Keine Lust auf Entenrennen – erstmal bisschen Körperpflege…
Fünf Euro für ein elektrisiertes Zweirad, das über 3000 Euro kosten soll im Handel, das verlockt. Kein Wunder, dass die 5555 Glückstickets für das sogenannte Entenrennen gut weggingen. Außerdem galt die Aktion ja primär einem guten Zweck – der Unterstützung von Jugendarbeit. Das Hauptlob aber erarbeiteten sich die beiden Moderatoren. Denn wo fast nichts passiert, mussten sie kommentieren, als gäbe es eine hochspannende Entwicklung. Eine Meisterleistung!
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Auf dem Weg zum Bollwerk fällt ein Enterich auf. Er putzt sich noch. Ob’s dann Richtung Rennstrecke geht? Die gelben Enten beeindrucken? Und die schönste Grazie bezirzen?
Das böse diskriminierende Wort von der lahmen Ente fand 2026 zum 5. Mal seine Beglaubigung. Sie können nichts, sie machen nichts, sie werden getrieben und lassen sich treiben. Gut, sie sind wiederverwendbar. Der Ruppiner See ist für seine Länge bekannt. Da wäre mehr möglich. Das könnte Tage lang so gehen. Aber noch belässt man es bei der Kurzstrecke am Bollwerk. Für den fehlenden Wind sind höhere Mächte verantwortlich.

Frank Matthus hat sich unters Volk gemischt. Seine markante Stimme ist überall gut hörbar. Jörg Klugow steht hübsch mutterseelenallein wie ein gemiedenes “hässliches Entlein” auf der Bühne. Und das als Präsident. Als Repräsentant des Rotary Clubs. Doch die Schmach kann locker weggeredet werden. Im Ferngespräch fällt den Moderatoren mancher Scherz ein. Etwa über “Ente Nummer 5556 als Erstplatzierte!” Matthus beobachtet tatsächlich, also angeblich, ein plötzliches Vorpreschen, als wär’s die Tour de France oder gleich Formel Eins. “Verstappen nicht zu stoppen!” Leider kann der gut gelaunte Entertainerich keine Nummern erkennen. Und er dürfte sie nach einer spontanen Abtauchaktion sicher auch nicht nennen. Die behutsam bewegten Plaste& Elastetypen schwimmen ganz ohne Geschnatter und Geschnäbel auf dem Rechtsweg. Gebissen wird nicht! Einfach süß! Und sicher auch 2027 ohne Zuckersteuer.

Gut, dass in den Tagen der Pressefreiheit heute “Tag des Lokaljournalismus” ist. Ein Nachruf? Nein, eine kleine vorsichtig tastende Glosse wagen. Und pressionsfrei fragen, wo die vier Landratskandidaten waren. Einer soll irgendwo gesehen worden sein. Bürgermeister Nico Ruhle indessen durfte mitmachen beim Ansagen der Glücksnummern. Alles natürlich streng unpolitisch. Kein Wort Richtung Berlin und Buenos Aires, als es um den Gewinn einer Kettensäge geht. Marke “Milei”? Stichwort Gesundheitssystem? Nun in Kinderhand. Aber nur kurz, sorgebedingt. Das lahme Fahrrad stand noch lange da. Es wirkte gelangweilt. Serientyp. Anders der Kaffeeautomat, also der Karton. Der will beglücken. Und so weiter…
Insgesamt hatten sich Spender und Sponsoren 120fach großzügig gezeigt. Das ist in der Tat großartig. Alles Weitere, alles Wundersame, das ganze Glück im Netz. Wie gut die beiden Wortemacher drauf waren, zeigte die Antwort auf die Frage, wie oft man von einem 500-Euro-Entenschein Essen gehen kann. Pekingente? Nein. Der Herr Präsident: “Als Familie mit Kindern: Na, einmal, denke ich!”

Foto: VHS
Dass auch die Lottozahlen fürderhin durch eine Art Wasserbad gefunden werden sollen – die Zahlen als Wasserzeichen unlesbar gemacht für Fernsehaugen und alles acht Stunden lang live übertragen bei GlücksTV wie Hauptwaschgang, ist sicher wieder eine dieser Presseenten. Und dass Donald Trump seine Militärwasserschläge vorher wie Entenbad a la Hormus durchzuspielen pflegt, ebenfalls. Es lebe die Pressefreiheit – nicht ducken! Mehr Wasserwortspiele! Und immer wie Sonntag: Eintritt frei, nicht nur zum Enteneinerlei!
