Eva Strittmatter (links) und Rengha Rodewill Schulzenhof bei Dollgow © Micaela Porcelli / Agentur Wort + Kunst commons.wikimedia.org
Die Lyrikerin Eva Strittmatter und die Malerin und Fotografin Rengha Rodewill haben sich persönlich kennen gelernt. In “Eva Strittmatter – Spuren” sind zutiefts berührende Aufnahmen zu sehen. Die 1930 geborene Tochter Neuruppins ist von Alter und Krankheit gezeichnet und doch sofort zu erkennen in ihrer einzigartigen Ausstrahlung. Und dennoch ist dieses Lebenswerk über weite Strecken eine Enttäuschung.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
“Eva Strittmatter – Spuren” und “Eva Strittmatter in Neuruppin” sind fast gleichzeitig erschienen. Ob Rangha Rodewill und das Duo Gabriele Radecke und Robert Rauh sich gar nicht kennen? In dem hier bereits vorgestellten Frankfurter Buntbuch 76 geht es tatsächlich nur um die ersten siebzehn Jahre von Eva Braun. Die gut 180 Seiten “Spuren” aber gelten dem ganzen Leben. Und erfassen es nicht oder nur recht beschränkt.
Eva Strittmatter verstarb am 3. Januar 2011 im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Die seit 1991 so betitelte Einrichtung wird abgelichtet. Der Weg, den die zahlreichen Fotografien beleuchten, führt vom Geburtshaus Schlossgarten bis zur Bestattung auf dem Friedhof und zur Grabstätte von Erwin und Eva Strittmatter. Man sieht mit Interesse, wo Eva in Berlin studiert hat schon ab 1947 und wo die Strittmatters als Paar 1953 Quartier fanden im Kernbereich von Ostberlin, Stichwort Stalinallee. So weit, so gut.

Foto: VHS
Doch warum kein Wort fällt über die Offenbarungen, die sich aus den längst veröffentlichten Briefen jener Jahre ergeben oder den Gesprächen mit Irmtraud Gutschke, bleibt ein Rätsel. Ilja, Evas Sohn aus erster Ehe, und Erwin, Jahrgang 1953, die Jahre lang bei der Großmutter in Neuruppin untergebracht waren und darunter ganz erheblich litten, finden keine Beachtung. Nicht anders die Söhne Matthes, genannt Matti, und Jakob. Das Refugium Schulzenhof wird näher beleuchtet. Der Mensch Erwin Strittmatter, in der Tat ein komplizierter Fall, wird knapp und wohlwollend betrachtet. Dadurch entgleitet der Autorin auch das, was die spät veröffentlichten Hass- und Wutgedichte an Wahrhaftigkeit und Ausdruckskraft vermitteln.
Gedichte werden in Paraphrase präsentiert, also nicht im Original. Das Urheberrecht gibt das her. Wer mit Eva Strittmatters Poesie vertraut ist, darf sich wundern über manches Misslingen in Prosa. Geradezu fassungslos macht, wie Neuruppin als Gemeinwesen einbezogen wird. Auf 25 bedruckten Seiten finden sich Lisa Riedels Ausführungen über “Schinkel und Neuruppin”. Schon früh hatte man von Rodewill erfahren, Karl Friedrich Schinkel sei in den Jahren nach der Brandkatastrophe von 1787 und dem baldigen Wiederaufbau “zum prägenden Gestalter Neuruppins” geworden. Lisa Riedel weiß es eigentlich besser, seitenweise, Theodor Fontane auch. Der darf natürlich auch nicht fehlen beim Stimmungsbild aus der Strittmatterstadt. Eva Strittmatters Neuruppin erfasst man so sicherlich nicht. Wie reichhaltig ist dagegen, was Radecke und Rauh bieten im Hinblick auf die frühen Jahre. Man denke nur an Evas erste große Liebe und das Ende durch Krieg und Tod.

Foto: VHS
Viel Wesentliches fehlt bei den “Spuren”. Andererseits finden sich interessante kaum bekannte Worte der Dichterin über ein von Rengha Rodewill initiiertes Projekt an der Berliner Oper, als “Dialog zwischen Fotografie und Lyrik” konzipiert und noch 2010 realisiert. Darüber wird extra zu berichten sein, orientiert an Strittmatters Poesie und Rodewills Fotografie. “Zwischenspiel” heißt der Opernhausstoff. Eva Strittmatter über das Projekt: “Ich stimmte allem zu, nicht überzeugt, aber außerordentlich geehrt durch den Gedanken, die Mauer zu durchdringen in Richtung Westen, zu der Oper hin, die ich nicht kannte.” Viele Jahre früher stand die Mauer gar nicht so schlecht da in ihrem Weltbild.
