bedeute auch heute Haltung zu zeigen – gegen Ausgrenzung, soziale Spaltung und Menschenfeindlichkeit.
Besonders junge Rednerinnen und Redner forderten dazu auf, sich gesellschaftlich zu engagieren und miteinander im Gespräch zu bleiben. In mehreren Beiträgen wurde Kritik an Aufrüstung, Wehrpflichtdebatten und sozialer Ungleichheit geäußert. Gleichzeitig ging es auch um die Frage, wie demokratischer Zusammenhalt gestärkt werden kann und warum sich viele Menschen von politischen Diskussionen nicht mehr erreicht fühlen. Auch in kleineren Gesprächsrunden wurde immer wieder darüber gesprochen, wie sich jüngere Menschen überhaupt noch für politische Themen gewinnen lassen und welche neuen Formate dafür notwendig wären.

Fotos: macron
Auch das Thema der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen spielte eine wichtige Rolle. In einer bewegenden Lesung wurde an das Schicksal von Walter Frick erinnert, der 1941 im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Krankenmorden ums Leben kam. Dabei wurde eindringlich geschildert, wie Angehörige bis heute versuchen, die Geschichte der Opfer sichtbar zu machen und die Erinnerung wachzuhalten. Zugleich wurde auf weitere geplante Veranstaltungen zur Aufarbeitung der Geschichte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalten hingewiesen, die unter anderem gemeinsam mit den „Omas gegen Rechts“ vorbereitet werden.
Zwischen Musik, Gesprächen und politischen Diskussionen wurde allerdings auch die geringe Beteiligung thematisiert. Mehrfach war die Frage zu hören, wie sich insbesondere jüngere Menschen besser erreichen lassen und welche Formate nötig wären, damit mehr Bürgerinnen und Bürger an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Einige Besucher verwiesen auf familiäre Verpflichtungen, andere auf mangelnde öffentliche Wahrnehmung oder darauf, dass gesellschaftspolitische Themen oft nur noch bestimmte Milieus erreichen würden. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie wichtig vielen Anwesenden gerade die persönlichen Begegnungen und offenen Gespräche erschienen.
Das Jugendwohnprojekt „Mittendrin“ organisiert gemeinsam mit verschiedenen Initiativen regelmäßig kulturelle und politische Veranstaltungen in Neuruppin. Viele der beteiligten Jugendlichen engagieren sich gegen Rechtsextremismus und für ein offenes gesellschaftliches Miteinander. Gleichzeitig wurde bei der Veranstaltung deutlich, dass auch innerhalb der Stadtgesellschaft weiterhin darüber diskutiert wird, wie politische Bildungsarbeit aussehen muss, um mehr Menschen einzubeziehen.
