Blechbläserquintett aus Leipzig mit heißen Rhyhmen in der Klosterkirche

Wenn’s sein muss, trommeln sie auch und klappern oder klimpern und zucken mächtig mit den Wimpern, aber ihre eigentliche Leidenschaft ist die Blasmusik auf Blech. Deshalb hat sich emBRASSment vor sechs Jahren in Leipzig gegründet. In Neuruppin waren die fünf coolen Typen schon mehrfach zu Gast und wieder kam das Spiel an Horn, Trompete, Posaune und Tuba bei den vielen Gästen sehr gut án. Die humorvolle Moderation war wohltuend.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Für Musikinstrumente war in der Schöpfungswoche noch keine Zeit, das weiß man. Die Entwicklung aus Ton, Holz und Blech seit jenen Tagen blieb Menschenwerk. Und das Spiel an Tuba und Trompete, an Horn und Posaune auch. Aber wozu eigentlich? Eine der möglichen Antworten verkündete Anne Nippraschk vorab nach Psalm 150: “Danket Gott mit euren Instrumenten!” Wohl denen, die es vermögen. Im Namen der Gemeinde brachte sie auch ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass wieder so viele Menschen den Weg in die Klosterkirche gewählt hatten.

Anne Nippraschk bei der Begrüßung der großen Abendgesellschaft

Die musikalische Reise mit Nick Pscheidt, Christian Scholz, Luis Olivera, Lars Proxa und Nikolai Kähler führte nach Peru, Argentinien, Brasilien und Cuba. Von dort allerdings waren eher melancholische Töne zu hören. “Lamento Cubano” hätten Freunde von der Insel vor 1989 vermutlich nicht im Repertoire gehabt. Ausgangspunkt der bedächtigen wehklagenden Komposition war ein populäres Volkslied.
Ausgangsbasis des Konzerts waren “Carmen Fantasia” und “Habanera” von Georg Bizet. Mit des Franzosen Werk bekam man schon einen Vorgeschmack auf die heißblütigen Ausdrucksformen der Leidenschaft und Lebensfreude in Südamerika. Fragen des europäischen Kolonialismus wirken an diesem Abend wie weggeblasen. Für die Leipziger Kreuzfahrer mit Schiffs- und Nebelhorn sei Nikolai Kähler eine Art Vasco da Gama, hieß es am Ende. Da lag schon der ganze Goldstaub der Musik über den selig Versammelten.
Als Moderator fragte Kähler, wer den Namen Louis Gottschalk schon mal gehört habe. “Nein, nicht Thomas!”, ergänzte der Schalk im Gotteshaus. Meldungen? Fehlanzeige! Das verwundert, wenn man hören darf, wie der in New Orleans geborene Komponist ein Künstlerviertel in Buenes Aires, also in Argentinien, zum Tanzen bringt. Brasilien sei seine Heimat geworden, war auch noch zu lernen. Und dass er eigentlich französischer Herkunft war. Doch wohl kein Arbeitsmigrant?

Einfach schlagfertig: emBRASSment mal kurz mit Ungeblasenem.
Fotos: VHS

Aus der Feder von Darius Milhaud gab es dann “Braziliera” und “Scaramaouche” – die komische Nummer nicht für vier Pianistenhände an zwei Klavieren arrangiert, sondern für zehn Bläserlippen an fünf Blasinstrumenten. Bei Kähler kommt noch Wortbildung hinzu. Seine Werbung in eigener Sache gefiel schon dadurch, dass er außer über CDs, Trinkbecher und Beutelwerk auch über den unbeschreiblichen Farbton und die fehlende Bügelfreiheit der Herrenhemden sprach. Für zerknitterte Gesichter hatte Anne Nippraschk bereits die psalmsichere Anregung gegeben, durch ein Lächeln in den Augen zur Musik für andere Menschen zu werden.
“El Cumbanchero” von Rafael Hernandez war nicht der letzte Mitreißer an diesem erquicklichen Abend unter dem Titel “La Fiesta Musica”. Ohne Zugabe begab sich das applaudierfreudige Auditorium noch nicht auf den Heimweg oder zum Tisch mit dem Leipziger Allerlei. Wie jede Woche durfte auch wieder ungebremst gespendet werden. Die Reihe der Sommerkonzerte geht am 18. August weiter mit “Sternstunden (an) der Orgel”.

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