Zum 96. Geburtstag von Eva Strittmatter eine großartige Sonderlektion

Das Werk “Eva Strittmatter in Neuruppin” haben Gabriele Radecke und Robert Rauh bereits im Herbst 2025 veröffentlicht. Man konnte hier bereits Näheres erfahren, auch dass es lesenswert ist, das Frankfurter Buntbuch 76. Nun war das Duo aus Anlass des 96. Geburtstages der Neuruppiner Lyrikerin im Museum zu Gast und erfreute die große Geburtstagsgesellschaft durch eine Lektion, die Trauriges nicht ausklammerte und Komplexes nicht vereinfachte.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Zur Welt kam Eva Braun am 8. Februar 1930 in dem Haus mit dem zauberhaften Namen Schlossgarten. Die Adresse ihrer Kindheit und Jugend war jedoch bloß die Prinzenstraße, heute Robert-Koch-Straße. Eva Braun kehrte ihrer geliebten Heimatstadt schon 1947 den Rücken, um in Berlin zu studieren. Dort lernte sie 1952 Erwin Strittmatter kennen, Jahrgang 1912. Bis zum geteilten Nachnamen sollte es noch ein Weilchen dauern.
Ein Schwerpunkt der geschickt bebilderten Geburtstagslektion war Evas Weg zur Kunst des Verseschmiedens. Denn die Anfänge liegen eben nicht in Berlin, sondern in Neuruppin. Lesend und reimend konnte Eva demnach gleichaltrigen Mädchen schon früh auf die Nerven gehen. Dabei ulkte sie nur, wenn sie reimte. Und für sie wurde Literatur lebenswichtig. Jahre später gewann sie in Briefen an den geliebten Hans Deichmann durch ihre Verse eine tiefe Ausdruckskraft. Die Geschichte dieser tragischen Jugendliebe zu Kriegszeiten wird knapp umrissen. Ebenso der historische Hintergrund der NS-Zeit. Ein Brief an den schwerverletzten Hans im Frühjahr 1945, den er vermutlich niemals lesen werde, das ging zu Herzen.

Ostern 1936: Eva Brauns Einschulung mit Zuckertüte.
abfotografiert aus dem Frankfurter Buntbuch 76

Anders als im Buntbuch dominierten im Museum nicht Gegenwartsaufnahmen aus der Geburtsstadt die Präsentation. Im Gegenteil. Man sieht Eva als Kleinkind im Garten. Gewisse Züge sind sofort zu erkennen. Dass es einer Nachbarfamilie materiell besser geht, zeigt ein Foto vom Segelhafen. Später steht Eva – schon etwas älter – neben dem Vater. Ein komplizierter Fall, dieser Mann. Im Krieg kommt er zu Tode. Die Mutter ist allein mit den drei Kindern. Nähen für die russischen Befreier und Besatzer bringt etwas Geld. So mischten sich knappe Informationen in Wechselrede mit eindrucksvollen Impressionen. Authentisches Material wird mit Empathie betrachtet und vorgestellt. Das kann Schule machen, auch wenn es um das ganze bunte vielschichtige Leben von Eva Strittmatter geht. Sie verstarb im Jahre 2011.
Vor diesem Hintergrund wirkte der Blick auf die Regalreihen im Literaturarchiv der Akademie der Künste in Berlin anziehend wie eine Schatzkammer. Der Bestand an Fanpost an Eva Strittmatter sei umfassend. Die Erforschung stehe noch aus, so Radecke.
Interessierte konnten das Buntbuch 76, das die Jahre 1930 bis 1947 in den Mittelpunkt stellt, natürlich am Ende erwerben, auf Wunsch mit Widmung. Anette Handke vom Kleist-Museum in Frankfurt/Oder hatte einige Exemplare mitgebracht. Es sei, so Museumsleiterin Maja Peers, die erste Kooperation der beiden Museen.
Die Geburtstagsgesellschaft indessen ließ es sich nach der Lektion wohlergehen. Der Förderverein um Frank Jüttner vom Vorstand zeigte sich wieder einmal großzügig, sicher auch als Ausdruck echter Verbundenheit mit Eva Strittmatter als Tochter dieser Stadt. Auf ihre Art hat sie immer noch oder sogar immer mehr den Menschen etwas zu sagen. Erschütterungen der Jugend und Glück der frühen Jahre gehen Hand in Hand…

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