Zunehmende Geschäftigkeit vor Schinkels Augen beim 16. Familienfest.
In der Nähe von Kirchen wird angeblich oft zum Himmel geschaut. Beim großen Familienfest auf dem Schinkelplatz galt die Sorge sicher bloß den nahenden Wolken und den drohenden Niederschlägen. Doch zwischendurch lachte die Sonne. Die immer größer werdende Festgesellschaft ließ sich später durch ein paar Schauer die Laune nicht verderben. Ein vielseitiges Angebot wartete. Die beteiligten Organisationen, Institutionen und Gruppen hatten keine Mühe gescheut, um vor allem für die Kinder viel zu bieten, was entdeckenswert war. Doch schauen wir einmal mit Karl Friedrich Schinkels Augen auf das Geschehen.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Natürlich musste der Architekt und Baumeister erstmal überlegen, was mit dem Wort Hüpfburg gemeint sein könnte. Mit Schlössern hatte er sich auch vielfach befasst, zeichnerisch und malerisch. Mit Burgen weniger. Statische Mängel konnte er an Burg Hüpf nicht feststellen. Das große Schauspielhaus fiel ihm ein, der Aufgang. Die Dinos ließen ihn zuerst an Drachen denken und an die höfische Gesellschaft. Nur so glückliche Kinder wie auf Burg Hüpf und drum herum hatte er selten zu sehen bekommen in preußischen Landen. Das Anstehen in Reihe an Ständen kam ihm sehr bekannt vor. Ständeordnung war das Gegenteil.
Hier aber war für Kinder aus aller Welt Kreativität auf unterschiedlichste Weise möglich, das begeisterte ihn. Und überall herrschte reges Treiben. Der Blick auf Feuerwehrautos ließ ihn plötzlich an die Jahre nach der Feuerkatastrophe von 1787 denken. Zum Glück war hier und heute niemand im Einsatz! Und überall auf dem Platz lebte der Geist der Freiwilligkeit. Und bei Spenden die Haltung der Großzügigkeit.

Ein Blick rechts an den taktsicheren Trommlern vorbei ließ Schinkel dann vor Begeisterung fast den Atem anhalten. War das nicht so ein Fließsystem, wie er es in den Bergen Italiens gesehen und bewundert hatte? Herrlich: Kinder, die Gefälle und Vernetzung zu nutzen wissen, ohne selbst auf die schiefe Bahn zu kommen! Zu gerne wäre er mal hingegangen. Aber als Statue bleibt man lieber stehen. Und die Beweglichkeit der jungen Artisten an ihren Seilen in den Bäumen hatte er nicht mehr. Aus einer gewissen Entfernung sah er, dass irgendwo mit Bauklötzen gebaut wurde bis zum Umfallen. Farbsprühdosen kannte er noch nicht. Luftballons auch nicht. Geknotet und zu Figuren geformt? Fabelhaft! Neben ihm wurde mit einem Ball gespielt. Was für ein Glück!

Fotos: VHS
Schinkel hatte tags zuvor paar Touristen belauscht, die sich über einen schlechten Rang Deutschlands beim “Wohlbefinden von Kindern” ausließen. Platz 25 von 37? Ob da solche Ereignisse wie das 16. Neuruppiner Familienfest auch einflössen? Vermutlich nicht. Hier gab es 57 Aktionsfelder. Dann die Gaumenfreuden. Und all die Gesprächsmöglichkeiten. Diese Familien, diese Gruppen und ein paar Solisten wirkten so, als würde man einen Platz in der Spitzengruppe des Wohlbefindens feiern und zugleich dafür sorgen, dass Neuruppin im Ranking der Republik weit vorne blieb. Hier Bürgermeister oder Amtsleiterin zu sein, das musste doch beglücken. Natürlich musste, wer konnte, kraft Amtes fördern und anbahnen, fast wie ein Oberbaurat seiner Art, also mit Herz und Verstand. Als Statue hatte er die Ungeduld endlich abgelegt.
Mit Vorfreude dachte Karl Friedrich Schinkel an das Jahr 2031 und an seine Eltern und Geschwister. Dann würde er endlich 250 Jahre alt sein und seine Geburtsstadt würde das sicher zum Anlass nehmen, sich so entdeckungsfreudig, weltoffen, gemeinnützig, humorvoll und lebensklug zu zeigen wie 2026. Er hatte als Kind viel Papiertheater gespielt. Hier hinter der Kulturkirche konnten ganz andere Bühnen aufgebaut und bespielt werden – eben Lebensmusiktheaterfeuerzauberglanzwerke…