Was Eva Strittmatter über “Spuren” sagen würde, weiß der Himmel. Wie das Werk beworben wird in Neuruppin, wird sich zeigen. “Nicht kaufen!”, wäre nicht nett als Parole. Und auch wieder nur ein Schaufenstertrick der paradoxen Art. Also: “Kaufen und kritisch studieren…” Eine Biografie, die diesen Titel verdient, weil sie Leben und Werk nicht zuschneidet oder zu schön ist, um wahr zu sein, schon wegen der lieben Not mit Erwin, wird sicher noch kommen bis 2030.

Guten Tag Herr Heuer-Strathmann,
wie man sich verlaufen kann lasten Sie der Autorin an, ich sehe bei Ihnen, wie man sich ver-galoppieren kann in einer Buchbesprechung. Das wirklich wunderbare Buch liegt vor mir – und ich – und viele andere haben es auch nicht bereut erworben zu haben, obwohl Sie sogar von einem Kauf der Neuruppiner*innen abraten, was ganz schön dreist ist. Um Ihnen das nahe zu bringen, Fontane/Schinkel, die berühmten Söhne der Stadt, die berühmte Tochter der Stadt ist Eva Strittmatter. Die Autorin hat den Bogen gespannt und das passt Ihnen offenbar so garn nicht in den Kram, dass Sie sich derart ereifern, anstatt auf die Besonderheiten hinzuweisen die das Buch hergibt, wie die Beerdigung, oder die Gedenkveranstaltung in Leipzig, die Lesung in Babelsberg, die Krankeneinrichtungen, die Deutsche Oper Berlin, alles fällt bei Ihnen unter den Teppich, es hat leider den Anschein, dass Sie Tendenz zum Neid haben, was die Autorin so alles über Eva Strittmatter veröffentlich hat, in Bild und in Text. Das Buch ist ein Kleinod, eine Hommage an die große Dichterin und glauben Sie mir, Eva Strittmatter wäre verzückt, wenn Sie das Buch sehen würde. Sie haben ein Problem in dem Buch eine Biografie über das ganze Leben von Eva Strittmatter zu sehen und zählen locker auf, was da so alles fehlt in einer Biografie, die Familie, Briefe und weiß was nicht sonst noch so alles. Es ist keine Biografie und die war offenbar auch gar nicht gewollt von der Autorin. Alle Strittmatter Fans die ich ansprach, sind beseelt und freuen sich über das Buch mit den einfühlsamen Texten der Autorin und den wunderbaren und seltenen Fotografien.
Freudliche Grüße und Frohe Ostern!
Wolfgang Schröder
Eva Strittmatter – Spuren
Ein fotografisch-literarisches Porträt einer der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen. Mit „Eva Strittmatter – Spuren“ veröffentlicht der artesinex verlag ein eindrucksvolles Werk über eine der prägendsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. Das Buch vereint Originalfotografien von Rengha Rodewill mit poetischen Reflexionen und biografischen Momenten aus dem Leben der 1930 in Neuruppin geborenen Dichterin. Eva Strittmatter, deren Lyrik Millionen erreichte und Generationen prägte, hinterließ ein Werk, das zwischen Naturbeobachtung, existenzielle Tiefe und sanfter Melancholie changiert. Dieses Buch folgt ihren poetischen Spuren – von der brandenburgischen Landschaft über die Orte ihres Schreibens bis zu den Fragestellungen, die ihr Werk bis heute aktuell machen. Die Fotografien Rodewills verleihen dem Band eine besondere visuelle Kraft: Sie öffnen Räume, lassen Stille zu Bildern werden und geben Strittmatters innerer Welt Form und Farbe.
„Eva Strittmatter – Spuren“ ist kein klassisches Porträt, keine klassische Dichterbiografie, sondern eine Annäherung – eine Begegnung mit einer Dichterin, deren Sprache bis heute nachhallt und die Rodewill auf eindrucksvoller Weise an die Öffentlichkeit in Ost und West trägt. Für die unzähligen Eva Strittmatter Fans eine sehr rührende und bleibende Erinnerung an die Dichterin.
