Wenn “20 aus 20” doch bloß neue Türen für die bildenden Künste öffnete!!!

Traurige Stimmung in St. Trinitatis! Der Verein Galerie am Bollwerk lud zum letzten Mal in die Klosterkirche zu einer Ausstellung ein. Mit “20 aus 20” schaut man auf Ausstellungen und Werke aus zwanzig Jahren zurück. Das Wort vom “Schlussstrich” sorgte dafür, dass alles anders war als gemeinhin bei einer Vernissage. Selbst in den freien Künsten geht es selten so persönlich zu. Und schon gar nicht so traurig, so beklommen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Martin Schulze war nicht gebucht worden. Doch was der radelnde Organist beim Treffpunkt Orgel vorab Klang werden ließ, wirkte wie eine Einstimmung auf die folgende Veranstaltung. Es gab flehende Gesänge, es gab Donner und Schelte. Dazu offene Fragen Richtung Himmel: “Warum?” Wieder mal das liebe Geld? Insider wissen mehr über die Vorgänge und die Verhältnisse, die Zuständigkeiten und Widrigkeiten, die zur Schließung der Galerie am Bollwerk führten.

“Aufschwung” – ein vielbeachtetes Werk von Cornelia Felsch.
Foto VHS

Cornelia Lambriev-Soost und Matthias Zágon Hohl-Stein erinnerten im Namen des Vereins an die Vielzahl von Ausstellungen, Veranstaltungen und Projekte. Einige der beteiligten Künstler und Künstlerinnen waren zugegen. Die Bedeutung solch eines Raums, solch einer Adresse für die Region wurde später auch noch von Uta Bartsch hervorgehoben. Es gab viel Applaus für die indirekt deutlich werdende Kritik. Mario Zetsche konnte als Vertreter der Stadt Neuruppin leider auch keine erlösende Nachricht verkünden. Selbst Pastor Thomas Klemm-Wollny wirkte irgendwie anders als bei kirchlichen Veranstaltungen. Bei einem biblischen „Alles hat seine Zeit“ wollte er es allerdings auch nicht bewenden lassen. Ein Hauch von Hoffnung schimmerte ganz oben auf Hermann Hesses „Stufen“.
Die Ausstellung präsentiert aus jedem Jahr ein Werk. Es geht um Malerei, Grafik, Bildhauerei, Keramik und Fotografie. Eine Liste erleichtert den Gästen den Zugang. Plakate lassen ein reiches Kunstleben sichtbar werden. Und natürlich wird hier auch Ausstellungsgeschichte und Stadtkulturgeschichte erzählt. Aus, Schluss und Vorbei? Man mag es einfach nicht glauben…

Ein Durchbruch an der Grenze zwischen Treptow und Neukölln.
Foto VHS

“20 aus 20” gibt es bis zum 20. September 2026 zu den Öffnungszeiten der Klosterkirche. Für Besucher von Konzerten und Gottesdiensten lohnt es sich, eine halbe Stunde eher als gemeinhin zu kommen. Das Motto der Welt gibt’s gleich zu Beginn: “Überleben” – ein Schriftzug von Rupprecht Matthies. Jens Kanitz’ “Hohe Barke” hat am Ende der Zeitreise auch etwas von Zuversicht. Mit “O. T.” sind gleich fünf sehr unterschiedliche Werke betitelt, ob von Franziska Zänker, Marianne Kühn-Berger, Ralf Hentrich, Italo Calvetti oder Bernd Weimar. “Das Narrenschiff” von Matthias Zágon Hohl-Stein scheint über der ganzen weiten Kulturlandschaft zu schweben.
Wer sich der Traurigkeit nicht ganz überlassen wollte, fand in einem Kärtchen von Johannes Bunk etwas Trost oder Ablenkung. Im Kunstraum gibt es ab 16. August 2026 die Ausstellung “Entlang der neuen Straße”. Klaus Hartmann ist mit Werken zu Gast.

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