Informativer inspirierender Vortrag über das Projekt “Dom zu Brandenburg”

Was ist eigentlich eine Freitreppe? Und was hat die ehemalige Freitreppe im Dom zu Brandenburg mit dem Wirken von Karl Friedrich Schinkel zu tun? Und wie steht es um die Sanierung des ganzen Ensembles auf jener Insel zwischen Beetzsee und Havel? Dipl.Ing. Lennart Hellberg, einer der seit 1996 mit dem Projekt befassten pmp-Architekten, war in der Schinkel-Gesellschaft zu Gast. Die Resonanz war erstaunlich. Und es ging um weit mehr als „Bauen am und im Dom von Schinkel bis heute“.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die Bilder, die Hellberg präsentierte von Gebäuden rund um den Dom zur Nachwendezeit, zeigten erheblichen Handlungsbedarf. Schandfleck wäre aber sicherlich zu scharf formuliert. Später wurde offenbar, was in 30 Jahren bereits bewältigt wurde. Und dass Anfang der 60er im SED-Staat durchaus einiges getan worden war, um 800 Jahre Dom 1965 in der DDR angemessen feiern zu können. Der interessante Abend zeigte, wie vielschichtig, feingliedrig, aspektreich, ausgreifend und erbaulich ein solches Großprojekt betrachtet werden kann. Kirchen sind eben keine Kaufhallen.
Die paar Jahre, in denen Karl Friedrich Schinkel mit dem Gotteshaus befasst war, werden durch den weiten Blick in ihrer Bedeutung nicht geschmälert. Matthias Frinken vom Vorstand der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft hatte schon bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste darauf hingewiesen, dass es um noch mehr gehen solle als die Jahre von 1834 bis 1836, in denen der Sohn Neuruppins in leitender Funktion als preußischer Beamter seine Spuren hinterließ.
Da aber wäre diese imposante Freitreppe im Kircheninneren zu nennen, die breit ausgelegt war und den Zugang zum Chor öffnete. Was Inszenierung ausmacht, wusste Schinkel nicht zuletzt aus Berlin. Diese Treppe – himmelwärts ausgerichtet oder hinab und hinein in die Gemeinde – ist schon lange Geschichte. Und Hellberg hatte noch mehr zu bieten in Sachen Kirchenbaugeschichte, Religionsgeschichte, Materialgeschichte, Technikgeschichte, Personalgeschichte und Denkmalpflege, aufgelockert durch Anekdotisches und niemals nur auf Fachvokabular oder die Nomenklatura der Bauwelt fixiert.

Was tun, wenn der unsichere Boden endlich durchschaubar wird?
Foto: VHS

Als Mann vom Fach legt er Wert darauf, bautechnische Fragen und Gestaltungsaspekte prinzipiell nicht voreinander zu isolieren. Einem modernen Begriff von Denkmalschutz verpflichtet, kommen gegenwärtige und zukünftige Nutzungsaspekte hinzu. Also auch Markt und Vermarktung, Identitätsstiftung und Attraktion. Als ein Beispiel für die Herausforderungen sei die energetische Seite der Sanierung genannt – im Sinne bewegten Grundes auf der Insel und als verbindendes Element der Gebäude, Stichwort Infrastruktur. Selbst Statik wird ein Begriff voller Dynamik, nicht nur wenn man sich platziert weiß, wo vor Urzeiten eine Burg stand samt Graben.
Und dann noch etwas: Sanierung ist Arbeit, manchmal voller Risiken. Hellberg präsentierte Sicherungsarbeiten am Dom in unterschiedlichster Art. Die Spezialisierung der Agierenden sei vonnöten, um nachhaltig Stabilität zu erreichen. Sonst würden Gesangbuchlieder wie „Ein feste Burg…“ untergraben.

Zeit der Fotodokumente: Der Dom St. Peter und Paul um 1875.
Foto: pmp Architekten

Sanierung der gewählten Art frönt dabei nicht blindlings vergangenen Zeiten. Man orientiert sich an den gegenwärtigen technischen Möglichkeiten und weiß um den juristisch vorgegebenen Rahmen. Das Team um Lennart Hellberg hat 1996 den Zuschlag nicht im Losverfahren bekommen oder aus alter Freundschaft. Es geht schließlich um hohe Summen. Deshalb nur auf Billiganbieter aus dem Ausschreibungsraum zu schielen, könnte fatal sein, meint der Macher auf Nachfrage. Mit dem Erreichten sei man recht zufrieden, aber eben noch nicht am Ziel.

Gut bemäntelt, könnte Lennart Hellberg auch den Denkmalschinkel geben…
Foto: VHS

Sanierung visionär betrachtet, das hat Charme. Ein Hauch von Schinkelinspiration war zu spüren, wo Karl Friedrich einst Kind war und aufblühte, trotz aller Last. Der Applaus der aufmerksam Lauschenden galt sicherlich auch der Vortragskunst und dem beherzten Engagement. Im Jubeljahr 2031 wird es gewiss auch um Schinkelkirchen gehen. Der Dom zu Brandenburg ist eine und ist doch keine. Wie sich die Backsteinbasilika St. Peter und Paul samt Ensemble inzwischen im Internet präsentiert, zeigt www.dom-brandenburg.de .

Ein Kommentar

  1. Danke Volkmar! Für diese präzise und doch auch fröhliche Zusammenfassung des interessanten Abends.
    Was würden wir ohne Deine Worte machen…
    Matthias

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