Donald Bäcker im Stadtgarten Foto: macron
„Vor 2050 müssen wir keine Folgen eines schwächelnden Golfstroms befürchten“ – mit dieser zynischen Entwarnung machte Wetterexperte Donald Bäcker beim Vortrag in Neuruppin deutlich, wie ernst die Klimakrise ist. Während Extremwetterlagen zunehmen, verwies er auf die Dringlichkeit von Veränderungen im Alltag: weniger Konsum, mehr Bahn statt Auto, regionale Ernährung und erneuerbare Energien. Rund 120 Teilnehmende der Nachhaltigkeitstage hörten aufmerksam zu und nahmen viele praktische Anregungen mit.
Von: macron
Im Rahmen der Nachhaltigkeitstage des Vereins Klima und Alltag erlebten rund 120 Besucherinnen und Besucher im Stadtgarten Neuruppin einen fesselnden Vortrag von Wetterexperte Donald Bäcker. Unter dem Titel „Ist das noch Wetter oder schon Klimawandel?“ spannte der bekannte ARD-Meteorologe einen weiten Bogen von den Grundlagen der Wetterkunde bis zu den drängenden Fragen unserer Zeit.
Bäcker verdeutlichte, wie sehr sich Wetter und Klima unterscheiden: Wetter beschreibt den momentanen Zustand der Atmosphäre, Klima dagegen das statistische Mittel über mindestens 30 Jahre. Doch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte sei eindeutig – es wird wärmer, Extremwetter nimmt zu, Dürreperioden wechseln mit Starkregenereignissen.
Dabei spielen natürliche Faktoren wie Vulkane, Meeresströmungen oder die Erdumlaufbahn zwar weiterhin eine Rolle, doch der menschliche Einfluss durch Treibhausgase und Landnutzung verstärkt den Wandel massiv. Besonders kritisch seien steigende CO₂-Werte, Methan-Emissionen sowie die Urbanisierung, die lokale Hitzeinseln schaffen.
Ein aufschlussreiches Beispiel war der Golfstrom. Dieses „Förderband des Atlantiks“ verteilt Wärme aus der Karibik bis nach Nordeuropa. Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sehen Anzeichen, dass er sich durch das Schmelzen der grönländischen Eismassen langfristig abschwächen könnte. Ohne diesen Golfstrom hätten wir Probleme: Der Klimawandel würde weltweit zwar weitergehen, hier in Europa aber könnte es paradoxerweise kälter werden. Das bedeutet: Während globale Mittelwerte steigen, hätten wir in Europa ein massives Problem.
Und doch schloss Bäcker diesen Teil mit einer zynischen Entwarnung : Vor 2050 seien die Folgen nicht zu erwarten. Mit anderen Worten: Erst die nächste Generation werde das ganze Ausmaß zu spüren bekommen.

Foto: Frank Berhorn
Seine klare Botschaft: Klimaschutz ist zugleich Umweltschutz – und jede eingesparte Tonne CO₂ zählt. Bäcker zeigte Lösungswege auf, von erneuerbaren Energien und besserer Stadtplanung bis hin zu bewussterem Konsum. Bäcker zeigte dabei Lösungswege auf, die jede und jeder umsetzen kann:
- Weniger Konsum – bewusster einkaufen, Qualität statt Quantität.
- Regional und saisonal essen, weniger Fleisch und Milchprodukte.
- Mehr Bahn fahren, weniger Auto nutzen – kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad.
- Urlaub näher an der Heimat statt Fernreisen mit dem Flugzeug.
- Energie sparen – von LED-Lampen bis zur Dämmung im Eigenheim.
- Erneuerbare Energie nutzen, z. B. Ökostromtarife oder eigene Solaranlage.
Am Rande der Veranstaltung stellten die Stadtwerke konkrete Ansätze für mehr Nachhaltigkeit im Alltag vor. Die Sparkasse OPR präsentierte, wie gelebte Nachhaltigkeit im eigenen Haus umgesetzt wird – von energieeffizienter Gebäudetechnik bis zu verantwortungsvollem Wirtschaften.
Die Teilnehmenden hörten konzentriert zu, diskutierten lebhaft und nahmen viele Impulse mit nach Hause. Der Abend machte deutlich: Der Klimawandel ist längst Realität – doch wir haben Handlungsspielräume.
