Das Ehrenmal zum Gedenken an die gefallenen Soldaten aus Wustrau.
Wir schreiben das Jahr 1939. NS-Deutschland überfällt Polen. Pünktlich zu Kriegsbeginn am 1. September soll es wieder ein militärisches Ehrenzeichen geben – das Schinkelkreuz. Damit ist das Eiserne Kreuz gemeint, aber in seiner Urfassung, für die Karl Friedrich Schinkel 1813 verantwortlich zeichnete. Da ging es um den sogenannten Befreiungskrieg.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Auf dem Ehrenmal in Wustrau handelt es sich nicht um das Schinkelkreuz. Der Designer aus Neuruppin hatte die Flächen im Kern schmal werden lassen. Das mag die Träger beflügelt haben. Nur aus urheberrechtlichen Gründen wird hier auf ein Abbild verzichtet. Im Schinkelsonderheft des Magazins Die Mark Brandenburg sind 2019 mehrere Varianten zu finden. Und man erfährt, das Eiserne Kreuz sei ab 1813 “ein Symbol zur Stärkung der preußischen Volksgemeinschaft” gewesen. Und es sei eben der erste unabhängig von Dienstgrad und Herkunft verliehene Kriegsverdienstorden in Europa. Der Diktator Adolf Hitler, selbst im Ersten Weltkrieg 1914 in der II. Klasse und 1918 in der I. Klasse ausgezeichnet, knüpft 1939 bei Beginn des Eroberungsfeldzuges Richtung Osten daran an – nun auf die “deutsche Volksgemeinschaft” fixiert. Ein Signum der Wehrmacht.

Auch am Schinkeldenkmal in Neuruppin kann es einem passieren, dass man das Wort Schinkelkreuz aus fremdem Mund hört. Die gemauerte Einfassung enthält rückwärtig Steine, die an das Hakenkreuz denken lassen. Allerdings fehlt die Punktsymmetrie, wie Schleifen verlaufen einzelne Bänder in die Breite. Mit Strafe ist deshalb nicht zu rechnen. Nur mit Fragen, ob das etwa das Schinkelkreuz sei. Von der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft wird ein Objekt gleichen Typs auch bei Gelegenheit im Fenster im Hause Fischbänkenstraße 8 präsentiert.

Fotos: VHS
Das Eiserne Kreuz in breitem Gepräge ist Zeichen der Bundeswehr seit 1955/56. Flugzeuge und Panzer zeigen es als Symbol. Es hat alle Debatten über eine adäquate Traditionspflege überstanden. Die Nationale Volksarmee knüpfte nicht daran an. Aber da gab es ab 1966 den Scharnhorst-Orden. Auf Gerhard Scharnhorst griff man zurück, da er als Militärreformer in Preußen galt. Volksheer und sozialistische Volksdemokratie gingen Hand in Hand. Grenztruppen, Zivilverteidigung und Staatssicherheit bildeten neben der NVA die Hauptanwärterschaft. Man trug ihn links, auf der Seite des Herzens. Kollektive unterschiedlichster Art konnten ihn auch bekommen. Ein golden anmutender junger Scharnhorst wurde gezeigt, gefasst in einen Strahlenkranz.
Und wer hat den Entwurf für das Grabmal von Gerhard von Scharnhorst, der 1755 in Bordenau nahe Hannover als Bauernjunge zur Welt gekommen war, gestaltet? 1813 starb der “Vater der Wehrpflicht” in Prag. Natürlich Karl Friedrich Schinkel. Ob er wusste, dass der Scharnhorstschüler und Kriegstheoretiker Carl von Clausewitz in Neuruppin militärische Lehrjahre durchlebte? Er erhielt später das Eiserne Kreuz zweiter Klasse in der Schinkelfassung. Das Symbol geht auf den Deutschen Orden zurück. Das Hakenkreuz aber hat seinen Urgrund im fernen Asien. In tibetischen Restaurants kann man erleben, dass es eine Speise garniert. Vom Schinkelkreuz war Ähnliches noch nicht zu hören. Die Verwendung des Eisernen Kreuzes mit Hakenkreuz ist in der Bundesrepublik zu Recht strafbar, da die NS-Symbolik darin triumphiert.
