“Glückwunsch: Sie hätten keine bessere Entscheidung treffen können!”

Cornelia Felsch und Matthias Noack sind mit dem Fontane-Kulturpreis 2025 der Stadt Neuruppin ausgezeichnet worden. Zur feierlichen Preisverleihung, die Mario Zetzsche moderierte und die Band “Zeichen und Wunder” musikalisch dezent einrahmte, fanden sich zahlreiche Gäste in der Kulturkirche ein. Am Anfang der Berufslaufbahn standen in beiden Fällen nicht etwa die Künste.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Elektrotechnik hat Cornelia Felsch zunächst studiert. Und Matthias Noack hat sich als Elekromonteur ausprobiert. Dass die Fontanestadt Neuruppin eines Tages die künstlerische Wirkungsstätte der beiden Geehrten wurde, bezeichnete Bürgermeister Nico Ruhle schon bei der Begrüßung als besonderen Glücksfall für das Gemeinwesen.
Am Denkmal für den am 30. Dezember 1819 geborenen Sohn der Stadt war kurz zuvor von einer Zäsur im Leben Theodor Fontanes die Rede gewesen. Nein, nicht die leidige Apothekergeschichte. Die Hinwendung zur Literatur im Alter von 56 Jahren. Iwan-Michelangelo D’Aprile, der Vorsitzende der Fontane-Gesellschaft, erinnerte daran. Ein ganz kurzer Ausflug in die Welt der (damaligen) Staatsbeamten habe gereicht. Nicht auszudenken, diese Entscheidung wäre nicht getroffen worden, begabt, wie er war.

Persönliche Worte des Dankes und der Verbundenheit: Cornelia Felsch.
Foto: VHS

Auch im Falle von Cornelia Felsch und Matthias Noack ist sicherlich die vorhandene Begabung die Grundlage gewesen für die Kurskorrektur. Dann frühe Einflüsse in der Kindheit, also mindestens in Elternhaus und Schule. Schließlich die faktische Gelegenheit, ein Studium zu beginnen. Natürlich nicht ohne Praxisbezug. Mit Stolz, aber auch voller Dankbarkeit blicken beide zurück auf den eigenen Weg. In Neuruppin muss man sie eigentlich nicht näher vorstellen. Sie gehören einfach dazu. Sie ist als Bildende Künstlerin durch Ausstellungen bekannt, durch Kreativkurse und Lehrveranstaltungen. Kulturjournalismus gehörte auch zum Wirkungsbereich. Ihn kennt man als Musiker durch Konzerte, duch Orgelspiel im Gottesdienst und ambitionierten Musikunterricht, um nur ein paar Schwerpunkte zu nennen.

Ein Blick am Laptop in die Bildergalerie von Cornelia Felsch.
Bildergalerie von Cornelia Felsch, Homepage.

Als Laudator lobte Frank Jüttner Felschs Ausdruckskraft, ihre Art, Atmosphäre zu gestalten und Interesse für die Geschichte hinterm Bild zu wecken. Ein Werk wurde in der Kulturkirche leider nicht präsentiert. Von Matthias Noacks vielfältigem Wirken gab es am Ende eine Kostprobe. Ein Lied nach Theodor Fontane wurde angestimmt, mittendrin: der Dirigent, der auch gerne mitsingt. Die innere Verbundenheit wurde spürbar – auch in diesem gemischten Ensemble. Als Laudatorin hob Annemarie Nippraschk hervor, dass die Arbeit mit Chören jeder Art für den Dirigenten eine Leidenschaft sei.
Die Jury um Thomas Klemm-Wollny würdigte nicht etwa “nur” die jeweilige künstlerische Leistung. Motivation, Förderung und Fortentwicklung anderer Menschen sei beiden ein wichtiges Anliegen. Das Alterspektrum der Beglückten ist entsprechend weit gestreut. Im Falle des Kirchenmusikdirektors war die Lobeshymne noch weiter gefasst. Geschickt genutzte Kontakte, Organisationsvermögen und Wagemut, besonders beim Projekt Doppelorgel, wurden Matthias Noack attestiert. Er vermag es, Spenden zu aquirieren, er findet das Ohr der Jüngsten und beherrscht nicht nur die Königin der Instrumente. Außerdem, so Nippraschk, habe ein Angebot wie etwa die Reihe der Sommerkonzerte auch Bedeutung für den Ort Neuruppin als Ziel des Tourismus.
Der ebenfalls gut vernetzten Cornelia Felsch wurde von Frank Jüttner Bescheidenheit attestiert. Künstlerische Selbstinszenierung sei ihr wesensfremd. So waren ihre eigenen Worte denn auch eher eine Danksagung an das Leben und ihr nahestehende Menschen. Trifft sie heute Kunstaktive, die bei ihr in einem Kurs waren und Impulse für den eigenen Weg bekamen, spürt sie, was wirklich Bedeutung hat und nicht in Maltechnik aufgeht. Das mache sie glücklich.

Matthias Noack mit Thomas Klemm-Wollny, Nico Ruhle und Annemarie Nippraschk.
Foto: VHS

Für Matthias Noack gehört es zum Job, vor vielen Menschen zu sprechen. Und den Comedian kann er auch. In der Kulturkirche schwärmte er von der Kraft der Musik, das Unsagbare auszudrücken. Durch Klang, gern mit Gesang. Und im Falle der Kirchenmusik trage der Glaube sicher erheblich dazu bei, die Seele der Menschen zu erreichen und sie innerlich zu bereichern. Gegen das Experiment der Kulturkirche war dieses Glaubensbekenntnis sicherlich nicht gerichtet. Noacks Danksagung an alle, die sich auf ihn einlassen, also auch an seine Ehegattin, war verknüpft mit der Einladung zu den noch ausstehenden Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach.
Frank Jüttner gratulierte der Jury im Hinblick auf die Preisvergabe 2025 gleich doppelt: “Sie hätten keine bessere Entscheidung treffen können.” Mit der Auswahl der Lobesstimmen lag man übrigens auch nicht schlecht. Wer wollte und konnte, durfte am Ende auf Einladung der Fontanestadt Neuruppin das Glas mit den Geehrten erheben. An das Geburtstagskind wurde auch gedacht. Seine Botschaft, vom Chor gerne aufgegriffen, wird Miesmacher entsetzen: “Wer schaffen will, muss fröhlich sein…”

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