Fünf Freunde der höfischen Konzertmusik – nicht der Hofgesellschaft.
Ein paar Lektionen Geschichtsunterricht waren angesagt in der Siechenhauskapelle. Allerdings nicht nach Lehrbuch. “Flötentöne in Paris” hieß das Sonntagskonzert, das entscheidend von Gerrit Fröhlich geprägt wurde. Ob an der Querflöte oder am Mikrophon, er riss sein Berliner Ensemble mit, man begeisterte die Gäste. Gabriele Lettow konnte den Musiker und Entertainer schon zum vierten Mal in Neuruppin begrüßen. Gegen eine Serie mit etwas Historie und viel erstklasiger Musik spräche sicherlich nichts.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Der Klangzauber im Frankreich des 18. Jahrhunderts prägte den Abend. Bis zur Revolution ist noch Zeit. Mit dem ihm eigenen Humor spricht Fröhlich vom “Jahrhundert der Frauen”. Es geht um die Mätresse Madame de Pompadour und um Königin Marie-Antoinette. An der absoluten Monarchie wird nicht gerüttelt oder gesägt, aber die Damen haben Einfluss auf gewisse Herren, die immer noch wahnsinnig viel Macht haben. Und das nötige Kleingeld für die Welt der Musik. Statt Worte von Ludwig dem XV. oder von Ludwig dem XVI. verlauten zu lassen, gab es Konzertmuik aus den Jahrzehnten ihrer Regentschaft.

Fotos: VHS
Gemeinsam mit dem Pianisten Markus Syperek, den Streichern Fuyu Iwaki und Manfred Glass sowie Jörg Lorenz am Kontrabass spielte Gerrit Fröhlich locker und heiter zum Tanz auf, man ließ im Überschwang Fanfarentöne erklingen und die selige Querflöte durfte auch mal alleine singen. Komponisten wie Michel Blavet , John de Mondonville und Jean-Phillip Rameau hatten die Notenblätter geliefert. Nach Versailles oder Paris wurde die feine Gesellschaft eingeladen. Der Gedanke an all die schönen Frauen, an Schmuck und Tuch lässt Fröhlich strahlen. Wer im Elend dahinsiechte, war nichtswürdig, das vergisst er nicht. Und das Kanonenfutter für die Kämpfe in Amerika auch nicht.
Ein Höhepunkt des begeistert gefeierten Konzerts war die Darbietung eines Albtraumes mit musikalischen Mitteln. Antonio Vivaldi, bei Gelegenheit auch Gast in Paris, lud nach Venedig ein. Wohl unter Wasserratten. Die Nerven liegen blank, Saite für Saite. Gespenster kommen durchs Fenster. Knochen klappern. Erst der lange Atem des Flötisten lässt die Qualen verwehen. Eindrucksvoll auch der Besuch des jungen Wolfgang Amadeus Mozart in Paris. Ruhm muss noch erworben werden. Die ihn begleitende Mutter stirbt. Ein Requiem wird nicht dargeboten. Beschwingt kommt das Ensemble mit Mozart daher, es geht hinaus aus Traurigkeit, Bescheidenheit und Mühsal. Und da gehen die Lauschenden gerne mit. Ohne Zugabe ging das wunderbare Konzert natürlich nicht zu Ende.
Was mag dieser vielseitig begabte Dozent für Kulturgeschichte wohl beim nächsten Besuch in Neuruppin im Angebot haben? Diesmal wurden Entwicklungen von weltgeschichtlicher Bedeutung lakonisch in Worte gefasst: “Lachend und tanzend dem Abgrund entgegen…” Oder war das insgeheim schon auf Donald Trump gemünzt, der sich so gern rhythmisch gibt, wenn er über eine Bühne geht?