Sehr geehrter Herr Heuer-Strathmann, durch Zufall bin ich auf die Seite „In Neuruppin“ gestossen, da ich über Eva Strittmatter etwas suchte. Als bekennender Strittmatter Fan, habe ich Ihre Ausführungen zum neuen Buch „Spuren“ gelesen und bin verwundert über Ihre Kritik. Ich habe das Buch, einen Bild und Textband mit großem Interesse gelesen und die wundervollen Fotos angeschaut, eine Biografie ist das aber nicht und sollte es wohl auch nicht sein. Sie schreiben von einer Biografie über Eva S. wie Sie darauf kommen bleibt rätselhaft. Die Autorin hat ein ganz persönliches „Erinnerungsbuch“ verfasst an E. Strittmatter, da sie ihr sehr nahe stand, wie man erfährt. Was ist denn in dem Buch „schwach“ und welche Texte halten da „nicht mit“, Sie schreiben einfach etwas, ohne das genau zu präzisieren. Fontane und Schinkel gehören ebenso zu Neuruppin wie E. Strittmatter, die berühmte Tochter der Stadt. Die Texte der Autorin sind sehr einfühlsam und sehr berührend geschrieben, sie hat Fontane mit den Rosen verbunden, das Rosen Gedicht von E. Strittmatter und Fontanes Rosen Gedicht an Jenny Treibel, eben vom „Rotdorn bis zur Rose.“ Aber wenn Sie meinen, dass das eine Eva S. Biografie ist, für mich ist das keine Biografie, Sie irren mit dem Buch.
Hallo, ich bin ein großer Fan von Eva Srittmatter und habe mir das Buch als Erinnerung gekauft an sie, und ich muss sagen, es ist wunderbar, es hat mich sehr sehr berührt. Für alle Strittmatter Fans ist das Buch ein MUSS, ich kann es allen ans Herz legen. Die Autorin hat eine schöne, ganz persönliche Erinnerung an die Dichterin verfasst, sowohl was die einzigartigen Fotos, als auch die sehr einfühlsamen und berührenden Texte die sie geschrieben hat. Auch spürt man die große Nähe zwischen beiden Frauen. Die Gemeinsamkeit in den Projekten, die Lesung in Potsdam 2003, das gemeinsame Buch von der Oper 2010, alles einzigartig. Es sind so viele Dinge im Buch die überhaupt nicht so bekannt sind, die Autorin hat Spuren aufgesucht, das sind die Schulen von Eva in Neuruppin, oder Frankendorf wo die Großeltern lebten, das Grab der Mutter in Neuruppin, der Vater wo der umgekommen ist und beerdigt ist, auch Dollgow und in Berlin die Humboldt Uni, und die Wohnungen mit Erwin Strittmatter, auch als Eva Wernitz in Mahlsdorf, wo sie mit dem 1. Mann gelebt hat. Auch die Kliniken wo Eva Strittmatter in Behandlung war, bis zum Tode in Berlin im Bundeswehrkrankenhaus 2011- und die Gedenkveranstaltung in Leipzig 2011. Ja, und Fontane ,Eva Strittmatter und Fontane – eine literarische Nachbarschaft, dass ist aber bekannt und die Rose von Fontane im Gedicht. Schinkel und die Bilderbögen gehören zu Neuruppin, die Autorin hat den Bogen auch nach Neuruppin gespannt und das ist alles sehr lesenswert. Sehr gut sind die Informationen hinter den Bildern, da gibt es so vieles was man überhaupt nicht weiß. Mir gefällt das Buch vom Cover bis zum letzten Foto der jungen Eva Strittmatter sehr und die Texte gefallen mir auch sehr.
„Eva Strittmatter – Spuren“ versteht sich nicht als umfassende Biografie und erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige Darstellung von Leben, Familie und Werk. Der Titel benennt bewusst das Konzept: eine literarisch-fotografische Annäherung, selektiv und perspektivisch.
Der Band dokumentiert unter anderem die Lesung Eva Strittmatters 2003 in Potsdam – ein seltenes öffentliches Auftreten und in der Rückschau ein kulturhistorisch bemerkenswerter Moment („Donnerdichtung“). Gerade solche Ereignisse bilden den Kern der hier versammelten Spuren.
Wer eine enzyklopädische Lebensdarstellung oder eine wertende Gesamtabrechnung erwartet, liest ein anderes Genre.
Der Verfasser trifft leider nicht den Bereich, in dem das Buch sehr schwach ist, z. B. 25 Seiten Schinkel und Neuruppin. Und die Foto Serie ist schon auf das ganze Leben ausgerichtet. Von der Geburt bis zum Grab. Und interessant und bewegend. Aber die Texte halten da nicht mit, auch nicht bei der Donnerlesung. Deshalb bleibe ich bei meiner Kritik, ohne den Erwerb zu bereuen. Gegen die Veröffentlichung des Kommentars spricht nichts. Bei Fontane teilt man übrigens meine Sicht und berichtet von sonderbar widersprüchlicher Reklame seitens des Verlags. Der Kommentator liest hoffentlich auch, was ich über das Bilder- und Gedichte Werk von S und R notiert habe.