Das Fontane-Denkmal wird immer öfter zum Ort politischer Bekundungen

Zur Fußballeuropameisterschaft 2024 ein Schal in Schwarz-Rot-Gold für Theodor Fontane, also in den Farben progressiver Patrioten rund um 1848. Im Dezember 2025 die blaue Friedenstaube von Pazifisten. Und nun im Januar 2026 die Farben von Rojava, der Demokratisch-Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyriens, das Kurdenzeichen. Das Neuruppiner Denkmal entwickelt sich immer mehr zum Ort politischer Bekundungen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Um was es im aktuellen Fall geht, kommt sicher auch am kommenden Montag beim Politischen Salon ab 19 Uhr im Cafe’ Hinterhof zur Sprache. Die Situation von Kurden und Kurdinnen in Nordostsyrien soll im Gespräch mit Dörte Simon-Rihn behandelt werden. “Frauen – Leben – Freiheit” sind die Leitworte. “Die Menschen in Rojava verteidigen ihr Leben in Freiheit und Selbstverwaltung”, heißt es in der Einladung von Christiane Schulz. Und weiter: “Über 10 Jahre hat sich im Nordosten Syriens eine gesellschaftliche Praxis entwickelt, in der Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf Augenhöhe und geachtet mitwirken, in der die ausgesprochen diversen Kulturen und Religionen friedlich nebeneinander und miteinander sein können und die Gesellschaft konsequent von der Kommune aus gestaltet wird.” Das Erreichte ist extrem gefährdet. Simon-Rhin vom Verein „Familien für den Frieden e.V.“ wird berichten. Sie war im März 2025 drei Wochen auf Delegationsreise in Rojava. Ihr Sohn Jakob Rihn arbeitete zwei Jahre als Physiotherapeut und Journalist dort, wurde vor einem Jahr beim zivilen Widerstand am Tisrin-Damm von einer Drohne verletzt. Beide, so Schulz, arbeiteten heute daran, den Menschen und der gesellschaftlichen Vision und Praxis des demokratischen Konförderalismus eine Stimme zu geben. Die Gruppe„Alles Verändern – Raus aus der Tristesse“ schreibt im Internet, man habe öffentliche Orte im brandenburgischen Neuruppin kreativ umgestaltet, um auf die aktuelle Lage in Nordostsyrien aufmerksam zu machen. Die Aktion sei Teil der globalen Aktionstage für Rojava gewesen. Man will auf die gezielten Angriffe durch eine Allianz aus Truppen der syrischen Übergangsregierung, diversen Dschihadistenmilizen und dem türkischen Staat aufmerksam machen. Deshalb der Schal, deshalb die Farben Rojavas. Betroffen sei vor allem die belagerte Stadt Kobanê, die als Symbol des Widerstands gegen den IS weltweit bekannt sei.

Fontanedenkmal  mit Menschenansammlung
Volksfeststimmung im Jahr 1907 rund um das Denkmal.
abfotografiert aus Klaus-Peter Möller; Das Fontane-Denkmal in Neuruppin; Edition Rieger

Ein Blick in die Stadtgeschichte zeigt, dass es schon bei der Einweihung des von Max Wiese geschaffenen Denkmals im Jahre 1907 nicht etwa nur um Wanderspuren in der Mark Brandenburg und Balladenstrophen von Theodor Fontane ging. Prominenz war versammelt, ebenso die Vereine der Stadt und die Schulen. Ein Choral wurde dem Geehrten dargeboten, in dem es heißt: „Wacker das Herz, der Wille stark, Deutsch deine Lieder, ein Sohn der Mark.“ Die Fotografien aus jenem Jahr können die Farben nur andeuten. Ein Volksfest wurde gefeiert. Eine colorierte Postkarte als Gruß aus der heutigen Fontanestadt gab es vor 1914. Dann prägten Konflikt und Krieg die Welt. Dass Fontane mal eine preußische Pickelhaube aufgesetzt wurde, ist nicht überliefert. Krieg und Souveränität waren schon im Frühwerk „Vor dem Sturm“ sein Thema.

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