Schinkelianer zu Gast auf den Garagenhöfen an der Fehrbelliner Straße. Foto: VHS
In Chemnitz und Cottbus hat man die Garagen schon ins Rampenlicht gerückt. Nun widmet sich auch eine Ausstellung in den Räumen der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft den Garagenhöfen in Neuruppin. Es geht um “Orte für Autos und mehr: Mobilität, Begegnung, Geschichte, Kultur…”
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Wenn Peter Weber interessierte Gäste durch seine Heimatstadt Neuruppin führt, liegt der Schwerpunkt im Zentrum. An Stoff ist wahrlich kein Mangel. Eine Tour zu den Garagen habe es noch nicht gegeben, erzählt er im Gespräch mit Ilga Stöppler und Matthias Frinken von der Schinkel-Gesellschaft. Ohne Fahrräder wäre angesichts der Verteilung über die ganze Stadt wohl auch nicht viel zu machen gewesen.
Weber ist selbst natürlich Mitglied in der Schinkel-Gesellschaft. Seine Unterlagen aus den 70er-Jahren dürften hilfreich gewesen sein für die Gestaltung der Ausstellung “Garagenhöfe in Neuruppin”, die am 12. Dezember um 17 Uhr eröffnet wird. Man will sich nicht auf Bauliches beschränken, sondern ein interessantes Stück DDR-Geschichte präsentieren. Deshalb das Motto “Orte für Autos und mehr…” Wie die Areale heutzutage genutzt werden, zeigen Fotos aus dem laufenden Jahr, etwa aus der Thomas-Mann-Straße oder vom großen Terrain “Zur Mesche”. Man präsentiert Ansichten von der Hans-Grade-Straße und von der Fehrbelliner Straße. Die dortige Anlage ist die größte in Neuruppin.
“Zuerst das Auto oder die Garage?”, ist eine der Fragen an Peter Weber. Schon ist man bei den Themen Stadtentwicklung in Neuruppin zur DDR-Zeit und Lebensstandard in der Ära Honecker. Um Formen der Gemeinschaft geht es, unterhalb der Ebene von Partei und Gewerkschaft. Das Standardmodell war verbreitet, das zeigt sich nicht nur in Brandenburg. Die Geschichten dürften variieren. Flachzange und Grillwerkzeug erzählen verschiedene Geschichten.
Und Schinkel? Seine Tagebücher und Briefe aus Italien verraten, dass er sich mit der seriellen Methode, mit schlichtem Bauwerk nicht so recht anfreunden konnte. Aber da gab es wohl auch schon Pfusch am Bau.

Repro: Jan Mende (Hg.); Friedrich Gilly; Kubus, Licht und Schatten; 2023 .
Schauen wir einmal auf dieses bahnbrechende Studienblatt von Friedrich Gilly aus dem Jahr 1798 mit Kuben und Kunststücken am Corpus. Jan Mende lässt es zum Titelbild werden. Also hinein in die Schinkelzeit. Der Anfang. Die Faszination durch Vater und Sohn. Solche Skizzen dienten nicht als Vorbild in der DDR-Garagenwelt. Materialverschwendung! Formspielerei! Bürgerlicher Eskapismus!
“Fünf mal drei war Standard”, sagt Peter Weber im Hinblick auf die Höfe. Das Gelände sei Staatseigentum gewesen. Schon ist man bei Weichenstellungen in den Jahren ab 1990, bei heute geltendem Recht, bei Pflichten und bei der Frage, wie dieses Erbe bewahrt werden könnte. In der Schinkel-Gesellschaft, so Matthias Frinken vom Vorstand, habe man einen weiten Begriff von Architektur. Es gehe immer auch um die Baukultur und die Lebensverhältnisse. Da kommt man an den Garagen tatsächlich nicht vorbei.
Über Dauer und Öffnungszeiten der Ausstellung, die auch wilde Bemalungen von Toren unweit der Stadtmauer zeigt, wird auf der Homepage der Gesellschaft informiert.
